Mehr als nur ein Möbelstück
Die Couch ist für viele Männer das Herzstück des Hauses. Sie ist nicht nur ein Ort zum Fläzen und Entspannen, sondern je nach Typ Liebesnest, Familientreffpunkt, Stadionsessel und manchmal auch ein Statussymbol.
Text: Dominic Schafflinger
Fotos: Gehmacher Living Salzburg, Sedda, Anna Haslauer Photography, Auguri/Florian Lhotka
Wer sich auf die Suche nach einem neuen Lieblingsplatz im Wohnzimmer begibt, steht vor nahezu unerschöpflichen Möglichkeiten, sich die perfekte Couch in den Lebensmittelpunkt zu rücken. „Dies über alles: Sei dir selbst treu“, rät Polonius seinem Sohn Laertes in Hamlet und auch beim Couchkauf ist dies der wichtigste Rat. Zwar kauft man nicht lebenslänglich, doch 10 bis 15 Jahre Sofahalbwertszeit sind zu lang, um sich über die falsche Entscheidung zu ärgern.
Es geht doch immer nur um das eine Männer lieben Technik, auch Sofas sind da keine Ausnahme. Julia Gehmacher, Leiterin des gleichnamigen Living-Stores in der Getreidegasse, erzählt lächelnd: „Man muss sagen, die textile Raumgestaltung ist ein weibliches Feld. Bei männlichen Kunden geht es eigentlich immer um Design-Gimmicks und technische Lösungen, das ist das Männerthema schlechthin.“ Von elektrischen Fußstützen über integrierte Hebe- und Schwenktische bis hin zu USB-Anschlüssen und Wireless Charger – die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. „Die beheizbare Couch ist genauso Thema, wie eingebaute Boards aus Nussholz, Marmor oder Edelstahl“, bemerkt Hannes Schiefer, der in seiner Polstermöbelwerkstatt jeden Couchtraum individuell umsetzt: „Mancher Kunde integriert sogar Surround-Lautsprecher direkt in das Sofa.“ Allerdings hat alles Grenzen. Lautsprecherhersteller und Audioexperte Hannes Palfinger, warnt: „Hochtöner und Mitteltöner müssen das Ohr anstrahlen, beim Einbau in die Couch verliert man Klangqualität und auch der Subwoofer muss auf den Raum abgestimmt verbaut werden. Wir eröffnen vor Weihnachten unseren neuen nuaudiostore in der Hofhaymer Allee 9, da kann man sich genau erkundigen.“
Der Stoff, aus dem Couchträume gemacht werden
„Wer technische Extras, wie elektrisch ausfahrbare Sitzbänke oder USB-Ports in der Couch verbaut haben möchte, bezahlt für ein individuell gebautes Sofa meist nicht mehr wie für ein Stangenprodukt aus dem Möbelhaus.“ – Hannes Schiefer, Polstermöbelwerkstatt
„Männer tendierten schon immer zu Leder“, erklärt Schiefer. Designer wie Le Corbusier, Charles Eames oder Mies van der Rohe haben mit ihren ikonischen Ledermöbeln das Bild des männlichen Wohnstils geprägt. Schwarzes Leder, Stahlrohre, edel gebogenes Nussholz – das sind die Elemente, die Männerherzen höherschlagen lassen. Aber aktuelle Möbelmessen wie der Salone del Mobile in Mailand gehen völlig andere Wege. Große, weich gepolsterte Sofas mit Boucléstoff sind total vintage aber auch unglaublich angesagt. Die 60er Jahre kommen auch im Möbeldesign wieder voll zurück.
„Die letzten Jahre ging der Einrichtungstrend in Richtung straight, kalt und glatt, sogar Teppiche verschwanden aus dem Wohnzimmer“, bemerkt Schiefer: „Jetzt geht man vor allem bei der Couch den umgekehrten Weg: kuschelig, weich, mit wärmenden Stoffen.“ Aber auch Leder muss nicht immer kalt sein, weiß Julia Gehmacher: „Weiche offenporige Lederstoffe sind genauso cozy wie hochwertige Stoffbezüge.“ Wer Gemütlichkeit sucht, legt auch Wert auf einfache Reinigung. Hier empfiehlt die Gehmacher Expertin abziehbare Sofas: „Die sehen unglaublich gut aus und können nach Wunsch sogar alle paar Jahre mit komplett neuen Stoffen überzogen werden. Alternativ sind auch hochwertige Kunststoffbezüge sehr einfach zu reinigen.“ Der Held von heute achtet auf recycelte Materialien und zeigt nachhaltige Stärke.
Nicht auf die Größe kommt es an
„In Wohnzimmern sehe ich oft Sofas, die für die Raumgröße völlig überdimensioniert sind“, warnt Hannes Schiefer. Im Möbelhaus wirken die Möbel kleiner, weil der Verkaufsraum so groß ist. Sein Tipp: „Die Couch mit dem Maßband genau ausmessen und diese dann daheim mit Klebeband auf den Fußboden kleben. So merkt man, wie viel Platz die Couch tatsächlich verbraucht.“ Heute bleiben Gäste meist auf dem Esstisch sitzen, wer trotzdem sonntags die Schwiegereltern gerne auf der Couch deponiert, oder im Office Business-Meetings abhält, dem empfiehlt Einrichtungsexpertin Julia Gehmacher eine geringere Sitztiefe. „Alternativ kann man lose Rückenkissen auf die Couch legen, dadurch wird die Tiefe flexibel und die Gäste können gemütlich sitzen.“ Eine andere Grundsatzentscheidung ist, ob man es bevorzugt, den Sitz samt ausfahrbarer Beinauflage wie einen Liegestuhl nach hinten zu kippen, oder ob man sich lieber genüsslich querlegt. Hier benötigt ‚Mann‘ dann eine große Sitztiefe, um wirklich gemütlich zu fläzen. Ausfahrbare Sitzbänke sind hier ein guter Kompromiss zwischen Größe und Komfort und die Couch kann auch spontan in ein Gästebett verwandelt werden, wenn der beste Freund mal Zoff mit seiner Liebsten hat.
Die Couch aus dem Knast
„Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten“, erkannte Jean-Jacques Rousseau. Dieses allgemeine Dilemma des Menschseins löst die Knastcouch zwar nicht, aber sie hilft den Häftlingen, obwohl für Hannes Schiefer anfangs allein die Leistbarkeit im Vordergrund stand: „Vor dem Entschluss, hauptberuflich Couchen zu bauen, habe ich mich eine Zeit lang stark mit Konzeption und Design beschäftigt. Dabei sezierte ich jede Designermarke, um zu erfahren, wie diese Sofas gebaut sind. Als ich gerade die Werkstatt eröffnet hatte wollte ich diese hohe Qualität möglichst günstig produzieren. Ein Bekannter erzählte mir, dass es in der Schanzlgasse (ehemaliger Standort der Justizanstalt) eine Tischlerwerkstatt gibt. Da habe ich angefragt, ob sie Sofa-Gestelle bauen würden.“ Nach den ersten Knastcouchen sprach Schiefer mit den Insassen und zeigte ihnen Bilder: „Die waren total happy, dass sie individuelle Stücke machen konnten. Der Kunde hat den Vorteil, dass ich den günstigen Preis eins zu eins weitergebe, und die Insassen verdienen sich etwas dazu. Es wirkt sich positiv auf die Führungsakte aus und dient als Qualifikation nach der Entlassung.“ Jede Knastcouch erhält eine Plakette, die ihre Herkunft belegt. Wer darauf Platz nimmt, fühlt sich fast ein bisschen wie ein Mafioso.
Der größte Feind des Couchvergnügens
„Beim Couchkauf sollte man immer auf die Scheuertourenzahl achten. Gute Überzüge beginnen bei 25.000. Das garantiert lange Beständigkeit des Stoffbezuges.“ – Julia Gehmacher
Mal ehrlich, Männer sind eigentlich das ordentlichere Geschlecht, zumindest da, wo es ihnen wichtig ist. Aber jeder, der mit Freunden und Kids viel Zeit auf der Couch verbringt, weiß die Bedeutung von einfacher Pflege zu schätzen. Bier, Cola und Nachosauce sind die größten Feinde ungetrübter Sofafreude. Hier greift man ungeschaut zum (Kunst-)Leder oder zu abziehbaren Bezügen. „Bei Naturleder sind Flecken eigentlich nichts Schlimmes, das schafft mit der Zeit eine Patina, wie bei der Hirschledernen. Vielleicht ist das der Grund, warum Männer Ledercouchen so lieben“, vermutet Julia Gehmacher. „Am sichersten ist es aber, wenn man sich im Keller oder in der Garage eine Männerhöhle einrichtet, da stellt man dann eine alte Couch und einen Beamer rein und kann mit den Freunden sorgenfrei feiern, während das Wohnzimmer Privatsache bleibt.“
Was wirklich zählt
Die Männercouch ist mehr als nur ein Möbelstück – sie ist ein Ausdruck des persönlichen Stils. Eine Grundsatzentscheidung ist, ob die Couch optisch wirken soll oder die Gemütlichkeit im Vordergrund steht. Ist die Couch privater Rückzugsraum, Officemöbel oder Treffpunkt für Kids und Kumpels? Julia Gehmacher weiß, dass bei 80 % der Pärchen letztendlich die Frau die Kaufentscheidung trifft: „Trotzdem sollten Männer auf das, was ihnen wichtig ist, bestehen. Das Sofa muss groß genug sein, dass sich auch der Mann komplett ausstrecken kann und wer das nicht durchsetzen kann, der setzt sich am besten gleich auf den elektrischen Stuhl – also den, bei dem alles via Fernbedienung verstellbar ist.“ Sofabauer Schiefer hat allerdings noch ein Gegenargument parat: „Für mich als Mann ist das Wichtigste die Frau, denn die soll sich am Ende des Abends gerne auf der Couch fallen lassen.“
Welcher Couchtyp sind Sie?
Der Businessmann: Legt Wert auf Prestige und Exklusivität. Für ihn ist die Couch ein Statussymbol. Hochwertige Materialien, klare Linien und Designerstücke stehen im Vordergrund. Wichtig ist, dass er nicht vergisst, dass man das Sofa nicht nur mit den Augen, sondern auch mit der Körperrückseite genießt.
Der Couchpotato: Sucht Gemütlichkeit und Funktionalität. Großzügige Liegeflächen, weiche Polster und pflegeleichte Stoffe sind ihm wichtig. Er würde sich am liebsten nie mehr von seinem Liegeplatz erheben. Der Couchpotato muss sich beim Couchkauf auf jede Handinnenseite notieren, dass die gemütlichste Couch irgendwann versifft, wenn man sie nicht pflegeleicht bezieht.
Der Techniker: Ist begeistert von allen Spielereien, die eine Couch bieten kann. Elektrische Fußstützen, USB-Anschlüsse, integrierte Lautsprecher – je mehr Funktionen, desto besser. Da er sofort alle Funktionen auswendig kennt, aber daheim nicht mal mehr die Farbe der Couch weiß, braucht er unbedingt weibliche Beratung an seiner Seite.