Surfen auf Schnee

Neu ist die Sportart nicht unbedingt – aber sie gilt immer noch als Geheimtipp. Wer ohne großen Aufwand den maximalen Adrenalinkick sucht, sollte einen Ritt am Airboard wagen.
Text: Doris Thallinger
Fotos: Skischule Silvia Grillitsch/Claudia Ziegler, OCT Adventures

Strahlend schönes Winterwetter, die Sonne bringt die Eiskristalle zum Funkeln, blitzblau zeigt sich der Himmel von seiner schönsten Seite. Die Landschaft tief verschneit, die Luft kalt und klar – ein Tag wie gemacht für actionreichen Wintersport. Aber dieses Mal werden weder die Skier angeschnallt noch die Schneeschuhe angelegt und auch der Schlitten bleibt im Keller: Es geht zum Airboarden. Wer glaubt, schon alles auf dem Schnee ausprobiert zu haben, wird mit dem Airboard sein schönstes Wunder erleben.

Rauf auf den Berg, lautet die Devise – und vor allem: rasant wieder herunter. Airboarden ist kein gewöhnlicher Rodelspaß. Mit dem Kopf voran geht es dem Tal entgegen, den Fahrtwind im Gesicht, der eigene Körper nur durch das Airboard von der Piste getrennt. Die Luftkammern des Boards sorgen dafür, dass man förmlich über den Schnee gleitet, das Gefühl der Kontrolle durch bloßes Gewichtsverlagern ist unvergleichlich.

Die Geschwindigkeit nimmt schnell zu, doch das Board reagiert präzise auf jede Bewegung. Jeder Buckel, jede Unebenheit im Schnee ist spürbar – Airboarden ist ein intensives Erlebnis, bei dem man den Schnee nicht nur unter den Füßen, sondern unter dem ganzen Körper spürt.

„Es ist wie Surfen auf Schnee“, beschreibt Thomas Humer, Inhaber der Erlebnisagentur „OCT – Bewegung ist Leben“ in Abtenau, das Gefühl, „wer Airboarding noch nicht ausprobiert hat, hat etwas versäumt!“

In Österreich war er einer der ersten, die vor mittlerweile rund 20 Jahren den Trend aus der Schweiz aufgegriffen haben und heute Airboarding Workshops auf der Reiteralm in der Region Schladming-Dachstein anbietet.

Der Ursprung des Airboards geht auf den Schweizer Erfinder Joe Steiner zurück, der Ende der 1990er Jahre nach einer Möglichkeit suchte, die Geschwindigkeit und den Nervenkitzel des Schneesports mit einem einfach zu erlernenden Gerät zu kombinieren. Er entwickelte ein Luftkissen, das speziell für den Einsatz auf Schnee konstruiert wurde.

Das Airboard besteht aus robustem, strapazierfähigem Kunststoffmaterial, das den extremen Bedingungen auf den Pisten standhält und dem Fahrer eine stabile Plattform bietet.

Die Steuerung erfolgt durch Gewichtsverlagerung: Um nach links oder rechts zu lenken, kippt der Fahrer den Körper entsprechend, zum Bremsen wird das Airboard durch Gewichtsverlagerung auf das Heck abgebremst. Diese einfache Lenkung macht Airboarding besonders anfängerfreundlich.

Und dennoch ist Airboarding noch nicht zum Breitensport avanciert, wie auch Silvia Grillitsch, Inhaberin der Skischule Grillitsch in Obertauern, bestätigt: „Airboarden ist das moderne Schlittenfahren, das ideale Alternativprogramm zum Skifahren und Snowboarden. Wir bieten Airboarding-Kurse seit rund 20 Jahren an, aber es gilt immer noch als Geheimtipp.“

Das liegt vielleicht aber auch daran, dass Airboarden in unseren Breitengraden nur mit Bewilligung und unter der fachkundigen Leitung eines Instructors möglich ist.

„Damit werden Qualität und Sicherheit gewährleistet“, erklärt Thomas Humer und Silvia Grillitsch ergänzt: „Neben der Instruktion durch den Lehrer und den Sicherheitschecks ist vor allem die Auswahl eines sicheren Geländes extrem wichtig.“

Grundsätzlich eignen sich die High-Tech Airboards für jeden Schnee, vor Touren im unpräparierten Gelände raten die Profis jedoch dringend ab: „Dafür muss die Schneelage schon besonders gut sein und man das Gebiet wie seine Westentasche kennen!“

Der Kick auf der Piste

Jedes Airboarding-Erlebnis beginnt mit einer kurzen Einweisung durch den Instructor. Der große Vorteil der Fun-Sportart: Es sind keinerlei Vorkenntnisse nötig und sie ist für wirklich jeden geeignet und machbar, der auch nur halbwegs fit und sportlich ist.

Gerade im Vergleich zu anderen Wintersportarten müssen sich Einsteiger nicht lange mit komplizierten Techniken auseinandersetzen. Schon nach wenigen Versuchen können sie die ersten Kurven meistern und den Berg mit beeindruckender Geschwindigkeit hinuntergleiten, sofort das unvergleichliche Gefühl von Freiheit und Geschwindigkeit genießen, wenn sie fast wie schwerelos über den Schnee „fliegen“.

Für Adrenalinjunkies bietet Airboarding genau den richtigen Nervenkitzel. Aufgrund der tiefen Lage des Fahrers spürt man die Geschwindigkeit viel intensiver, als es beispielsweise auf Skiern oder Snowboards der Fall wäre. Zudem ermöglicht das Luftkissen sanfte Landungen bei Sprüngen und sorgt für ein sicheres Gefühl, selbst bei hohem Tempo. Dennoch erfordert dieser Sport eine gute Reaktionsfähigkeit und Körperbeherrschung – auch wenn die Grundtechniken schnell erlernt sind, gibt es immer Raum für ständige Verbesserung und neue Herausforderungen.

Rund zwei Stunden dauert das Airboard-Erlebnis – und wem das nach zu wenig klingt, sollte es erst einmal ausprobieren: Beim Airboarding werden Muskelgruppen gefordert, die ansonsten wenig beansprucht werden. „Nach zwei Stunden Airboarding sind die Teilnehmer meist fix und fertig“, so Thomas Humer.

Safety first

Trotz seiner Einfachheit und des geringen Verletzungsrisikos sollten Airboarder auf einige Sicherheitsaspekte achten. Helme sind Pflicht, viele der Fahrer tragen auch Rückenprotektoren, um bei Stürzen gut geschützt zu sein.

Die eigene Ausrüstung ist im Vergleich zu anderen Wintersportarten recht minimalistisch: Neben dem Airboard selbst benötigt man warme und wasserfeste Kleidung sowie feste Schuhe. Im Idealfall kommen Winterstiefel mit einer guten Profilsohle zum Einsatz, die ausreichend Halt auf verschneiten Flächen bieten. Geeignete Handschuhe schützen die Hände vor dem kalten Schnee und eine Skibrille sorgt für die gute Sicht.

Mit minimalem Aufwand und Ausrüstung kann man sich also ins Abenteuer stürzen – und das mit einem Höchstmaß an Spaß. Wer den Winter liebt, sollte dem Airboard definitiv eine Chance geben!