„Wir sind die Jungen, die Gas geben!“

Text: Doris Thallinger
Fotos: GEPA/Red Bull, Studio Kirchberger, www.kaindl-hoenig.com

Mit drei Jahren fieberte er zum ersten Mal als Zuschauer bei einem Eishockeyspiel mit. Heute, mit knapp 22 Jahren, ist Lukas Schreier als Verteidiger fixer Bestandteil des EC Red Bull Salzburg. Im Interview gibt er Einblicke in das Leben an der Red Bull Eishockey Akademie und in sein Leben als Eishockey Profi.

Seit wann bist du Eishockey Fan?
Schon sehr lange! Mit drei Jahren war ich zum allerersten Mal mit meinem Papa in der Eishalle, der damals selbst Eishockey gespielt hat. Selbst angefangen habe ich zwei Jahre später, mit fünf Jahren im Anfängertraining. Also seit 18 Jahren bin ich Eishockey-begeistert und seit gut 16 Jahren selbst aktiv!

Welche Schritte hast du seither durchlaufen?
Ich habe wirklich jedes Team durchgespielt, von ganz unten bis ganz oben. Gestartet hab ich bei den Anfängern, danach kam die U7, die U8 usw. 2014 wurde die Red Bull Akademie in Liefering gebaut. Ab da hatte ich die Möglichkeit, dort zu trainieren – das waren natürlich Wahnsinns-Möglichkeiten und wieder neue Teams, zum Beispiel der U18 Rookies Cup, die U18 Bundesliga, die ich beide spielen durfte. Danach habe ich zwei Jahre im zweiten Team von Red Bull Salzburg gespielt und vor drei Jahren den Sprung in die Bundesliga geschafft!

Wie war für dich das Leben an der Akademie?
Als Salzburger habe ich nicht im Internat gewohnt, aber – wenn ich nicht in der Schule war – habe ich den ganzen Tag in der Akademie verbracht. Ab 14 Jahren war ich in der Kooperationsschule, der HAK 2, und unsere Lernstunden, das Essen und natürlich das Training haben in der Akademie stattgefunden. Man hat unglaubliche Möglichkeiten zu trainieren, Zugang zu den besten Physios, Ernährungsberatern, alle Trainingsmöglichkeiten, es ist wirklich top.

Wie sehr hat sich dein Leben von anderen Kindern/Jugendlichen unterschieden?
Die Freizeit ist natürlich ein wenig verloren gegangen, man hatte weniger freie Zeit als die Freunde, mit denen man zur Schule gegangen ist. Wenn die anderen am Wochenende etwas unternommen haben, habe ich sagen müssen, ich hab leider ein Spiel. Aber ich glaube sagen zu können, dass ich nichts verpasst habe in meiner Kindheit. Das Ganze, was ich mit der Mannschaft erleben hab dürfen, hat mich mehr als entschädigt. Ich habe die ganze Welt umreisen dürfen, war fast zehn Mal in Amerika, in Finnland und Schweden, in ganz Europa. Insofern bin ich froh, dass ich diesen Weg gegangen bin, auch wenn es – vor allem in der Pubertät – oft mühsam war, Schule, Hausaufgaben, Lernen und Eishockey unter einen Hut zu bringen.

Bildung wird an der Akademie neben dem Sport großgeschrieben. Was hat dich dazu veranlasst, nun auch die Matura nachzumachen? Wie geht es dir damit?
Ich bin noch nicht ganz fertig, zwei Fächer habe ich abgeschlossen, zwei fehlen mir noch – da bin ich gerade dabei. Ich wollte einfach einen Plan B haben, man weiß ja nie, was passiert im Eishockey, man kann sich schnell verletzen oder bekommt vielleicht einmal keinen Vertrag mehr. Darum möchte ich mir mit der Matura nebenbei etwas aufbauen, einen Plan B haben.

Worauf hast du für deine Karriere verzichtet? Welche Kompromisse musstest du eingehen?
Das ist schwer zu sagen – ich denke, die Freizeit war das größte Thema, etwas mit Freunden oder der Familie zu erleben. Gerade für die Familie hab ich immer wenig Zeit gehabt, weil ich halt viel unterwegs war. Auch auf das Leben in der Schule habe ich oft „verzichten“ müssen. Ich habe sehr viel online nachholen und mir den Stoff auf den Reisen selbst erarbeiten müssen, damit ich alles aufholen konnte, weil ich wirklich wenig in der Schule war, wenn wir zum Beispiel genau in der Schularbeiten-Zeit für zwei Wochen nach Amerika geflogen sind.

Wie fühlt es sich heute an, als Youngster zusammen mit den früheren Idolen am Eis zu stehen?
Es ist ein gutes Gefühl. Als ich noch mit meinem Papa zugeschaut habe, mit vielleicht sechs, sieben Jahren, da haben schon einige gespielt, die auch heute noch spielen. In meinem ersten Jahr zum Beispiel bin ich mit Matthias Trattnig am Eis gestanden. Der hat tatsächlich schon gespielt, als ich zum ersten Mal in der Eishalle war!

Wer ist heute dein Vorbild?
Ich blicke auf zu Dominique Heinrich, weil er wirklich ein guter Eishockeyspieler ist und einer der besten Verteidiger in ganz Österreich. Er ist mein Vorbild und vor allem versteh ich mich wirklich gut mit ihm. Dann gibt es natürlich genug Spieler in der NHL, zu denen man aufblicken kann.

Du musst körperlich, aber auch mental bestens funktionieren – bedeutet das, Partyleben ist für dich tabu?
Ganz tabu ist es nicht, wir gehen schon hin und wieder mit der Mannschaft aus und haben unseren Spaß, das braucht man auch als Abwechslung. Es bleibt halt natürlich nicht viel Zeit dafür. Unter der Saison geht es sich vielleicht zwei, drei Mal aus, wenn überhaupt. Im Sommer ist natürlich etwas mehr Zeit, wenn keine Spiele sind, wir nur Training haben. Wir haben natürlich auch ein Partyleben, aber halt nicht so ausgeprägt. Jedes Wochenende Fortgehen geht sich nicht aus.

Wenn du frei hast, womit beschäftigst du dich gern?
Im Sommer bin ich sehr gern sportlich unterwegs, ich spiele echt gerne Tennis und Golf, wenn die Zeit bleibt. Wir sind im Sommer ja auch von Montag bis Samstag eingespannt und haben nur Sonntag frei, da bleibt nicht viel Zeit für andere sportliche Aktivitäten. Sonst bin ich eher der Familienmensch – meine Familie lebt ebenfalls hier in Salzburg, nur zehn Minuten von mir entfernt, meine Schwester gleich im Haus gegenüber von mir. Mit ihnen verbringe ich gerne Zeit – oder eben mit den Teamkollegen.

Wie schaut es sonst in deinem sozialen Leben aus? Mit Mädels?
Ja, die sind natürlich auch vorhanden, aber ich bin zurzeit Single und ich finde, das passt gut so. Es ist vor allem unter der Saison ohnehin ziemlich stressig, da ist es gar nicht schlimm, wenn man alleine ist. Ich fühle mich sehr wohl so.

Es bleibt vermutlich auch gar nicht so viel Zeit für eine Partnerin übrig, oder?
Stimmt, denn auch, wenn man einmal frei hat, hat man oft auch nicht so große Lust darauf, etwas zu unternehmen… Das muss eine Frau erst mal akzeptieren. Es gibt nur ganz wenige, die es verstehen, wenn man auch immer wieder mal ein, zwei Wochen weg ist.

Du giltst als Vertreter einer neuen Generation von Eishockey Cracks. Was macht diese Next Generation aus?
Man merkt, dass die Next Generation anders aufgewachsen ist als die heutigen Spieler und die Vorbilder, die man hat. Mit der Akademie und all den Möglichkeiten, die wir heute haben, sind wir sehr eingespannt. Das war früher nicht ganz so, da war vielleicht alles noch etwas lockerer. Wir haben auch einen anderen Eishockeystil, ein bisschen giftiger und aggressiver. Man sieht es, wenn man zuschaut: Die Älteren spielen mit Erfahrung und Routine und wir sind die jungen Giftigen, die Gas geben.

Wie wirkt sich das auf die Teamdynamik aus?
Es passt sehr gut. Wir haben heuer in der Mannschaft ziemlich viele Österreicher, Alt und Jung gemischt, eigentlich sogar ziemlich viele Junge. Die Team-Chemie ist wirklich gut und je besser die in der Teamkabine ist, umso besser wirkt es sich auch am Eis aus, wenn alle mehr Spaß haben und sich wohl fühlen.

Was würdest du mit heutigem Wissen deinem 10-jährigen Ich raten?
Ich würde ihm sagen, dass es wirklich immer bergauf und bergab geht in der Eishockey-Karriere, aber dass man nicht zweifeln soll, wenn man ein Tief hat. Wie bei jedem Sportler kann es nicht immer nur top laufen. Manchmal denkst du dir wirklich: Zahlt sich das überhaupt aus, bringt das wirklich was? Genau diese Zeit, diesen Tiefpunkt musst du durchstehen und dann geht es wieder bergauf und wenn du oben bist, dann kannst dich wirklich freuen. Also nie aufgeben und Spaß haben am Sport – das ist das Wichtigste!

Was sind deine Ziele für die Zukunft?
Natürlich will ich noch eine lange Karriere haben, möglichst verletzungsfrei. Außerdem wünsche ich mir, dass ich vielleicht auch in anderen Ländern spielen werde – Schweden ist ein Ziel, wo ich gern mal hin würde, weil es eine sehr gute Liga ist. Aber ich bin 21 – ich habe noch Zeit. Ich will mich jetzt einmal in der österreichischen Liga gut präsentieren und dann schauen, wo die Wege hingehen.

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Zur Person

Geboren am 24.12.1999 in Salzburg, macht Lukas Schreier schon früh seine ersten Schritte auf dem Eis in der Salzburger Eisarena. In Folge durchläuft er alle Altersklassen bei den Red Bulls und feiert mit den Salzburgern den Meistertitel in der U18 Erste Bank Juniors League und U20 Erste Bank Young Stars League. Mit den Red Bull Hockey Juniors gewinnt er 2019 und 2020 die österreichische AHL-Meisterschaft (Alps Hockey League). In den letzten Juniorenjahren absolvierte er dazu insgesamt 20 Spiele für das österreichische U18- bzw. U20-Nationalteam. Im Profiteam der Red Bulls hat Lukas als Verteidiger bereits in den Playoffs der Saison 2018/19 debütiert und seine Performance im Profi-Team der Red Bulls in der Saison 2019/20 nahtlos fortgesetzt.