Interviews & Persönlichkeiten

Lesezeit: 14 Minuten

„Wir wollen auch in 100 Jahren noch erfolgreich sein.“

Text: Doris Thallinger

Fotos: LEUBE, www.kaindl-hoenig.com

Bezahlte Einschaltung

Das St. Leonharder Baustoffunternehmen LEUBE blickt auf eine lange Tradition als Familienbetrieb zurück und gilt heute weltweit als das älteste Zementwerk, das sich nach wie vor im Besitz der Gründerfamilie befindet. Zudem schreibt LEUBE seit Jahren Erfolgsgeschichte als eines der saubersten und umweltfreundlichsten Zementwerke der Welt. Die Geschäftsführer Rudolf Zrost und Heimo Berger gewährten dem SALZBURGER im Interview Einblicke in ihre Unternehmensphilosophie und sprachen über die stetige Weiterentwicklung und ihre Bemühungen um Umwelt und Klimaschutz.

Können Sie uns einen kurzen Überblick geben über die wichtigsten Entwicklungen und Meilensteine des Unternehmens? Was waren die wichtigsten Schritte vom Zement- und Kalkhersteller zum nachhaltig erfolgreichen Baustoffunternehmen?
Rudolf Zrost: 1838 hat mein Ur-Ur-Urgroßvater Dr. Gustav Ernst Leube erkannt, dass es für den damals neu erfundenen Portlandzement ein Rohstoffvorkommen braucht, das auch in der Nähe seiner Heimat Ulm vorkam. Er hat Versuche mit diesem Gestein in seiner Apotheke durchgeführt; der Rohstoff war hervorragend geeignet und so hat er das Unternehmen Gebr. Leube KG gegründet und mehrere Zementwerke gebaut. Gustav Ernst Leube war in der Folge einer der wesentlichen Entwickler von Beton – man hat damals ja noch nicht gewusst, was man mit dem neuen „Super“- Zement machen kann.

1864 hat er das Gelände hier in St. Leonhard gekauft – im Wissen, dass auch hier ein Rohstoff-Vorkommen vorhanden ist, aus dem man diesen neuen Zement herstellen kann. Gustav Ernst Leube ist 1881 verstorben und sein Sohn hat – aus Gründen, die man heute nicht mehr nachvollziehen kann – die Werke verkauft. Nur das Werk in St. Leonhard konnte er nicht verkaufen und so wurde es bis zu den Weltkriegen immer weiterentwickelt. Diese Entwicklung setzte sich ab 1955 fort, als das Unternehmen, das im Krieg enteignet wurde, wieder in den Besitz der Familie zurückging.

Wichtige Meilensteine danach waren u. a. 1970 der Kauf des Kalkwerkes in Golling und kurz danach der Kauf des Ofenauerbergs, der den Rohstoffbedarf des Kalk- und Zementwerks für mehrere hundert Jahre absichert.
2012 sind wir in den Transportbetonbereich eingestiegen – das war ein großer Meilenstein, da wir damit eine erfolgreiche Entwicklung starten konnten, indem wir Unternehmen kaufen – also übernehmen oder uns beteiligen –, die im Transportbetonbereich tätig sind. Immer mit dem Hintergrund, auf diese Art den eigenen Zementabsatz absichern zu können. Diese Strategie ist gut gelungen und wir sind heute das am schnellsten gewachsene Unternehmen in dieser Branche.

Arbeiter bei der Beschickung der Schachtöfen, 1910

Heimo Berger: Mit dem Einstieg ins Transportbetongeschäft 2012 haben wir unsere Wertschöpfungskette erweitert und uns zudem auch geografisch über die Salzburger Landesgrenzen hinaus entwickelt, Richtung Oberösterreich, Steiermark, Bayern und Tirol.

Im Jahr 2018 haben wir uns entschlossen, als dritte Säule in den Beton-Fertigteil-Bereich einzusteigen, indem wir das traditionsreiche Unternehmen Stahlbeton-Schwellenwerk Linz gekauft haben. Dies war zugleich die Spartengründung Infrastruktur. Vor einem Jahr haben wir das Infrastrukturgeschäft von Rieder in Maishofen übernommen, hinzu kommen Fertigteilwerke in Berlin, Gaggenau/D und Tschechien.

Dieser Einstieg in den Bereich der Infrastruktur ermöglicht LEUBE ein Wachstum in die umliegenden Länder und wir wollen unsere Aktivitäten auch im Ausland stärken. Wir denken zwar sehr regional, weil unsere Produkte meist in der Region verkauft werden, aber unser Netzwerk an Unternehmen und Beteiligungen haben wir in den letzten Jahren stark ausgebaut, auch über die Grenzen hinaus.

LEUBE hat eine lange Tradition und Erfolgsgeschichte – und befindet sich noch heute im Besitz der Gründungsfamilie. Was ist das Erfolgsgeheimnis?
Zrost: Wir sind ein Familienunternehmen – und Familienunternehmen denken langfristiger. Wir sind zwar die LEUBE AG, aber nicht börsennotiert. Das heißt, wir müssen keine Maßnahmen setzen, um durch schnellen Profit unseren Aktienkurs zu steigern. Nein, wir denken langfristig: Wir wollen in 100 Jahren auch noch am Markt sein, wir wollen in 100 Jahren noch Rohstoff-Vorkommen haben, in 100 Jahren noch erfolgreich sein. Das ist unsere DNA, das ist uns wichtig und das teilen wir mit unseren Aktionären, die ja alle miteinander verwandt sind – alle stammen vom Firmengründer ab.

Wie viele Aktionäre sind das derzeit?
Zrost: 220.
Berger: Ich kann persönlich beurteilen, wie „anders“ LEUBE tickt. Bevor ich zu LEUBE kam, war ich 10 Jahre in einem Großkonzern in der Zement-Branche tätig und weiß somit aus Erfahrung, wie anders Konzerne oft denken und handeln! Umso mehr schätze ich den Familienbetrieb LEUBE, der ganz andere Werte hat, nicht nur in der Unternehmenskultur, auch was langfristiges Denken anbelangt, was die Einbeziehung der Mitarbeiter in die Entscheidungsfindung betrifft. Wir bringen in unserer Struktur wesentlich mehr weiter, weil wir gemeinsam mit unseren Mitarbeitern sehr rasch agieren.

Zrost: Wir sind sehr flach organisiert: Es gibt uns beide als Geschäftsführer, darüber einen Aufsichtsrat und hier werden alle erforderlichen Entscheidungen getroffen. Aber sobald ein Budget genehmigt ist, arbeiten die Mitarbeiter in den Ebenen unter uns total selbstständig. So, als wären sie selbst kleine Unternehmer im Gesamt-Unternehmen. Auch das ist eines unserer Erfolgsgeheimnisse.

Im Bereich Umwelt- und Klimaschutz hat LEUBE eine Vorreiterrolle eingenommen. Wann hat hier das Umdenken stattgefunden? Was war der Auslöser?
Zrost: Der Auslöser war Ende der 1980er Jahre, als man bei LEUBE versucht hat, die Reifenverbrennung genehmigen zu lassen. Damals sind die Nachbarn auf die Barrikaden gestiegen und die Verantwortlichen hatten Sorge, dass man das Zementwerk gegen diesen Widerstand überhaupt nicht mehr betreiben kann und das Projekt wurde wieder eingestellt.
1992 wussten wir bereits, dass wir aus Kostengründen auch mit Ersatzbrennstoffen arbeiten müssen. Deshalb haben wir überlegt, wie wir unsere Nachbarn so einbinden können, dass sie verstehen, dass wir nichts Gefährliches vorhaben. Diese Einbindung ist in zwei Schritten passiert: Erstens haben wird den BürgerBeirat Gartenau gegründet, mit dem wir sehr, sehr offen kommuniziert haben und zweitens haben wir das Versprechen gegeben, keine Brennstoffe einzusetzen, die mehr Schadstoffe verursachen als unsere Regelbrennstoffe. Folglich setzen wir gefährliche Abfälle grundsätzlich nicht ein! Die meisten anderen Zementunternehmen tun dies, da man damit viel Geld verdienen kann, wir jedoch nicht. Das war unsere Selbstverpflichtung, unser Versprechen: Wir setzen keine giftigen Abfälle ein, nichts, was gefährlicher ist als Kohle oder Heizöl Schwer, wird bei uns verbrannt. Das ist der Grund-Deal.
Und um diesen hat sich der Bürgerbeirat weiterentwickelt. Dieser Bürgerbeirat schrieb die erste Erfolgsgeschichte zwischen grün-bewegten Menschen und einem Industriebetrieb und zeigt, dass ein Miteinander funktioniert, wenn man offen, ehrlich und wertschätzend miteinander umgeht und Versprechen einhält.

Welche Ersatzbrennstoffe werden diesem Agreement nach nun eingesetzt?
Zrost: Vor allem Altreifen und Altkunststoffe, das sind die hauptsächlichen Brennstoffe und dazu noch ein bisschen Kohle. Wir setzen kaum Brennstoffe ein, die nicht erneuerbar sind, das ist wichtig. Wichtig ist uns ebenfalls, dass in unseren Brennstoffen deutlich weniger umweltbelastende Materialien sind als in Kohle oder Heizöl, auch wenn diese durch die hohen Temperaturen bei der Verbrennung vernichtet werden.

Welche weiteren Maßnahmen setzt LEUBE heute konkret für Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit?
Berger: Wir haben 2010 im Werk die komplette Klinkerproduktion neu errichtet. Das ist das Herz eines Zementwerks. Dafür haben wir 36 Millionen Euro investiert und sparen damit 30 Millionen Kilogramm CO2 pro Jahr. 30 Mio. kg CO2 pro Jahr, die wir nachhaltig weniger emittieren! Das Thema Staub war früher für Zementwerke ein Riesenproblem: Die Umgebung eines jeden Zementwerks war grau, weil so viel Staub entstanden ist. Früher hatte man Elektrofilter – wir haben auf die neue Technologie des Schlauchfilters gesetzt, sodass wir de facto keinen Staub mehr emittieren: lediglich ein Tausendstel Gramm pro Kubikmeter Luft, was fast nicht mehr messbar ist.

Zrost: Wir haben in den letzten 26 Jahren bei sämtlichen Emissionen, die in einem Zementwerk vorkommen, dramatische Verbesserungen erzielt. Das können wir sehr schön nachweisen, weil wir diese immer in Umweltberichten für den Bürgerbeirat aufbereiten. Darin sieht man die Kurve, die stetig nach unten geht durch immer neue technische Maßnahmen.
Die bislang letzte Maßnahme war die DeCONOx-Anlage, die dafür sorgt, dass wir kaum mehr Stickoxide, Kohlenstoffmonoxid und organische Kohlenstoffe emittieren. Sowie der Prozess der Zementerzeugung beendet ist, wird die Luft noch einmal durch einen Katalysator geschickt und darüber hinaus bei über 800 Grad nachverbrannt. In den Wintermonaten, in denen unsere Produktion steht, sind an den Emissionsstellen des Landes Salzburg in unserer Umgebung keine Unterschiede zu erkennen, ob der Betrieb steht oder nicht! Das ist ein schöner Nachweis, dass wir wirklich emissionsfrei sind.

Die DeCONOx-Anlage

Berger: Und, was auch interessant ist: Wo ich verbrenne, entsteht sehr viel Hitze. Hitze braucht man einerseits natürlich in der Herstellung, aber jene Hitze, die aus dem Verbrennungsprozess übrig bleibt, die sogenannte Abwärme, versuchen wir, der Energienutzung wieder zuzuführen. Darum haben wir uns bereits vor knapp zehn Jahren dazu entschlossen, die in unserem Kalkwerk Golling entstehende Abwärme für die Gemeinde Golling zu nutzen. Damit gelingt es uns, in Golling das Aqua Salza, das Seniorenheim sowie Hotelbetriebe und Haushalte mit Wärme zu versorgen!

Zrost: Das sind zukunftsweisende Projekte für unsere Branche, auch für St. Leonhard gibt es Zukunftsprojekte, um auch hier die Abwärme zur Verfügung zu stellen. Allerdings brauchen wir Partner, um das Projekt, das man mittel- und langfristig sehen muss, zu realisieren. Daran arbeiten wir gerade – Sie sehen schon, die Botschaft ist: Es hört nicht auf und dieser Urgedanke beschäftigt uns auch weiterhin jeden Tag.

Wie stehen diese Erfolge in Relation zu den Investitionen, die dafür erforderlich waren? Steht Ökologie vor Ökonomie?
Zrost: Ökologie und Ökonomie greifen schon ineinander. Natürlich, wenn wir zu einer rein ökologischen Investition gezwungen sind, weil das Gesetz diese vorgibt, rechnet sich das nicht.

Die Investitionen, die wir freiwillig gemacht haben, die zwar ökologisch sind, haben aber immer auch einen ökonomischen Hintergrund, wenn auch einen eher geringen. Die DeCONOx-Anlage, zum Beispiel, wird sich nicht in 10 Jahren rechnen. Wir haben 25 Jahre für diese Investition veranschlagt, wenn alles so gelingt, wie wir uns das erhoffen. Es gibt einen ökonomischen Hintergrund, aber der ökologische Gedanke steht im Vordergrund.

Der Baustoff Beton gilt als sehr „grüner“ und ökologischer Baustoff. Welche Vorteile bietet Beton in dieser Hinsicht?
Zrost: Beton ist zu hundert Prozent recycelbar, kann also immer wieder verwendet werden. Beton ist ein CO2-Senker, weil er im Laufe seines Lebens CO2 einlagert und wenn er wieder verwertet wird, also abgebrochen und zerkleinert wird, werden insgesamt 43 Prozent des entstandenen CO2 wieder aufgenommen, das wissen die wenigsten. Beton ist außerdem ein sehr dichter/massiver Baustoff, mit ihm kann man heizen, kühlen und Energie speichern, das kann kein anderer Baustoff.

Darüber hinaus ist Beton wie ein flüssiger Stein verarbeitbar und erreicht im ausgehärteten Zustand eine sehr hohe Tragfähigkeit. Er kann in jede beliebige Form gegossen werden und ist deshalb für Architekten unglaublich interessant.

Berger: Und Beton ist der langlebigste Baustoff, weil er unzerstörbar, unverwüstlich und somit wertbeständig ist.

LEUBE Mitarbeiter beim händischen Einbau neuer Feuerfeststeine im Zuge der Winterreparatur.
Hier ist höchste Präzision und Erfahrung gefragt.

Der 45 Meter lange Drehrohrofen ist das Herzstück der Zementproduktion, in dem das Rohmaterial bei 1450°C zu Zementklinker gebrannt wird. Zur Winterreparatur ist der Ofen für rund 2 Monate außer Betrieb, um Reparaturen (wie im Bild) durchzuführen.

LEUBE Mitarbeiter beim Abfischen im Almkanal

Nicht nur Umwelt- und Klimaschutz, auch das Wohl der Mitarbeiter steht bei LEUBE im Fokus. Nicht nur, dass diese ihren Tätigkeiten selbstständig – sozusagen als Unternehmer im Unternehmen – nachgehen können, bietet LEUBE darüber hinaus unterschiedliche Gesundheitsprogramme und eine ausgezeichneten Betriebskantine.

Ein besonderes Zuckerl ist außerdem der LEUBE Fischerei-Verein, in dem die Mitarbeiter im Almkanal und in der Königssee Ache ihrem Hobby nachgehen können. Dass gerade beim Ausfischen des Almkanals der Spaß nicht kurz kommt, zeigt das Video: