Reportage & Wissen

Lesezeit: 10 Minuten

Sitzt perfekt!

Text: Doris Thallinger

Fotos: www.kaindl-hoenig.com; Music: www.bensound.com

Als Salzburger sollte man schon mindestens eine im Kasten haben… immerhin ist man (hierzulande) mit einer Lederhose für jeden Anlass bestens gerüstet. Aber worauf kommt es nun bei der perfekten Ledernen wirklich an? Wir haben dem Lederhosenmacher Stefan Wimmer über die Schulter geschaut.

Reges Treiben herrscht in der Werkstatt von Wimmer schneidert in Schleedorf. Hochkonzentriert sitzen die Mitarbeiter an den Nähmaschinen, schneiden zu, stecken ab oder bügeln auf. Und: Sie stellen echte Lederhosen her, selbstverständlich von Hand und aus bester Qualität. Ein eigener Bereich der Werkstatt ist nur für die besonderen Beinkleider reserviert. Neben den zugeschnittenen Teilen für die nächste Lederhose fallen vor allem die recht robust wirkenden Werkzeuge ins Auge: Hammer, starke Scheren, Zwickzange und Locheisen sowie drei spezielle Nähmaschinen für Leder.

„Unsere Nähmaschinen müssen schon etwas robuster sein, die Nadeln brauchen eine entsprechende Stärke, damit sie das Leder überhaupt durchstechen können“, erklärt Stefan Wimmer.

Heimisches Leder

Wimmer schneidert setzt auf Qualität und Regionalität. Das fängt schon beim Grundmaterial, dem Leder an. Dieses stammt aus Gerbereien in St. Johann/P., Werfen und Gröbming. Dort werden die Tierhäute (ohne jegliche Chemie) zu Leder gegerbt und mit Baumrindenextrakten entsprechend der Kundenwünsche gefärbt. Das Leder stammt nahezu ausschließlich vom Hirschen: „Sämisch gefärbtes Hirschleder ist am schönsten und zudem am langlebigsten. Nur ab und an verwenden wir Gams-Leder, das dem des Hirschen sehr ähnlich ist.“

Grundsatzentscheidungen

Im ersten Schritt zur perfekt sitzenden Lederhose wird Maß genommen. Im Zuge dessen muss Mann bereits einige wesentliche Entscheidungen treffen: Will ich eine Salzburger oder eine Ausseer Lederhose? Soll sie kurz sein oder eine Kniebundhose oder gar lang? Welche Farbe trifft meinen Geschmack? Welche Stickerei wünsche ich mir? Handbestickt oder maschinell? Und in welcher Farbe? Wie sollen die Knöpfe aussehen?

Salzburger versus Ausseer Lederhose
Handgestickte Initialen an der Messertasche

„Wir beraten unsere Kunden dahingehend, dass wir ihr Bewusstsein schärfen, worin die Unterschiede liegen, zum Beispiel zwischen einer Salzburger und einer Ausseer Ledernen. Aber im Grunde kann man sich alles nach seinem Geschmack aussuchen – wir hatten auch schon den Wunsch nach einem rosafarbenen Knopfloch!“

Auch bei einem so klassischen, beständigen Kleidungsstück wie der Lederhose kann man von Trends sprechen: Während früher einfarbige Stücke in Schwarz, Dunkelbraun oder Beige gefragt waren, sollen diese heute in der Farbe leicht changieren – das gibt ihnen einen abgetragenen Look. Außerdem hat sich insbesondere in den vergangenen Jahren die kurze Lederhose durchgesetzt: „Selbst der Bräutigam darf heute eine kurze Lederhose zur Hochzeit tragen!“, bestätigt Wimmer.

Sind alle Wünsche geklärt, das gewollte Leder geliefert, geht es an die Produktion, sprich, zuerst ans Zuschneiden der einzelnen Teile, die später zur Lederhose zusammengefügt werden.

Das wertvolle Leder wird zugeschnitten.

Liebevolle Detailarbeit

Diese werden von Hand oder maschinell bestickt, Knopflöcher werden gestanzt und mit Leder unterfüttert. „Unsere Lederhosen bestehen auch innen rein aus Leder, vom Futter bis zu den Taschen“, betont Stefan Wimmer.

Erst, wenn alle Details, bis hin zur Messertasche, ausgeführt sind, werden die Teile schlussendlich zusammengenäht. Beim Nähen ist besondere Sorgfalt gefragt: „Das Leder verzeiht keine Fehler. Hier kann man keine Naht einfach wieder auftrennen.“

Erst wenn alle Detailarbeiten erledigt sind, werden die einzelnen Teile der Lederhose zusammengefügt.

Im Anschluss werden die Nähte mit Naturkleber auseinandergeklebt und danach mit dem Hammer flachgeklopft.

Um ganz flache Nähte zu erhalten, werden diese mit dem Hammer auseinandergeklopft.

„Und wenn man schließlich alle Teile der Lederhose zusammengenäht und die Nähte flachgeklopft hat, ist das gute Stück so gut wie fertig“, schließt Viktoria Ziller, der wir bei der Fertigung einer Lederhose ganz genau auf die Finger schauen dürfen.

Bis es aber so weit ist, sind immer wieder Termine für die Anprobe fällig: „Eine Lederhose muss schon gut sitzen. Am Anfang sollte man sich sogar denken, sie sei zu knapp bemessen – nur dann passt sie richtig gut! Nach ein-, zweimal Tragen gibt das Leder nach und dann sitzt sie perfekt!“, schwärmt Stefan Wimmer.