Leben & Luxus

Lesezeit: 3 Minuten

Tatort Gastronomie

Text: Stephan Kaindl-Hönig

Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Wir arbeiten mit unseren Magazinen, Verlag und Werbeagentur seit Jahrzehnten eng mit der Gastronomie und Hotellerie zusammen. Es war für mich schon viele Jahre unglaublich auffällig, dass für den personellen Wandel bzw. den Bedarf, die benötigten Arbeitsplätze im Gastronomiebereich in die Neuzeit zu transferieren, weder von der Interessensvertretung, noch von der Politik die nötigen Impulse und Weichen gesetzt wurden. Wir leben im Bundesland Salzburg, in einer wunderschönen und einzigartigen Tourismusregion und sehen diese aktuell vor einer fast ausweglosen Baustelle, da die Betriebe kaum mehr Personal finden, sich gegenseitig kannibalisieren „müssen“ und wir alle davon großen Schaden nehmen. Es mutet fast an, als würde das Thema zwar wahrgenommen werden, sich aber in einem Dornröschenschlaf befinden, weil wir sowieso die Benchmark und ein Vorzeigeland für Qualität am Gast sind.

Ich erinnere mich an die Agenturbranche, als wir vor rund 20 Jahren einen Mangel an Grafikern hatten und händeringend nach Fachkräften gesucht wurde. Hier war es wesentlich einfacher, da der Begriff „Kreativbranche“ für viele, zumindest von der Begrifflichkeit her, das Maß aller Dinge war. Es wurde von Kammer und AMS die Umschulung auf Grafik gefördert (leider viel zu lange) und so war das Problem schnell gelöst.

Im Tourismus liegen die Problemstellungen aber wesentlich tiefgreifender, weil der gesellschaftliche Wandel durch Wohlstand und Überfluss einen generellen Sinneswandel ausgelöst hat, zu allen nur erdenklichen Themenbereichen, ob beruflich oder privat. Es wird über jede neue Vorgabe und Bewährtes lauthals und vielfach unreflektiert diskutiert, auch wenn es noch so unglaublich ist – kein Stein bleibt auf dem anderen. Uns geht es einfach viel zu gut. Man will seine Lebenszeit genießen, die Wohlstandsgenerationen haben dies ausgelöst und Corona hat einen Flächenbrand entfacht, sodass der Zwang nach Freizeit im Überfluss zum neuen Statussymbol wurde. Bis sich das wieder beruhigt hat und der Mitarbeiter, der sich beispielsweise zum Qi-Gong-Lehrer umschulen ließ, nach einiger Zeit draufkommt, dass er damit alleinig sein Leben doch nicht bestreiten kann, wird zu lange dauern, mindestens so lange wie die Pandemie.

Es ist höchste Zeit zu handeln und man muss endlich zurück zum runden Tisch und zur Gesprächskultur finden. Es darf kein Tabu sein, seine Meinung zu äußern und einen qualitativen Diskurs einzufordern. Hier geht es nicht darum, wer etwas falsch gemacht hat und auch nicht um das Warum. Es geht um unser Salzburg und darum, wieder ein Gespür dafür zu entwickeln, wie man miteinander umgeht, wie man die Ecken und Kanten und „die Farbe“ des anderen respektiert, um einzig das gemeinsame Ziel vor Augen zu haben.

Das Image ist nicht mit ein paar Inseraten aufpoliert, sondern bedarf es neue kreative Arbeitsmodelle zu schaffen, die wirtschaftlich langfristig gestützt werden, damit es nachhaltig und nicht nur heuchlerisch zu einer echten Renaissance für die Mitarbeiter dieser wertvollen Branche kommt. Ich denke an Brainpools, an das Bild des Essen Zelebrierens, das Übernachten mit dem Gefühl der Geborgenheit, das Erlebnis unsere Region zu präsentieren und an die Menschen, die anderen dieses Gefühl schenken möchten – ohne zu dienen, sondern mit stolz erhobenem Haupt und mit einzigartigem Know-how.

Salzburg hat das Zeug dazu, hier wiederum international Vorreiter zu sein! Bitte lasst uns dazu über den eigenen Schatten springen und endlich losstarten.

Eine schöne Zeit und viel Vergnügen mit dem aktuellen SALZBURGER!

Stephan Kaindl-Hönig
Herausgeber