Projekt Heimkino

Text: Dominic Schafflinger
Fotos: Dominic Schafflinger, Bang & Olufsen, FM-Audio

Kinoerlebnis, ohne die eigenen vier Wände zu verlassen, ein Traum für jeden Cineasten. Home Theater ist jedoch nicht gleich Home Theater, nicht nur kommt es auf die Wohnsituation und die baulichen Möglichkeiten an, sondern vor allem auf die individuellen Vorlieben in Bezug auf Design und Nutzungsverhalten.

Bild und Ton kann jeder TV, der Umstieg vom Fernseher zum großen Kinoerlebnis erfindet diesen Faktor nicht neu, er schraubt nur die Performance deutlich nach oben, lässt einen komplett in den Film eintauchen. Gerade für technikaffine Männer ist der Wunsch nach „mehr Power“ auch beim Home-Entertainment ein Urinstinkt.

Was darf‘s denn sein?
Ein Heimkino besteht immer aus einem großen Bildschirm und einem Surround-Sound- System. So einfach, so gut. Der erste Schritt zum heimischen Lichtspielhaus muss also sein, sich darüber klar zu werden, was man eigentlich möchte. Einen groben Anhaltspunkt bieten die Schlagwörter Simple-As-Possible, Do-It-Yourself und Pure Luxury, danach geht es in die Detailplanung.

Profis planen das Heimkino mittels digitalem 3-D Modell und Schallberechnung

Simple-As-Possible
Die einfachste Lösung, das Fernseherlebnis aufzuwerten ist es, den heimischen Wohnzimmer-Bildschirm mit einem leistungsfähigen Surround-System aufzupeppen. Qualitativ hochwertige, netzwerkfähige Soundbars, zum Beispiel von Harman Kardon oder Bang & Olufsen, müssen dann nur im WiFi-Netzwerk mit dazu passenden Speakern der gleichen Marke kombiniert werden. „Die Soundbar ist bei B&O die Schaltzentrale des gesamten Heimkinokonzeptes, sie berechnet jeden Speaker einzeln, kann als Stand-alone, fürs Surround Heimkino oder für die Beschallung der gesamten Wohnung genutzt werden“, erklärt B&O Fachhändler und Hi-Fi Experte Josef Greisberger. So erreicht man ein eindrucksvolles Klangbild, ohne ein einziges Kabel verlegen zu müssen.

Do-It-Yourself
Mit Technikbegeisterung und ein bisschen Motivation kann man sein Heimkino selbst aufbauen, egal ob im eigenen Kellerraum oder im Wohnzimmer. In Kombi mit dem heimischen TV ist ein AV-Receiver von Marantz oder Denon mit fünf Lautsprechern und einem Subwoofer (5.1 System) ein perfektes Einsteigergerät, so erzielt man räumlichen Sound, spürt den Film durch das Wummern der Bassbox am eigenen Leib. Der Receiver sollte den Klang digital vermessen können, damit dieser von jeder Box zur gleichen Zeit am Sitzplatz auftrifft, Profis machen das selbst. Die meisten Cineasten schwören auf kabelverbundene Lautsprechersysteme, die Verlegung bedeutet aber zusätzlichen Planungsaufwand. Wer schon ein paar Lautsprecher hat, muss dann nur mehr in drei Frontspeaker investieren und kann das alte Paar einfach als Backspeaker nutzen. Aufmotzen kann man das Ganze dann mit mehr Lautsprechern oder getrennten Vor- und Endstufen im High-End Bereich.

Pure Luxury
Wer einen richtigen Luxus-Kinosaal daheim umsetzen möchte, der ist gut beraten, sich diesen komplett gestalten zu lassen. Nils Hitschke ist mit seinem Unternehmen FM-Audio einer der wenigen, die diesen Service im deutschsprachigen Raum anbieten. Der Kino-Enthusiast, der ursprünglich aus der Veranstaltungsbranche kommt, baute sein gesamtes Haus um das eigene Heimkino herum. „Den gesamten Raum inkl. Ausstattung mit dem gesamten Akustik- und Bildsystem in Einklang zu bringen, ist unsere Spezialität. Aufgrund der Schallwellenlänge benötigt ein Home Theater ein völlig anderes Klangkonzept als ein großes Kino“, erklärt Hitschke. Dafür bieten die Spezialisten ein eigens entwickeltes Lautsprechersystem, mit dem der Schall nicht gebündelt, sondern kontrolliert abgestrahlt wird und erledigen von der Planung des Heimkinos bis zur Endabnahme jeden Arbeitsschritt.

High-End Lautsprecher und TV vereinen im Wohnzimmer Design und Funktion

Beamer vs. TV
Beamer sowie TV haben ihre speziellen Vor- und Nachteile. Sie unterscheiden sich wie ein Hochglanzfoto zu einem Gemälde auf Leinwand. Die Bildschirmoberfläche und das Leuchtmittel des Fernsehers formen ein strahlenderes, plastischeres Bild mit intensiverer Farbkraft. Wogegen das passive Beamerbild angenehmer für die Augen ist und den Zuschauer durch die größere Bildfläche tiefer ins Geschehen eintauchen lässt.

In normalen Wohnzimmern ist die Größe eines Flatscreens mit circa 80 Zoll, also circa 2 Meter Bildschirmdiagonale, völlig ausreichend. Es sollte unbedingt ein OLED sein. Hier kann jeder Pixel ohne Hintergrundbeleuchtung leuchten, dadurch entsteht mehr Detailreichtum in der Farbwiedergabe. So glasklar wie auf Sony Bravia XR 83 Zoll waren bewegte Bilder selten zu sehen, das Bild verfügt über eine unglaubliche Lebendigkeit und Tiefe. Ideal für fotorealistische Filmerlebnisse. Beamerfreunde, die auf 4-8K, 3D und andere Feinheiten nicht verzichten wollen, greifen zum JVC NP5 4K. Mittels HDR-Technologie wird jedes Bild neu berechnet und in der richtigen Belichtung dargestellt. Kostet auch nicht mehr als ein Premium OLED TV und ist wirklich echtes Kino.

Eine gute Beamer-Leinwand verstärkt das auftreffende Licht, reinweißes Gewebe gibt Farben am neutralsten wieder. Will man die Boxen, wie im richtigen Kino, dahinter verstecken, gibt Audiodata-Chef Hannes Palfinger folgenden Tipp: „Wir haben alle Leinwände akustisch vermessen. Gewebter Stoff ist allen anderen überlegen.“ Der Gain-Faktor misst das Reflexionsverhalten und sollte mindestens 1 bis 1,2 betragen, je höher er wird, desto heller wird es am zentralen Sitzplatz, aber der Sichtwinkel nimmt ab. Alleine gut, aber schlecht für den gemeinsamen Fußballabend.

Sound vom Feinsten
Beim Sound zählt neben der Systemleistung vor allem die Raumbeschaffenheit. Soundbars erzeugen mittels Klangreflexionen ein 3-dimensionales Klanggefühl, aber Vorhänge, Bücherregale und andere weiche Materialien schlucken diese Reflexionen schnell und vernichten jeden 3D-Sound. Ein echtes Surround-System, das sich entweder selbst automatisch einmessen kann oder noch besser vom Profi kalibriert wird, klingt immer besser. Hier entsteht ein Sound, der perfekt auf die Sitzplätze zugeschnitten ist. Um die aktuellen 3D Kino Tonformate DTS:X und Dolby Atmos wiedergeben zu können, benötigt man zusätzlich zum 5.1, 7.1 oder 9.1 System, mindestens zwei Deckenlautsprecher, so kommt der Sound aus allen Richtungen und Tom Cruise alias Maverick fliegt einem nun wirklich über den Kopf. In großen High-End Heimkinos weicht der AV-Receiver einer getrennten Vor- und Endstufe sowie einem digitalen Signalprozessor für noch mehr Leistung. Wem das fürs Wohnzimmer zu kompliziert ist, kann mit Aktivlautsprechersystemen, wie B&O sie bietet, einen einfacheren Weg gehen, da hier der Verstärker schon in der Box verbaut ist und die Software den Rest regelt. „Im separaten Heimkinosaal sind die Lautsprecher meist versteckt, im Wohnzimmer sind Lautsprecher Designobjekte“, weiß Experte Josef Greisberger.

Luxus Backspeaker Setup für Dolby Atmos mit 4 Bassboxen, 2 Hoch/Mitteltönern und Höhenlautsprechern in den Ecken

Kinodesign
Bei Surround-Anlagen sollte man immer darauf achten, dass Schallreflexionen vermieden werden. Der sogenannte Erstreflexionspunkt liegt immer an der der Box gegenüberliegenden Wand, hier eignen sich Vorhänge, Bücherregale oder Pflanzen als Diffusor, die das Klangbild verbessern. Ein dicker Teppich fängt Reflexionen vom Boden ab. „Weniger Reflexion heißt immer präziserer Klang“, so FM-Audio Meister Nils Hitschke und ergänzt: „Steht die Couch an der hinteren Wand, kann sich der Backspeaker nicht richtig entfalten. Hier nutzt man umgekehrt die Geräuschreflexion der Wände mit Dipol-Lautsprechern, um den Klang indirekt im Raum zu verteilen.“ Die Experten sind sich einig, dass für perfektes Kinoerlebnis von der Beleuchtung, korrekter Kabelplanung über die eventuelle Anbringung von passenden Wanddiffusoren nichts dem Zufall überlassen werden sollte. Ob man sich als Ausgabegerät für einen UHD Blu-ray-Player oder Streaming entscheidet, ist dann nicht mehr so wichtig, denn mit einer ordentlichen Breitbandverbindung kann man 4K Bildqualität übertragen. Aber das wichtigste Heimkinogerät ist sowieso die Popcornmaschine, völlig egal ob man im Home Cinema oder im Wohnzimmer sitzt.

Beamer

+ Bieten authentisches Kinofeeling
+ Extragroße Bildgrößen möglich
+ Beinahe unsichtbar durch Deckenmontage und einrollbare Leinwand
+ Weniger Augenermüdung durch indirekte Bilderzeugung

– Benötigen immer zusätzliche Lautsprecher und Leinwand
– Komplexer Anschluss, Kabelver- legung und Stromanschluss
– Schlechterer Kontrast und Schwarzwert gerade bei Tageslicht

Fernseher

+ Verlässliche Bildqualität bei jeder Beleuchtung
+ Ideal für zwischendurch, gerade für Kinder
+ Einfach anzuschließen

– Über 2 Meter Bilddiagonale unverhältnismäßig teuer
– Große Modelle sind sehr schwer (muss bei Transport und Montage berücksichtigt werden)

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