Mehr Haar, bitte!
Text: Doris Thallinger
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Jeden Morgen ein paar Haare mehr am Polster, von denen, die täglich im Kamm hängenbleiben, ganz zu schweigen: Die meisten Männer kennen die Sorge um ihre Haarpracht, nicht nur mit zunehmendem Alter. Wer sich mit Geheimratsecken, Glatze und Co. nicht abfinden will, findet Abhilfe in der modernen Medizin.
Haarausfall ist – gerade unter Männern – ein weit verbreitetes Thema. Oft zeichnet sich schon in jungen Jahren der Verlust des vollen Haares ab, umso schmerzhafter für viele Betroffene. Nicht selten schlägt der Haarverlust sich sogar in psychischen Beschwerden und massiven Einschränkungen des sozialen Kontakts nieder. Jedenfalls leiden oftmals Selbstbewusstsein und Lebensqualität unter dem vermeintlichen Schönheitsmakel.
Ursachen abklären
Der erste Schritt bei Haarausfall, der über das übliche Maß hinausgeht, ist die Forschung nach der Ursache. Manchmal ist es lediglich ein Mangel an bestimmten Proteinen, Fettsäuren, Spurenelementen oder Vitaminen, der Haarverlust zur Folge haben kann. Ein Problem, das man eventuell mit entsprechenden Nahrungsergänzungen, Kuren, Shampoos und Ölen sowie Massagen aus der Welt schaffen kann. Jedoch – leider, liebe Männer – ist die weitaus häufigere Form des Haarverlusts erblich bedingt. Die diversen Wässerchen und Mittel werden diesem nicht Einhalt gebieten, geschweige denn, die bereits verlorenen Haare nachwachsen lassen.
Erfolge können im Sinne der Haarverdichtung durch den Einsatz einer Mesotherapie erzielt werden, bei der hochdosierte Vitamine in die Kopfhaut injiziert werden, oder der PRP-Therapie, bei der die Kopfhaut mit dem Blutplättchen-reichen Plasma aus dem Eigenblut versorgt und gestärkt wird.
Optische Effekte
Sind lediglich vereinzelt kahle Stellen am Kopf sichtbar, bzw. das Haar zwar licht, aber noch vorhanden, kann mittels Farbpigmentierung der Kopfhaut der Eindruck vollen Haars erweckt werden. Die Haarpigmente werden dabei unter die Kopfhaut injiziert und können durchaus beachtliche Effekte erzielen.
Echte Haarpracht
Wer sich jedoch nicht auf die optische Täuschung verlassen möchte und tatsächlich auf volles Haar setzen will, wird nicht um die Methode der Eigenhaartransplantation herumkommen. Bei diesem chirurgischen Eingriff werden – einfach ausgedrückt – Haarfollikel vom Hinterkopf extrahiert und an den kahlen Stellen wieder eingesetzt.
Den tatsächlichen Ablauf der Haartransplantation erklärt Dr. Doris Wolf: „An erster Stelle steht eine gründliche Voruntersuchung der Kopfhaut und der Haarwurzeln – mit Lupenbrille, unter dem Trichoskop sowie im Labor.“ Aufgrund dieser Ergebnisse sowie einer ausführlichen Anamnese erfolgt die Entscheidung, ob eine Transplantation überhaupt in Frage kommt. „Sind insgesamt zu wenig Haare und gesunde Haarwurzeln vorhanden, ist es natürlich nicht möglich zu transplantieren.“
Spricht auch aus gesundheitlichen Gründen nichts dagegen, kann die Transplantation bereits rund drei Wochen nach dem Ersttermin vonstattengehen. Ausgerüstet mit der modernsten Technologie werden nun die Haarfollikel entnommen – Regie führt dabei ein Roboter, der erkennt, welche Haarwurzeln extrahiert werden sollen und diese vorsichtig aus der Kopfhaut stanzt – selbstverständlich unter örtlicher Betäubung, sodass der Vorgang äußerst schmerzarm erfolgt. „Die größte Belastung für den Patienten ist es wahrscheinlich, so lange Zeit in Bauchlage zu verbringen,“ schmunzelt die Ärztin. Da die Haarwurzeln (Crafts) händisch entnommen werden, dauert der Vorgang bis zu vier Stunden. Unmittelbar im Anschluss werden die entnommenen Haare gezählt und ein Raster angeordnet, nach dem sie schließlich im Zielareal eingepflanzt werden. Wieder Haar für Haar – und zwar händisch!
Großer Aufwand – große Wirkung
Bis die Transplantation Wirkung zeigt, vergeht einige Zeit. „Man muss sich bewusst sein, dass die neu eingesetzten Haare nach vier bis fünf Wochen ausgehen können. Grundsätzlich ist wesentlich für den Erfolg, dass die Patienten die ersten Tage unglaublich vorsichtig sein müssen, um die frisch eingesetzten Haarwurzeln nicht auszureißen, bevor sie richtig angewachsen sind!“, so Wolf. „Nach rund einem halben Jahr kann man den Erfolg dann schon sehr gut beurteilen. Nach einem Jahr ist das Ergebnis schließlich vollkommen.“