„Man muss ein Kämpfer sein“

Text: Doris Thallinger
Fotos: vogl-perspektive.at, SebasRomero, Future7Media

Mit 5 bekam er sein erstes Trial-Bike, mit 10 gewann er die deutschen Youth Trials, mit 16 war er jüngster Finisher in der Geschichte des Red Bull Erzbergrodeos. 2016 wurde er zum ersten Mal Super Enduro Junior World Champion und 2019 der jüngste WESS Enduro Weltmeister aller Zeiten. Der Kiefersfeldener Manuel Lettenbichler zählt zweifelsohne zu den Erfolgreichsten im Enduro-Sport. Wir trafen den sympathischen 24-Jährigen zum Interview in der KTM Motohall.

Im Moment erholst du dich von deiner Meniskus-OP. Wie geht es deinem Knie?
So weit, so gut. Die OP ist nun dreieinhalb Monate her und ich bin bis jetzt noch nicht am Motorrad gesessen! Ich bin derzeit in der finalen Phase meines Reha-Prozesses und hoffe, dass ich am Wochenende wieder aufs Motorrad kann. Bei den Jungs im Red Bull APC Trainingscenter in Thalgau bin ich gut aufgehoben! Die Verletzung war doch ein bisschen schwerer als man vor der OP gedacht hat. Darum bin ich einfach froh, wenn ich wieder aufs Moped steigen und trainieren kann.

Wann hast du dein nächstes Rennen geplant?
Hoffentlich Ende Mai! Der grobe Plan wäre, beim zweiten Stopp unserer WM in Serbien dabei zu sein. Falls das zu knapp wird, vielleicht sogar erst Mitte Juni am Erzberg, das ist das nächste wichtige Rennen. Das kommt jetzt drauf an, wie es mir beim Motorradfahren geht.

Was bedeutet der Ausfall beim ersten Rennen der Hard Enduro WM dieses Jahr für die Saison?
Es wird schwierig werden, speziell für den WM-Titel. Aber ich glaube, es wird trotzdem eine mega-coole Saison und ich möchte schauen, dass ich gute Einzel-Events fahre und ein paar gute Resultate bringe. Natürlich möchte ich beim Erzbergrodeo wieder gut dabei sein und auch bei den Romaniacs im Juli vorne mitfahren. Ich werde die heurige Saison von Rennen zu Rennen bestreiten und dann schauen, wo ich am Ende stehe. Das ist im Moment wichtiger, als das große Ganze zu sehen. Denn das ist schwierig, wenn man bereits ein Rennen verpasst hat.

Welche Ziele hast du dir darüber hinaus, generell für deine Karriere gesetzt?
Ich möchte auf jeden Fall auf dem Niveau bleiben, auf dem wir jetzt sind. Seit 2018 bin ich einer der Besten der Welt in meinem Sport und es ist natürlich sehr cool, das sagen zu können. Darauf bin ich unglaublich stolz! Noch ein paar Spitzenresultate und einige Titel einfahren zu können, ist natürlich das Ziel. Aber ich lebe gerne im Hier und Jetzt, wenn ich ganz ehrlich bin, mache ich mir noch keine Gedanken darüber, was ich in fünf Jahren machen werde. Vielleicht treibt es mich einmal in eine ganz andere Richtung – man weiß es nie.

Was bedeutet es für dich, Teil des Red Bull KTM Factory Racing Teams zu sein? Wie wichtig ist es für dich, eine solche Marke im Hintergrund zu haben?
Es ist natürlich sehr cool, speziell als Deutschsprachiger – nicht als Deutscher, als Bayer (!) – auf einem österreichischen Motorrad zu sitzen. Das Team funktioniert top, ich verstehe mich mit den Leuten richtig gut und fühle mich sehr gut aufgehoben. Das nimmt sehr viel Last von mir. Man ist außerdem, meiner Meinung nach, auf dem momentan besten Bike unterwegs. Das sind alles Pluspunkte, die das Leben erleichtern, sodass ich mich aufs Rennenfahren fokussieren kann. Der Rest, weiß ich, funktioniert.

Das Motorradfahren liegt ja sozusagen in deinen Genen. Wie ist es dir zu Beginn als Sohn der Enduro-Legende Andreas Lettenbichler ergangen?
Mir war sehr, sehr wichtig, dass ich nicht der „nächste Letti“ werde, sondern eine eigene Person bin und ich glaube, das hab ich ganz gut gemeistert. Anfangs war der Enduro-Sport sein Ding, ich komme aus dem Trial-Sport. Dann war ich einmal bei seinem Training dabei – und da hat es mich richtig gepackt! Es hat Mega-Spaß gemacht. Am Erzberg konnte ich auch gleich einmal ein gutes Ergebnis einfahren. Es war ein ganz natürlicher Werdegang, worüber ich sehr froh bin. Ich bin auch richtig happy, dass mein Papa immer noch bei meinen Rennen dabei ist: Er ist einer meiner Haupt-Mechaniker und mein Haupt-Mentor bei den Rennen, auf den ich mich zu 100 % verlassen kann. Er kennt mich einfach am besten. Wir haben eine sehr gute Beziehung. Er ist nicht nur mein Papa, sondern auch mein Freund.

Aber ihr wart auch einmal Konkurrenten…
Genau, wir sind ein paar Rennen gegeneinander gefahren. Am Anfang war er natürlich deutlich besser als ich, er war einer der besten der Welt! Irgendwann ist der Wendepunkt gekommen: Bei einem Qualifying Rennen in der Türkei war ich vor ihm, er war Zweiter. Ich glaube, das war für ihn der Moment, an dem er beschlossen hat, einen Schritt zurückzutreten und mir weiterzuhelfen, nachdem er zehn Jahre lang selbst auf höchstem Niveau gefahren ist.

Was ist das Wichtigste, das du von deinem Vater gelernt hast?
Dass man auf jeden Fall ein Beißer sein muss! Der Wille muss da sein! Aber, angefangen beim Motorradfahren bis hin zur gesamten Technik, habe ich alles von meinem Papa gelernt. Bis heute profitiere ich von seiner Erfahrung bei den Rennen. Es ist schon von Vorteil, wenn man jemanden hat, den man alles fragen kann.

Für ihn ist wahrscheinlich mit deiner Karriere ein Wunsch in Erfüllung gegangen, aber: Was hat deine Mama dazu gesagt?
Ich weiß gar nicht, ob das sein großer Wunsch war. Ihm taugt es natürlich sehr, aber ich habe nie den Druck von ihm gehabt, das machen zu müssen.

Die Mama war am Anfang schon geschockt, speziell bevor ich es zu meinem Beruf gemacht habe. Heute heißt es zwar immer noch: „Pass gut auf!“, aber sie hat ja mit dem Papa schon alles miterlebt. Und sie ist auch sehr stolz auf mich.

Auch deine Schwester ist sehr erfolgreich – liegt der Erfolg in der Familie?
Ja, meine Schwester war jahrelang als Bühnentänzerin erfolgreich, hat unter anderem in Salzburg getanzt, bei den Erler Festspielen und auch einige internationale Geschichten gemacht. Unsere Eltern haben uns die Freiheiten und Möglichkeiten gegeben, alles auszuprobieren und ich glaube, deswegen haben wir beide unsere Wege in die richtige Richtung gefunden. Es ist einfach schön, wenn man sein Hobby, seine Leidenschaft zum Beruf machen kann. Meine Schwester ist mittlerweile Mama, ich bin schon seit zwei Jahren der Onkel Mani!

Was waren deine größten Rückschläge? Dachtest du auch einmal ans Aufhören?
Schon, speziell bei Verletzungen. Das sind Momente, wie auch jetzt, wenn man dreieinhalb Monate nicht am Motorrad sitzt, in denen man sich fragt: Gibt es auch andere Sachen im Leben? Sind vielleicht andere Dinge wichtiger? Aber dann ist das Feuer wieder da und man möchte wieder einer der Besten sein.
Rückschläge sind nie leicht, aber man muss sie akzeptieren und das Positive daraus ziehen. Natürlich hat man manchmal Zweifel, aber man darf sich nicht zu viele Gedanken machen, sondern sich schnell wieder aufs Positive konzentrieren. Wenn ich in ein Rennen reingehe, sage ich: Ich möchte mein Bestes geben, nicht: Ich möchte gewinnen. Das hilft mir, wenn es einmal nicht so gut läuft, zu sagen: Hey, das nächste wird besser. Ich hab trotzdem einen guten Tag gehabt. So kann man Rückschläge leichter akzeptieren, als wenn man zu verbissen an die Sache herangeht oder sich die Erwartungen zu hoch setzt, speziell die Erwartungen anderer, die der Sponsoren und des Publikums. Wenn man bei allem sein Bestes gibt, ist das eine gute Mentalität.

Trainierst du deine mentale Stärke?
Nicht wirklich. Wenn es mir zu viel wird, dann muss ich einfach mal was anderes machen. Ich bin gerne in den Bergen unterwegs, zum Mountainbiken und Bergsteigen, Hauptsache draußen sein. Wenn ich einmal aufwache und die Motivation ist im Keller, dann muss ich einfach was anderes machen und akzeptieren, dass ich eine Pause brauche.

Was macht ein Manuel Lettenbichler, wenn er mal nicht auf dem Motorrad sitzt oder Sport betreibt?
Noch mehr Sport! Ich bin, wie gesagt, gern in den Bergen unterwegs und wenn ich nur eine halbe Stunde gemeinsam mit meinen Spezln wo raufgehe und oben in der Sonne sitze. Ich bin einfach kein Indoor-Typ. Ich verbringe meine Zeit gerne in den Bergen, auch im Winter beim Skifahren. Die Bergleidenschaft ist groß.

Bleibt da noch Zeit für die Liebe? Wie schaut’s im Beziehungsleben aus?
Beziehungsleben – im Moment noch Single. Es ist natürlich schwierig, wenn man so viel unterwegs ist, und der Sport ist im Moment für mich das Wichtigste. Die Richtige ist mir auch noch nicht über den Weg gelaufen, aber vielleicht kommt sie ja noch – ich bin auf jeden Fall offen! Ich bin, glaub ich, ein herzensguter Mensch und freue mich, wenn man sich gut versteht und eine Gaudi miteinander hat. Im Moment hat mich noch nicht die Richtige gefunden.

Giltst du auch abseits der Rennen eher als abenteuerlustig?
Ja! Ich kann schon richtig aufdrehen mit den richtigen Leuten, ich kann allerdings auch manchmal sehr ruhig sein. Aber ich bin natürlich sehr abenteuerlustig und für alles zu haben. Ich freu mich immer, neue Sachen auszuprobieren. Ich glaube, ich bin der Letzte, der sagt, nein, das mach ich nicht. Wenn jetzt wer sagt, komm, gehen wir Bungee Jumpen – dann würde ich sagen, boah, hab ich noch nie gemacht, muss ich mir schon überlegen, aber ja, bin dabei! Ich bin ein Typ, der sich sehr schnell überzeugen lässt – was manchmal gefährlich sein kann.

Interview mit Manuel Lettenbichler

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