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Was wissen wir denn schon?

Text: Doris Thallinger

Mehr denn je wird in Österreich (und wahrscheinlich ebenso überall sonst) jeder einzelne zum Experten. Zum Experten dafür, was gerade vor sich geht. Da sind österreichweit Millionen Virologen unterwegs und mindestens ebensoviele Politologen, Weltverbesserer, Schwarzmaler und unverbesserliche Blauaugen.

So viele „Experten“ es gerade gibt, so viele Falschinformationen sind auch leider im Umlauf. Oder, sagen wir, Informationen, denen keinerlei Quelle zugrunde liegt. Völlig klar, nie sind Menschen so leicht zu beeinflussen wie in einer Krise, wenn man gekonnt mit Ängsten und Befürchtungen spielen kann. Dabei gehen - nach wie vor - die Meinungen auseinander von „Covid-19 ist ja nur eine Art Grippe“, „alles Panikmache und unendlich aufgebauscht, um uns klein und ängstlich zu halten“ bis hin zu „wir wissen ja gar nicht, wie schlimm es uns schon getroffen hat und wir werden alle sterben“. (Sterben werden wir übrigens wirklich alle - nur nicht jetzt.)

Wie immer liegt die Wahrheit wohl irgendwo in der Mitte. Dass die Regierung diese strikten Maßnahmen setzt, wird sicherlich nicht von ungefähr kommen. Die gesamte Wirtschaft auf ein Minimum herunter zu fahren, eine Wirtschaftskrise unbekannten Ausmaßes zu riskieren, ist wohl kaum die Intention einer Staatsführung. Wer könnte also dahinter stecken, dass eine Grippe zu einer Pandemie hochstilisiert wird? Na? Eben - da wird die Luft schon dünn. Natürlich sind aber auch andererseits gefährliche Mechanismen im Gange, die auf lange Sicht die Tore öffnen könnten für Machtfestigungen bis hin zu diktatorischen Verhältnissen, die wir uns nicht ausmalen wollen.

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Sicher ist derzeit nur eines: Nein, wir „Normalsterblichen“ wissen sicher nicht alles, was derzeit auf der Welt vorgeht, aber sämtliche Verschwörungstheorien als auch Beschwichtigungen helfen hier nicht weiter. Was wir nun tun können ist, die Informationen, die uns zugänglich sind, kritisch zu hinterfragen, offen für andere Meinungen zu bleiben, aber diese nicht ungefragt zu übernehmen.

Denn - und das bekomme ich derzeit täglich auch sämtlichen Portalen und sozialen Kanälen mit: Es bilden sich zwei Fronten, die sich tagtäglich verhärten. Wenn man die Kommentare der lieben Mitmenschen liest, kann einem schlecht werden. Da wird polemisiert, provoziert und pauschaliert. Der Ton wird radikal rauher, wer anderer Meinung ist, erntet im Handumdrehen einen Shitstorm. Also, ehrlich: Wenn man solche Angst hat, dass in unsere Grundrechte eingegriffen wird, was ist dann mit dem Recht auf eine eigene Meinung? Egal, welche Ansicht die eifrigen Poster und Kommentatoren vertreten - ihr oberstes Ziel scheint zu sein, diese einem jeden anderen aufzuoktruieren, sinnvolle Dialoge und Meinungsaustausch werden mit jedem Tag schwieriger.

Dabei, nochmals: Wir alle wissen viel zu wenig. Aber wir müssen das beste daraus machen. Scheinen so manche Maßnahmen zu extrem - wem schaden sie schon? Ist es nicht besser, im Nachhinein zu sagen, wir waren übervorsichtig als zu lamentieren: „Hätten wir doch?“

Ich für mich habe beschlossen, auf größtmögliche Vorsicht zu setzen - keinerlei Ausnahmen, um mit (einzelnen) Freunden spazieren zu gehen oder einen Abend zu verbringen (außer via Video-Call). Ein Beschluss, der mir übrigens letzthin tatsächlich die Frage eingebracht hat, ob ich denn Vorerkrankungen habe und zur Risikogruppe zähle, da ich mich so streng an die gegebenen Maßnahmen halte... Hmmm - da ist wohl diese Sache mit Exponentialkurve und Reproduktionszahl noch nicht ganz angekommen...