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Lesezeit: 3 Minuten

Was macht die gegenwärtige Lage mit uns?

Text: Andrea Hammerer

Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Ein Kommentar von Psychotherapeutin Andrea Hammerer.

Man könnte meinen, das Leben würde grade in Zeitlupe an uns vorbeiziehen und dieses Gefühl ist nicht verwunderlich. Wir sehen unser eigenes Leben wie durch ein Zoom, wenn die meisten Ablenkungen, Treffen mit anderen, Essen in Lokalen, Kino, Theater, unsere gewohnte Tagesstruktur mit Kollegen, dem Partner, den Kindern plötzlich ohne unseren aktiven Willen verändert oder gar beendet wird. Das kann für manche eine spannende Challenge sein, für die meisten von uns ist es aber mit großem Unbehagen verbunden, für sehr viele mit blanker Angst, vor dem was kommt. Ich habe in meiner Praxis immer wieder Menschen gesehen, die schon beim geplanten Innehalten durch Urlaubstage in ein tiefes Loch fallen, weil sie den Blick auf ihr Inneres kaum ertragen. Wir lehren auch unseren Kindern kaum den Blick in ihr Gefühlsleben, wir bespaßen sie rund um die Uhr, wenn ihnen nicht grad ohnehin ein dichtes Pflichtprogramm kaum Zeit zum Atmen lässt. Jedes Ereignis wird in der Gruppe gefeiert als gäb’s kein Morgen, schaut mal zurück auf den letzten Kindergeburtstag. Tja und jetzt sind wir gefragt - besonders wir Mütter - alles, was bisher die soziale Gruppe, der Kindergarten, die Schule, die Uni, der Job, das Fitnesscenter erledigt hat, selber zu tun. Wenn uns DAS nicht nachhaltig verändern wird, dann weiß ich nicht, was sonst.

Was geht in den Köpfen vieler Frauen jetzt vor? Egal, in welcher sozialen Schicht wir leben und egal, welche beruflichen Belastungen, Kündigung, Umsatzverlust von Selbstständigen (trifft gerade viele Kleinunternehmer) wir erleiden, lastet überdies noch das Gelingen der Beziehung zu unserem Partner auf uns. Ich spreche hier gar nicht von der Not der Partnerinnen von gewaltbereiten Männern. Wo die Lupe auf die Wunden gehalten wird, tut es weh und muss/wird etwas geschehen. Je höher der Stresslevel, desto schwieriger ist es, in Ruhe die Dinge zu besprechen, für die wir im normalen Alltag keine Zeit hatten, weil jeder seiner Wege ging. Jetzt liegt das Problem blank am Tisch. Wie er/sie mit den Kindern umgeht, wie er/sie mit dem Abstand zu anderen, fremden Personen umgeht, ob er/sie alles beschönigt, verleugnet, Verschwörungsphantasien füttert, das alles haben wir jetzt im kleinsten Umfeld ohne Zeugen zu bewältigen. Flucht? Unmöglich!

Das alles sind Gedanken, die auf die Angst vor Ansteckung oder dem möglichen Tod vorbelasteter, kranker Angehörigen, Freunden noch drauf gesetzt wird. Wenn der Feind in unserer Seele noch weniger greifbar ist als dieser verdammte winzige Virus, dann macht er natürlich weitaus mehr Angst. Gegen die Angst vor der Angst wird es nie eine Impfung geben, außer wir immunisieren uns selbst. Das bedeutet für mich:

Seelenhygiene:

Halten Sie Abstand zu toxischen Personen, die alles noch schlechter reden, als es schon ist. Halten Sie sich ebenso fern von Gutmenschen, Schönfärbern, Neunmalklugen. Vertrauen Sie Ihrem Verstand!

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1. Lüften Sie Ihre Seele durch: Atmen Sie tief in Ihren Bauch, schreiben Sie Ihre Gedanken auf, gehen Sie - ALLEINE - eine Runde in der Frühlingssonne, ordnen Sie zuerst das Außen, dann zieht das Innen mit. Entsorgen Sie Unrat aus Krimskramsladen, seit Jahren ungetragene Kleidung, machen Sie Platz!

2. Sehen Sie Ihrem Partner bewusst in die Augen, nehmen Sie seine beiden Hände (wenn er sie gewaschen hat :-)) und fühlen Sie, was euch beide verbindet.

3. Bringen Sie andere Menschen zum Lachen, das ist die beste Impfung gegen den Druck auf der Seele.

4. Schreiben Sie Wunschzettelchen mit den Kindern, lernt einander das Träumen wieder und fragt einander am Abend, was heute schön war.

Es wird uns stärker machen, sehen wir diese Zeit als Therapieversuch einer Welt, die schon sehr sehr krank war. Jeder Einzelne kann etwas zu seiner Genesung tun und es ist sooo schön hinzusehen, wie viel Gutes gerade geschieht.

Da derzeit keine persönlichen Termine und Coachings möglich sind, bietet Andrea Hammerer die Möglichkeit, sie via Skype oder Telefon zu kontaktieren.