Mit Holz in die Zukunft

Text: Doris Thallinger
Fotos: Susanne Reisenberger-Wolf, Albrecht Imanuel Schnabel, Neumayr/Christian Leopold, proHolz Salzburg

Holz ist genial. Ein Slogan, der hält, was er verspricht. Wie bedeutend Holz in allen Formen für jeden einzelnen von uns, aber auch für unser gesamtes Bundesland und seine Wirtschaft ist, welche Bedeutung der Wald und seine Ernte für unser Klima und damit für unsere Zukunft haben, ist vielen noch gar nicht bewusst. Bei näherer Betrachtung zeichnet sich rasch ab, dass Holz nicht nur genial ist, sondern mehr und mehr zu DEM Roh-, Werk- und Baustoff einer gesunden Zukunft schlechthin wird.

Salzburg befindet sich in einer glücklichen Lage, sowohl geografisch als auch topografisch. Unser Bundesland ist gesegnet mit gesunder Natur, wunderschönen Orten und Plätzen und vor allem mit viel Wald. Mit rund 375.000 Hektar Waldfläche sind tatsächlich 52 Prozent des Landes von Wald bedeckt. Den größten Anteil an unseren Wäldern nehmen mit 81 Prozent die Nadelbäume ein (vorwiegend Fichte), 19 Prozent teilen sich auch Laubhölzer auf, wobei Mischwälder im Steigen begriffen sind.

Gesunder Wald – gesunde Wirtschaft
Dass Salzburg ein waldreiches Bundesland ist, tut nicht nur den Einwohnern gut, die von guter Luft und abwechslungsreicher Gegend profitieren, auch Salzburgs Wirtschaft darf dadurch aufatmen. Nach Tourismus und Fremdenverkehr ist die Forst- und Holzbranche eine der wichtigsten Säulen der heimischen Wirtschaft. Immerhin beschäftigt diese Branche 26 Prozent aller Erwerbstätigen der produzierenden Wirtschaft. Landesweit sind es – in absoluten Zahlen – ca. 1.200 Unternehmen, die den Kern der Holzbranche bilden und rund 20.000 Menschen ihr regelmäßiges Einkommen sichern, und zwar entlang der gesamten Wertschöpfungskette: vom Waldbesitzer über die holzverarbeitende Industrie, Gewerbe und Handwerk bis hin zu Dienstleistungsbetrieben. Allesamt im eigenen Bundesland. Kein Wunder also, dass Salzburg als Holzland schlechthin gilt, mit Kuchl als Hochburg der Kompetenz und des Wissens rund um Holz, dem „Silicon Valley des Holzes“, wie proHolz Salzburg-Obmann Rudolf Rosenstatter im Interview stolz betont:

„Holz ist ein menschenfreundlicher Rohstoff“

Ökonomierat Rudolf Rosenstatter im Interview

Wie entwickeln sich die Waldbestände in Salzburg? Muss man auch bei Holz befürchten, dass eines Tages der Rohstoff knapp wird?
Diese Frage wird uns oft gestellt: Haben wir genug Holz? Die Antwort darauf ist ein klares Ja. Wir nutzen den Zuwachs, den wir jährlich an Waldfläche haben, bei weitem nicht, sondern verfügen über gigantische Pflegerückstände. Der Flächenzuwachs des Waldes ist stündlich messbar: Pro Stunde entsteht ein halber Hektar mehr Waldfläche – und das wird noch über viele Jahre so bleiben. Der Zuwachs ist für mindestens die nächsten 100 Jahre beständig!

Von Seiten der EU wird dennoch immer wieder die Außer-Nutzung-Stellung von Waldflächen gefordert. Was spricht für die forstwirtschaftliche Nutzung des Waldes als bessere Strategie, den Wald und auch das Klima zu schützen?
Die forstwirtschaftliche Nutzung birgt ein gewaltiges Potenzial, denn dadurch können wir gesunde, aktive, leistungsfähige, junge und bunte Wälder schaffen. Dieser Prozess muss durch uns eingeleitet werden, nur so bekommen wir leistungsfähige Pflanzen. Der Prozess, den Wald zu bewirtschaften und das Holz zu nutzen, ist sehr wichtig. Wir brauchen junge Pflanzen, die das Wasser, die Hänge und Lawinen stabilisieren, die Sauerstoff produzieren!

Wie lassen sich wirtschaftliche Interessen mit Naturschutz vereinbaren?
Naturschutz, der Schutz des Kleinen und der Schutz der Vielfalt sind mit der Nutzung eines Wirtschaftswaldes sehr wohl vereinbar. Wir wollen den Naturschutz für die gesamte Waldfläche unseres Landes, nicht nur für ausgewiesene Naturschutzgebiete. Darum unternehmen wir im Sinne der nachhaltigen Forstwirtschaft sehr viel zum Schutz der Natur und der Biodiversität. Dies hat für uns höchste Priorität. Die Holznutzung spricht in keiner Weise gegen die Ziele des Naturschutzes. Das Gegenteil ist der Fall: Dadurch, dass wir Holz entnehmen, gelangen wieder Wärme, Licht und Wasser in den Wald. Wesentlich ist die nachhaltige Forstwirtschaft, diese ist in unseren Wäldern durch die PEFC-Zertifizierung garantiert.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Gründe, die für das Bauen mit Holz sprechen?
Holz ist ein menschenfreundlicher Rohstoff. Wenn man sich im Winter bei Eiseskälte Holz an die Wange hält, fühlt es sich angenehm an. Dasselbe gilt im Sommer bei 40 Grad. So ist einfach und anschaulich erklärt, warum Holz so menschenfreundlich ist. Das ist mit keinem anderen Rohstoff möglich. Holz ist gesund, ökologisch, sinngebend. Der Mensch sucht ja immer nach dem Sinn. Und Holz ist schön. Holz anzuschauen, empfindet jeder Mensch als angenehm. Darüber hinaus – und das sind wohl die wichtigsten Argumente – ist Holz gleichzeitig ökonomisch und ökologisch. Holz ist der einzige Rohstoff, der das Klima schützt, je mehr davon verbaut und verarbeitet wird. Und Holz ist auch leistbar. Unser klares Ziel, ja sogar unsere klare Forderung ist es, mehr Menschen die Möglichkeit zu bieten, in Holz wohnen zu können, speziell im mehrgeschossigen sozialen Wohnbau! Davon haben wir alle etwas: Die Bewohner, das Klima und natürlich die Gesellschaft, unser Bundesland, in dem die gesamte Wertschöpfung verbleibt. In diesen Zeiten wird einem einmal mehr bewusst: Unser Holz muss Salzburg nicht einmal verlassen, damit daraus ein fertiges Produkt entsteht.

Und nicht zuletzt spricht die Ökobilanz klar für Bauen mit Holz: Das Holzhaus nur einer Familie bindet so viel CO2 wie ein fossil betriebenes Durchschnittsauto für eine Million Kilometer freisetzt!

Klimaschützer Holz
Im Zuge ihres Wachstums nehmen Bäume Kohlendioxid aus der Luft auf, speichern den Kohlenstoff und geben wiederum Sauerstoff in die Atmosphäre ab. Der Kohlenstoff verbleibt im Holz des Baumes, solange dieses stofflich genutzt wird und nicht verrottet oder verbrennt. Holz in Form von nachhaltiger Forstwirtschaft aus dem Wald zu entnehmen, verlängert somit die Bindung des Kohlenstoffs und steigert den Klimaschutzeffekt des Waldes. Damit verlängern beispielsweise Häuser aus Holz den Kohlenstoffspeicher des Waldes. Jeder Kubikmeter an verbautem Holz bindet sage und schreibe eine Tonne CO2! Zudem reduziert die Verwendung von Holz als Baustoff den Einsatz anderer Materialien, deren Herstellung ein Vielfaches an CO2 freisetzen würde, wie auch proHolz Salzburg-Geschäftsführer Gregor Grill im Interview bestätigt:

„Das Geniale: Jeder einzelne Holzspan wird verarbeitet“
Gregor Grill im Interview

Wie schneidet Holz als Werkstoff in der Ökobilanz ab?
Jeder Kubikmeter Holz speichert in etwa eine Tonne Kohlenstoff. Das bedeutet, wenn ich bei einem dreigeschossigen Wohnbau ungefähr 500-600 m³ Holz einsetze, dass ich 500 Tonnen CO2 gespart habe, anstatt dass ich sie, wie bei anderen Baustoffen, ausgestoßen habe. Jedes Holz, das ich aus dem Wald hole, bindet CO2 über einen gewissen Lebenszyklus. Wenn es zu dem Punkt kommt, dass ein Gebäude abgetragen oder saniert wird, ist das Holz ja nicht verloren, es gelangt als Altholz oder Recyclingholz wieder in den Kreislauf zurück. Aus Balken oder Decken wird dann eine Spanplatte oder Faserplatte erzeugt. Erst, wenn ich das Holz gar nicht mehr recyceln kann, wird es als Energie verwertet und CO2-neutral verbrannt. Das ist das Geniale: Jeder Span wird wieder verwertet. Zum anderen wissen wir: Der Wald an sich speichert das CO2 im Baum. Wenn ich einen Baum im Wald stehen lassen und nicht nutze, wird dieser irgendwann verrotten und das CO2 wieder in die Luft gelangen. Dieser Kreislauf ist ein vergleichsweise kurzer.

Welche Bedeutung kommt Holz als Energielieferant zu? Wie sieht die Öko-Bilanz hier aus?
Große Assets sind die CO2-neutrale Verbrennung und die regionale Verfügbarkeit, das heißt, die Öko-Bilanz ist sehr, sehr gut.

Holz liegt im Gebäudebau klar im Trend. Was spricht dafür, sich im Gebäudebau für Holz zu entscheiden?
Vielleicht eine der häufigsten Empfindungen, die der Mensch hat, ist, dass er sich in Holz wohlfühlt. Holz sorgt für einen Feuchtigkeitsausgleich, schafft ein gutes Raumklima, riecht gut, ist immer warm. Auf der anderen Seite müssen wir dem Klimaschutz nachkommen. Wir brauchen nachhaltigere Bauprodukte, Dämmstoffe, etc. Da gehen wir natürlich mit Holz und seiner genialen CO2-Bilanz in die absolut richtige Richtung. Bei der Verwendung von Holz müssen wir uns nicht einschränken, im Gegenteil: Je mehr Holz wir verwenden, umso besser ist es für die Umwelt. Im Bereich der Einfamilienhäuser liegen Häuser aus Holz bei rund 40 Prozent, was eine gute Marktsättigung bedeutet. Zwei Drittel des gesamten Bauvolumens liegen jedoch im mehrgeschossigen Bau. Darum sind gewerbliche Bauträger und der gemeinnützige Wohnbau das Volumen der Zukunft. Es gibt bereits tolle Projekte, die zeigen, dass man auch sehr große und hohe Gebäude sehr effizient mit Holz bauen kann. Besonders innerstädtisch punkten Holzbauten durch den hohen Fertigungsgrad. Das spart Lärm, viele LKW-Fahrten und es geht natürlich schneller. Was die Baukonstruktion betrifft, ist ein Holzbau um 40 % schneller fertig als ein Gebäudebau mit anderen Materialien.

Aus Holz gebaut: Das Ronald McDonald Kinderhilfe Haus in Salzburg

In welchen Bereichen – abgesehen vom Holzbau – spielt Holz als Rohstoff eine Rolle?
Neben den Bauprodukten und Baunebenprodukten ist natürlich der Gedanke im Rahmen der Bio-Ökonomie und der politischen Strategien zu überlegen: Wo können wir fossile Rohstoffe ersetzen? Zum Beispiel im gesamten Kunststoffmarkt. Ein super Beispiel ist der Zellstoff, der in Salzburg erzeugt wird. Dieser wird nicht für Papier verwendet, sondern auch für Textilien. Aus diesen Fasern wird Bekleidung gemacht. Wir machen aus dem Durchforstungsholz, aus minderwertigerem Holz, das nicht für Bauholz geeignet ist, sowie aus den Sägespänen, die beim Verarbeiten entstehen, Zellstoff, und daraus in Folge Garn für Pullover, Shirts, u.s.w. Lignin beispielsweise – das ist Teil der Zellulose – kann in Dämmstoff umgewandelt werden, indem man es aufschäumt. Man forscht daran, möglichst viele Stoffe wieder technologisch aufzubereiten, um daraus Produkte zu erzeugen, die der Markt braucht.

Sprachrohr zu Wald und Holz
Als Verein der Salzburger Forst und Holzwirtschaft setzt sich proHolz Salzburg für die nachhaltige Forstwirtschaft und den vermehrten Einsatz von Holz und Holzwerkstoffen ein. Die Aufgaben reichen von der Holzfachberatung bis zum Holzmarketing. Wissenstransfer und Kommunikation sind hierbei die tragenden Säulen. Als wichtiger Teil des Vereins proHolz ist der Holzcluster Salzburg Impulsgeber und Initiator von Schlüsselprojekten entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Der Holzbaupreis 2023
Der Holzbaupreis wird alle vier Jahre als Auszeichnung für angemessenes Bauen mit dem Werkstoff Holz im Spannungsfeld von Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur vergeben. Projekte können von 1. Juni bis 10. Juli 2022 eingereicht werden.

Infos dazu: www.proholz-salzburg.at