„Vertrauen ist die wichtigste Grundlage“

Text: Doris Thallinger

Fotos: Helge Kirchberger, www.kaindl-hoenig.com

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Knapp 34 Jahre steht Heinz Konrad bereits im Dienste des Raiffeisenverbandes Salzburg. Seit einem halben Jahr führt er nun die Geschicke als Generaldirektor. Im Interview mit dem SALZBURGER zieht der Jurist ein erstes Resümee und spricht über seine Leidenschaft für das Firmenkundengeschäft, echte Werte in bewegten Zeiten und Herausforderungen der Zukunft.

Seit 1. Mai 2020 fungieren Sie als Generaldirektor des Raiffeisenverbandes Salzburg. Wie lautet Ihr Fazit aus diesem ersten halben Jahr?
Die letzten Monate habe ich als äußerst spannend, gleichzeitig jedoch auch herausfordernd erlebt, da ich meine neue Position mitten in Zeiten des Shutdowns übernommen habe. Im RVS wurde ein Krisenstab etabliert, um die wichtigsten Themenstellungen rund um Corona entsprechend zu koordinieren. Dadurch ist es uns erfreulicherweise gelungen, den Geschäftsbetrieb im Bank- und Warenbereich weitestgehend ungestört aufrechtzuerhalten. Was mich in dieser Zeit besonders beeindruckt hat, waren der enorme Einsatz unserer Mitarbeiter und der spürbare Zusammenhalt, der zum Vorschein gekommen ist.

Für welche Bereiche sind Sie heute hauptsächlich zuständig?
Zu meinen zentralen Aufgaben als Generaldirektor des Raiffeisenverbandes Salzburg zählt es, das Haus nach außen zu vertreten, auch in der Zusammenarbeit innerhalb der salzburg- und österreichweiten Raiffeisen Organisation. Meine persönliche besondere Leidenschaft im Bankgeschäft gilt dem Firmenkundenbereich. Operativ habe ich deshalb nach wie vor die Leitung des Geschäftsbereiches Firmenkunden inne; dies auch um nach außen ein Zeichen zu setzen, wie sehr wir unsere Kunden und die langjährige Beziehung zu ihnen wertschätzen und pflegen. Zusätzlich sind meinem Verantwortungsbereich eine Reihe von Stabstellen, wie beispielsweise die Personal- oder die Marketingabteilung, zugeordnet, die üblicherweise zur Generaldirektion gehören.

Was ist für Sie das Faszinierende am Bankengeschäft und der Finanzwirtschaft?
Es gibt wenige Branchen, die einem so ausgeprägte Gestaltungsmöglichkeiten bieten und in denen man so viel bewegen kann wie im Bankengeschäft. Gerade als Regionalbank sind wir im RVS in der Lage, Maßgebliches für die Wirtschaft im eigenen Bundesland und damit auch für die Menschen, die in unserer Region leben, zu leisten. Das stellt für mich persönlich einen besonders schönen und erfüllenden Aspekt des Bankgeschäftes dar.

Sie sind nun bereits seit fast 34 Jahren im Raiffeisenverband Salzburg tätig. Wie hat diese Zeit Sie auch persönlich, als Mensch geprägt?
Am 1. Februar 1987 habe ich begonnen, im Raiffeisenverband zu arbeiten. Über einen solchen Zeitraum hinweg für ein und dasselbe Unternehmen tätig zu sein, prägt einen natürlich in jeglicher Hinsicht. Wenn ich an die Geschehnisse der letzten Jahrzehnte zurückdenke, kommen mir unter anderem die Ost-Öffnung, der EU-Beitritt 1995, die EURO-Einführung 2002 und nicht zuletzt auch die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 in den Sinn und nunmehr befinden wir uns inmitten der Corona-Krise. Im Laufe der Zeit habe ich mehr und mehr erfahren dürfen, wie wichtig und zeitlos die Werte des Friedrich Wilhelm Raiffeisen sind. Das Wesen der Raiffeisen Genossenschaften basiert neben Selbstverwaltung, Selbsthilfe und Selbstverantwortung auf Solidarität und Subsidiarität. Noch heute und auch für zukünftige wirtschaftliche sowie gesellschaftspolitische Herausforderungen sind diese Prinzipien ein bewährtes Erfolgskonzept für gemeinschaftliches Handeln.

Was ist heute Ihre Vision für den Raiffeisenverband Salzburg?
Das kann man relativ einfach auf den Punkt bringen: Mein primäres Ziel ist es, die führende Position des Raiffeisenverbandes Salzburg und der gesamten Raiffeisen Bankengruppe Salzburg zu stärken und noch weiter auszubauen. Auch hinkünftig sollen die Selbständigkeit und die starke Rolle der Raiffeisen Bankengruppe Salzburg abgesichert sein.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen dieser Zeit und in der Zukunft?
Die zunehmende Digitalisierung des Geschäfts stellt mit Sicherheit eine der zentralen Herausforderungen dar, die es in der Bankenbranche derzeit zu meistern gilt und die vor allem auch die Zukunft maßgeblich mitgestalten wird. Den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden auf digitalem Wege bestmöglich gerecht zu werden, bedarf enormer Ressourcen und Investitionen. Obgleich die voranschreitende Digitalisierung zweifelsohne ökonomische Vorteile mit sich bringt, sehe ich persönlich darin auch gewisse negative Aspekte für unser tägliches Leben, da auch der Digitalisierungsgrad im privaten Umfeld zunimmt. Man programmiert den Kühlschrank aus der Ferne, schaltet die Heizung mittels Sprachsteuerung ein und anstelle eines persönlichen Treffens chattet man oder führt ein Videotelefonat. Die zunehmende Digitalisierung des Privatlebens birgt die Gefahr der Entfremdung und der Abhängigkeit, der wir uns bewusst sein und der wir in gewissem Maße entgegenwirken müssen.

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Für mich persönlich ist Erfolg im beruflichen Bereich mit der Zufriedenheit meiner Mitarbeiter und meiner Kunden gleichzusetzen. Wenn dieser Aspekt erfüllt ist, stellt das einen Garanten für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg dar. Mit zufriedenen Mitarbeitern und Kunden kann im geschäftlichen Leben in den seltensten Fällen etwas schief gehen.

Welche Werte sind die wichtigsten in Ihrem Leben? Auch für Sie persönlich, außerhalb des Geschäftslebens.
Da gibt es für mich keine großen Unterschiede; sowohl im Geschäftsleben wie auch im Privatleben stellt Vertrauen sicherlich die wichtigste Grundlage dar. Für unser Kerngeschäft verdeutlicht dies schon die Herkunft des Wortes „Kredit“. Der Begriff leitet sich vom lateinischen Verb „credere“ ab, das „vertrauen“ oder „glauben“ bedeutet. Daneben haben für mich selbstverständlich fundamentale Werte wie Freundschaft und Loyalität einen besonderen Stellenwert.

Was ist Ihr Antrieb, Ihre Motivation?
Der wichtigste Antrieb für mich ist der Erfolg unseres Unternehmens, des Raiffeisenverbandes Salzburg, und letztendlich auch unseres gesamten Verbundes, der Raiffeisen Bankengruppe Salzburg. Unsere Position als Marktführer der Salzburger Bankenbranche wollen wir selbstverständlich nicht verlieren, sondern diese noch weiter ausbauen und stärken. Das ist mein Antrieb!

Wie erhalten Sie Ihre persönliche Work-Life-Balance? Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Das ist eine schwierige Frage, weil – wenn ich sie ganz offen beantworte – derzeit keine wirkliche Balance zwischen Berufs- und Privatleben gegeben ist. Da mein Alltag aktuell sehr termingetrieben ist und regelmäßig auch Abendtermine meinen Kalender füllen, ist Freizeit momentan ein knappes Gut. Meine freien Stunden verbringe ich sehr gerne zuhause mit meiner Familie oder ich gehe meinen Hobbys nach, wie zum Beispiel Radfahren und Laufen. Wenn die Möglichkeit besteht, treffe ich mich auch gerne mit Freunden und tausche mich mit ihnen bei einer guten Flasche Wein aus.

Gerade in der Wirtschaft, bei Führungskräften ist es ein schwelendes Thema: Burnout. Welche Strategien haben Sie in besonders stressigen Zeiten, um Kraft zu tanken?
Ich habe das Glück, dass es mir selbst in extrem stressigen Zeiten recht gut gelingt, außerhalb des Büros abzuschalten. Auch mein Schlaf leidet nicht unter meiner zeitintensiven und oftmals herausfordernden Tätigkeit. Manchmal ist es jedoch naturgemäß ein wenig schwieriger, seine Gedanken von der Arbeit wegzulenken und abzuspannen. In solchen Situationen höre ich sehr gerne Musik zur Entspannung oder schaue mir auf YouTube alte Musikvideos aus meiner Jugend an. Daneben verbringe ich freie Abende gerne in meinem Weinkeller. Dabei stöbere ich durch die Regale, nehme mir die eine oder andere Flasche zur Hand und erinnere mich daran, wo und wann ich sie gekauft habe.

Was bedeutet für Sie Luxus?
Zielt man wieder auf die Herkunft des Wortes ab, so stammt auch der Begriff „Luxus“ aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich übersetzt „Verschwendung“. Ganz allgemein betrachtet bedeutet Luxus, Dinge zu besitzen, die man nicht unbedingt braucht. Oft sind es ganz herkömmliche Dinge und nicht materielle Güter, die einem das Gefühl von Luxus vermitteln. Ich persönlich empfinde beispielsweise Freizeit als Luxus. Für mich ist es wunderbar, meine freien Stunden mit meiner Familie zu verbringen oder mit Freunden für zwei, drei Tage in eine Weingegend zu fahren, dort gut zu essen und zu trinken. Ansonsten brauche ich nicht allzu viel.

Wofür sind Sie dankbar im Leben und was fehlt Ihnen noch zum Glück?
Das ist eine gute Frage. Von meiner Grundeinstellung her würde ich mich selbst als sehr positiv gestimmten Menschen bezeichnen. Natürlich erlebe ich auch weniger positive Tage, aber im Nachhinein betrachtet haben sich die Dinge für mich stets zum Besseren entwickelt. Es wäre, glaube ich, vermessen zu behaupten, dass mir etwas zum Glück fehlt.
Man sollte stets die Geschehnisse rundherum betrachten und sich vor Augen führen, wie viel Negatives tagtäglich passiert und welche Schicksale Menschen erleiden. Hier spreche ich keineswegs bloß vom wirtschaftlichen, sondern in erster Linie vom gesundheitlichen und sozialen Bereich. Ich bin in der glücklichen Lage, bislang nie wirklich schlimme Erfahrungen gemacht haben zu müssen. Dafür darf oder vielmehr muss ich wahrlich dankbar sein.