„Nächstes Jahr hol ich in Salzburg den Titel“

Lukas Neumayer überzeugte als Newcomer des Jahres beim diesjährigen Salzburg Open mit einem Finaleinzug und Tennisspiel auf Weltklasseniveau. Im Interview spricht er über die ATP Tour, sein Training und gibt ganz private Einblicke.
Text: Dominic Schafflinger
Bilder: Laux Foto, mia (maria-knoll.com), Adobe Stock
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Lukas, wie läuft es gerade bei dir?

Im Moment sehr gut, aber im Tennis kann sich alles so schnell ändern. Jede Woche gibt es neue Möglichkeiten, neue Turniere, der Sport ist irrsinnig schnell. Da kann es auch passieren, dass man drei Wochen hintereinander in der ersten Runde ausscheidet, obwohl man gut spielt. Körperlich bin ich aber top in Form und hochmotiviert.

Deine Topform hat sich im Juli beim Salzburg Open gezeigt.

Es war mein größter Erfolg. Ich schlug unglaublich gute Spieler und konnte mein hohes Level das gesamte Turnier halten. So schaffte ich es bis ins Finale, und das noch dazu in meiner Heimat. Meine ganze Familie und viele Freunde waren hier, das war unbeschreiblich.

Dann war Salzburg dein größter Turniermoment?

In Bezug auf meine Tenniskarriere ja, in manch anderer Hinsicht war Kitzbühel wichtiger. Ich habe dort die Qualifikation bei der Generali Open überstanden. Das war zu einer extrem schwierigen Zeit, weil mein Opa ein paar Tage davor verstorben war und da so viele Emotionen dabei waren.

Wie hält man die Motivation hoch, wenn solche Schicksalsschläge einen treffen?

Die Trauer war schon sehr groß, aber ich wusste, dass mein Großvater gewollt hätte, dass ich spiele, weil es ja mein erstes ATP Turnier war. Der Gedanke hat mich unglaublich angespornt und ich denke, dadurch habe ich noch besser gespielt. Es war mein Großvater, der mir die Kraft gegeben hat.

„Es ist der falsche Weg, wenn Eltern den Kindern Erfolgsdruck machen. Entweder es kommt von einem selbst, oder es wird nicht funktionieren.“ – Lukas Neumayer

Wie hoch ist der Konkurrenzdruck auf der Challenger Tour im Vergleich zur ITF Tour?

Als ich noch auf der ITF Tour gespielt habe, war es meistens so, dass sich die durchgesetzt haben, die das beste Ranking hatten und der Leistungsunterschied zwischen gewissen Spielern war arg. Auf der Challenger Tour ist die Dichte und das Niveau aller 32 Spieler so hoch, dass jeder gewinnen kann. Man darf kein Spiel auf die leichte Schulter nehmen.

Du sagst selbst, Sand liegt dir am meisten, auch von der Geräuschkulisse erinnerst du manchmal ein wenig an Thomas Muster. Ist er ein Vorbild für dich?

Sicher, auf jeden Fall, Thomas war österreichische Nummer Eins und einer der besten Sandplatzspieler der Tennisgeschichte. Wie er gespielt hat, finde ich heute noch richtig geil. Wir haben uns auch schon ein paar Mal getroffen.

Wie lädst du dich abseits des Tenniscourts wieder auf?

Es ist grundsätzlich sehr wichtig, Hobbys zu haben, damit man vom Kopf her nicht immer nur im Tenniszirkus drinnen ist und abschalten kann. Ich gehe da gerne Golfen, am liebsten mit meiner Schwester Anna oder verbringe viel Zeit mit Familie und Freunden.

Wie gut spielt Lukas Neumayer Golf?

Mein Handicap liegt zwischen 5 und 6. Ich hab früher viele Turniere gespielt. Inzwischen reicht die Zeit aber nicht mehr. Aber man verlernt das Golfen zum Glück nicht.

Ist das beim Tennis genauso?

Für die Frage bin ich der Falsche, denn ich spiele fast jeden Tag.

Wie bedeutend ist Familie für deinen Erfolg?

Was mir meine Eltern bis jetzt schon ermöglicht haben, ist nicht selbstverständlich und nur dadurch kann ich meinen Traum leben. Trotzdem haben sie mir nie Druck gemacht. Das ist wirklich wichtig, weil ich nach Hause kommen kann, um abzuschalten. Es ist der falsche Weg, wenn Eltern den Kindern auch noch Erfolgsdruck machen, entweder es kommt von einem selbst, oder es wird nicht funktionieren.

Von der Familie zur Liebe. Gibt es eine Frau in deinem Leben?

Nein, gibt’s nicht. Ich konzentriere mich im Moment voll aufs Tennis.

Wie sieht das Training eines Tennis Pros aus?

Ich trainiere im Moment sechs Tage die Woche. Morgens beginne ich mit einer Stunde Fitness vor dem Tennis, dann trainiere ich ungefähr vier Stunden Tennis und am Nachmittag lege ich eine Ausdauereinheit ein. Zwei bis drei Mal die Woche hab ich dann noch Physiotherapie oder Mentaltraining. Ich komm schon auf 6 Stunden Training am Tag.

Was ist beim Fitnesstraining das Wichtigste?

Zum einen, dass man komplett verletzungsfrei trainiert. Nichts ist blöder als ein Turnier wegen einer Trainingsverletzung zu verpassen. Dem Hobby-Tennisspieler würde ich auf jeden Fall Rumpfstabilisation empfehlen. Planking und Sit-ups sind die besten und einfachsten Übungen.

Wie gehst du mit Rückschlägen und Niederlagen im Training um?

Ich hatte dieses Thema genau heuer zu Saisonbeginn, da habe ich ziemlich schlecht gespielt und wenig Erfolge gehabt. Aber ich glaube das Wichtigste ist, genau dann mit dem Kopf beim Spielen zu bleiben und sich nicht in Ängsten zu verlieren. Ich habe noch mehr trainiert, wir haben uns im Training die Dinge angeschaut, die man normalerweise automatisch macht und haben die Detailarbeit an der Schlagtechnik noch mehr forciert. Man kann auch mal eine Zeit lang den Schläger komplett weglegen, aber mir hilft der Fokus auf meine Spieltechnik am meisten.

Ist Mentaltraining für dich auch eine wichtige Komponente?

Tennis ist ein Sport, bei dem es in nur einem Match so viele Höhen und Tiefen gibt. Am wichtigsten ist, dass man über einen langen Zeitraum komplett fokussiert bleibt, Aussetzer kann man sich nicht erlauben. Um das zu verbessern, ist ein Mentaltrainer unglaublich wichtig. Oft reicht es aber schon, einfach nur jemanden zum Reden zu haben.

Hast du Techniken oder Rituale, die dir mental weiterhelfen?

Ich arbeite ein bisschen mit Atemtechniken und Meditation. Was für mich aber sehr wichtig ist, sind Rituale beim Spiel. Das sind so simple Sachen wie den Ball vor dem Aufschlag immer gleich oft auf den Boden zu prellen. Das hält die Konzentration hoch.

Gibt es eine Botschaft oder Ratschlag, den du jungen Tennistalenten noch mitgeben möchtest?

Das Wichtigste ist einfach der Spaß. Es gibt sicher ein paar Spieler, die auch ohne Freude am Sport ganz gut sind. Ich möchte da jetzt keine Namen nennen, aber wenn man denen zuschaut, merkt man das eh sofort. Aber im Großen und Ganzen kannst du nur wirklich erfolgreich werden, wenn du jeden Tag mit Spaß und Leidenschaft am Tennisplatz stehst.

Was hast du dir für nächstes Jahr vorgenommen?

Dieses Jahr ist noch nicht vorbei, da ist mein Ziel erstmals in die Top 200 zu kommen, was gut möglich ist. Dann bin ich bei den Grand Slams dabei. Ich setze mir meine Ziele immer am Ende des Jahres, aber ich denke, die Zielsetzung 2024 wird in Richtung Top 100 gehen.

Und fürs Salzburg Open 2024?

Ganz klar, den Titel holen!

Zur Person

Lukas Neumayer wird am 6. September 2002 in Eben im Pongau geboren. Fußball, Tennis, Golf und Skifahren sind seine Lieblingsbeschäftigungen.

Mit zwölf steht für den Pongauer fest, dass er Tennisprofi werden will. Bis 2020 spielt Lukas auf der ITF Junior Tour, wo er auf Platz 27 vorrücken kann. Beim French Open Jugendturnier erreicht er das Viertelfinale. Ende 2020 spielt der Newcomer in der ITF Future Tour und qualifiziert sich hier überraschend für das Generali Open in Kitzbühel. Wenig später steigt er in die ATP Challenger Tour ein und 2022 und 2023 folgen Staatsmeistertitel im Einzel. Beim diesjährigen Salzburg Open spielt er sich ins Finale.

Momentan ist der 21-Jährige auf Weltranglistenplatz 234 gereiht.