„Mein Vorbild? David Garrett!“

Die Geige hat es dem jungen Eugendorfer Niklas Mischkulnig schon im zarten Alter von drei Jahren angetan. Heute, mittlerweile zehn Jahre alt, begeistert er das Publikum mit seinem virtuosen Spiel und fühlt sich auf der Bühne wie zuhause.
Text: Doris Thallinger
Bilder: www.kaindl-hoenig.com, Adobe Stock, privat

Klein, aber oho. So lautet der erste Gedanke, wenn man Niklas Mischkulnigs Geigenspiel lauscht. Der Geigenbogen fegt über das Instrument, jeder Griff der zarten Finger sitzt perfekt. Wie ein großer Geiger wirkt der Zehnjährige, dem die Musik scheinbar durch den Körper fließt. Volle Körperspannung, die dunklen Augen unter dem Wuschelkopf huschen flink über die Notenblätter. Hat das Lächeln zuvor noch fast ein wenig scheu gewirkt, ist er jetzt in seinem Element, seine Pose, sein Gesichtsausdruck, seine Körpersprache zeugen von höchster Konzentration – und Selbstbewusstsein, jede Nervosität ist mit der ersten Note verflogen.

„Es ist ein wunderschönes Gefühl, wenn ich vor vielen Menschen auf der Geige spiele.“ – Niklas Mischkulnig

Dabei ist es beileibe kein einfaches, sondern ganz im Gegenteil, ein hochkomplexes Stück, das Niklas Mischkulnig für uns zum Besten gibt: die Obertas von Henryk Wieniawski, seinem derzeitigen Lieblingskomponisten. „Eigentlich wollte ich ja die Polonaise brillante spielen“, verrät er verschmitzt, „aber die schaffe ich noch nicht ganz fehlerfrei.“ Den Anspruch, vor Publikum, so klein es auch sein mag, fehlerfrei zu spielen, hat der junge Geiger allemal. Und das schon, seit er im zarten Alter von fünf Jahren zum ersten Mal mit der Geige auf der Bühne steht.

Frühe Liebe

Die Liebe zur Geige entdeckt er gar schon mit drei Jahren: „Ich war ganz oft bei den Kinderfestspielen von Lisi Fuchs und dort durfte man auch selbst die Instrumente ausprobieren. Ich habe die Geige ausprobiert, das hat mir so gut gefallen, dass ich unbedingt Geige lernen wollte!“ In diesem Jahr erklären sich die Eltern noch entschieden dagegen, dem kleinen Stöpsel eine Geige zu kaufen. „Im ersten Moment habe ich mir gedacht, bitte, nur nicht Geige, das hält mein Gehör nicht aus“, gesteht Mama Eva Fuchs-Mischkulnig heute lachend. Doch aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben: Ein Jahr später ist es wieder (oder besser immer noch) die Geige, die den mittlerweile 4-Jährigen in ihren Bann zieht. „Ich hab mich dann einmal erkundigt, was eine Geige überhaupt kosten würde,“ erinnert sich Vater Wolfgang Mischkulnig. „Im Musikgeschäft hat man mir empfohlen, erst einmal eine Geige zu mieten, die meisten würden nach einem halben Jahr ohnehin wieder zurückgegeben werden.“

Nicht in diesem Fall. Niklas erhält seinen ersten Geigenunterricht – „im ersten halben Jahr ging es nur darum, den Bogen richtig zu führen“ und lernt schnell. „Ich habe dann angefangen, Niklas am Klavier zu begleiten, habe ihm die Noten vorgegeben und er konnte schon damals alles richtig nachspielen, ohne die Noten zu kennen“, erzählt Eva Fuchs-Mischkulnig, „er hat irrsinnig rasch gelernt und so gut wie keinen Ton falsch getroffen.“

Durchbruch mit Harry Potter

Ein halbes Jahr vergeht, ein Jahr vergeht – die Geige wird nicht zurückgebracht, höchstens gegen eine größere eingetauscht. Niklas sammelt erste Bühnenerfahrungen und es zeigt sich mehr und mehr: Hier schlummert ein großartiges Talent.

Ist die Freude am Spiel mit der Geige immer schon groß, kommt es während der Corona-bedingt ruhigen Zeit zum persönlichen „Durchbruch“. „Das Musizieren hat uns über diese Zeit getragen. Niklas hat damals Harry Potter geliebt – und eines Tages hat er sich das Notenbuch geschnappt, die CD eingelegt und gespielt wie ein Wilder“, erinnert sich Mutter Eva, „da war er sechs, sieben Jahre alt.“

Ab diesem Zeitpunkt ist Niklas nicht mehr zu bremsen. Neben dem Geigenunterricht am Musikum Seekirchen nimmt er zusätzliche Stunden bei einer Geigenlehrerin in Neumarkt. „Einmal in der Woche war mir einfach zu wenig“, gesteht er. „Wir hatten auch das Glück, an die richtigen Menschen zu kommen, die Niklas von Anfang an begleitet haben. Theresa Althuber vom Musikum Seekirchen hat ihn sehr gefördert und ihm einige Türen geöffnet, unter anderem, dass er mit dem Diabelli Orchester Seekirchen spielt.“ Auf ihre Initiative hin nimmt Niklas außerdem (wiederholt) an der „Musizierwoche“ in Bischofshofen teil, einem Meisterkurs für Violine unter der Leitung von Christine-Maria Höller, ebenso ist er mehrere Male Teilnehmer der Austrian Master Classes auf Schloss Zell an der Pram.

Mittlerweile unterrichtet Christine-Maria Höller Niklas wöchentlich am Mozarteum Salzburg, darüber hinaus nimmt er Unterricht bei einem Privatlehrer und „einmal pro Woche probe ich mit dem Diabelli Orchester“, berichtet er.

Übung macht den Meister

Talent und Leidenschaft sind das eine – regelmäßig Üben und Lernen gehört aber genauso dazu. „Ich übe ungefähr eine Stunde am Tag“, erklärt Niklas, „manchmal habe ich aber auch gar keine Lust drauf.“ Doch der Ehrgeiz und sein Ziel vor Augen sind größer als jede Unlust. „Ich mach’s dann einfach trotzdem.“ Beim nächsten Vorspielen oder der nächsten Unterrichtsstunde muss jeder Ton stimmen, die Ansprüche an sich selbst sind hoch und das Geigenspiel kein leichtes: „Man muss jeden Griff blind können – wenn du nur um einen Millimeter verrutschst, ist es schon ein falscher Ton. Das ist das Schwierige an der Geige“, erklärt Niklas ernst. Auch wenn es bei ihm so federleicht aussieht.

Mit seinen zehn Jahren spielt Niklas Mischkulnig auf hohem Niveau, einem Niveau, an das viele 14-/15-Jährige nicht mehr herankommen. Dies beweist er unter anderem 2021 beim Talente-Contest „Zeig dein Talent!“, bei dem der damals erst Achtjährige als Finalist hervorgeht und in Folge immer wieder mit dem Kinder- und Jugendorchester der Philharmonie Salzburg auf der Bühne steht.

Die Bretter, die die Welt bedeuten

Vor zwei Jahren entdeckt Niklas Mischkulnig außerdem seine Liebe zum Schlagzeug.

Die Bühne, ganz offensichtlich ein Ort, an dem der Zehnjährige sich so richtig wohlfühlt. So wohl, dass er seit vier Jahren auch Schauspielunterricht nimmt. „Begonnen habe ich mit einem Sommerkurs bei Daniela Meschtscherjakov im Schauspielhaus, seither bin ich in einem Schauspiel-Jugendkurs und habe einmal in der Woche Schauspielunterricht. Ich liebe das Schauspielen!“, schwärmt er mit strahlenden Augen. Und obwohl sich die Liebe zur Schauspielerei mit der Liebe zur Geige die Waage hält, sind seine Zukunftspläne recht klar: „Ich will einmal Schauspieler werden!“

Die ersten Schritte dahingehend setzt er seit 2020: Als jüngstes Hirtenkind wirkt er beim Salzburger Adventsingen mit. Zwei Jahre lang kann das Stück Corona-bedingt nicht öffentlich aufgeführt werden, umso größer dann die Freude, aber auch die Aufregung im vergangenen Jahr: „Bei der Vorpremiere im vergangenen Jahr war ich wirklich aufgeregt, ich hab richtig geschwitzt. Bei der Premiere war ich zwar auch noch aufgeregt, aber bei der dritten Aufführung war es dann schon ganz chillig.“ Und ganz besonders in Erinnerung ist die letzte Aufführung des Salzburger Adventsingens geblieben: „Beim Schlussapplaus hat mich ein anderer Huckepack auf die Bühne getragen – da war ich ja noch kleiner. Danach gab es ein Abschlussfest, das war richtig lustig, wir haben im ganzen Festspielhaus Verstecken gespielt.“

Das Große Festspielhaus kennt Niklas mittlerweile wie seine Westentasche. Dieses Jahr wirkt er zum vierten Mal beim Salzburger Adventsingen mit und freut sich schon riesig auf den Beginn der Proben. „In den zwei Wochen vor Premiere sind wir oft bis zu sechs Stunden bei den Proben im Festspielhaus!“, schwärmt er und Mama Eva ergänzt: „Er kommt immer ganz glücklich von den Proben heim, das Festspielhaus ist für die Kinder wie ein Spielplatz, da geht auch schon mal ein Fenster zu Bruch, wenn in der Pause im Ballettsaal Fußball gespielt wird.“

Übrigens spielt das Große Festspielhaus auch in den Träumen und Wünschen des jungen Schauspielers und Musikers eine nicht unwesentliche Rolle: „Ich möchte einmal ganz allein auf der Bühne des Festspielhauses stehen und ein Solo spielen.“ Sein großes Vorbild: kein Geringerer als David Garrett.