Männersache Schönheit
Die Vorstellung davon, was einen attraktiven Mann ausmacht, hat sich im Laufe der Zeit erheblich gewandelt. Während früher oft das raue, ungepflegte und maskuline Erscheinungsbild als ideal galt, ist heute ein gepflegter, jugendlicher und athletischer Look gefragt. Diese Verschiebung hat wohl auch dazu geführt, dass Männer offener sind für ästhetische Behandlungen und schönheitschirurgische Eingriffe.
Text: Doris Thallinger
Fotos: Scheinast, Walther Jungwirth, Adobe Stock
Männer sehen sich zunehmend denselben gesellschaftlichen Erwartungen ausgesetzt wie Frauen. Ein durchtrainierter Körper, klare Gesichtszüge und ein jugendliches Aussehen sind in vielen Bereichen des Lebens von Bedeutung geworden, auch im Berufsalltag, wie der Salzburger Facharzt für plastische, ästhetische & rekonstruktive Chirurgie Alexander Papp (P-Health Zentrum für Gesunde Schönheit) von einem Patienten weiß: „Die Konkurrenz schläft nicht, junge Kollegen sind auf der Überholspur. Manchmal führen dauerhaft müdes Aussehen und optische Anzeichen des Alterns dazu, dass man sich selbst nicht mehr in seiner ganzen Kraft, im Fight-Modus fühlt. Dann helfen oft schon kleine Interventionen, damit man zum einen wieder gerne in den Spiegel schaut und zum anderen das Selbstbewusstsein gesteigert wird.“
Dass Vertrauen und das Zutrauen von Kompetenz sehr oft mit dem Äußeren zu tun hat, sieht auch der Plastische Chirurg Walther Jungwirth, der seine Praxis in Salzburg-Aigen betreibt, in seinem Berufsalltag: „Wir leben in einer Welt der Bilder. Wenn mir jemand gegenübersitzt, der dynamisch wirkt oder jemand mit starken Tränensäcken, der wirkt, als ob er kaum geschlafen hätte, kann es sein, dass ich diesem weniger vertraue und eine geringere Kompetenz zuschreibe.“ Aus diesem Grund den Schönheitswahn unserer Zeit gänzlich zu verteufeln, hält Jungwirth aber für unehrlich: „Natürlich spielen uns die Medien ständig attraktive Menschen vor, denen wir nacheifern wollen. Das ist aber nicht unbedingt schlecht: Wenn wir uns mehr an diesen Menschen orientieren würden, was Ernährung, Sport etc. betrifft, würden wir allesamt gesünder leben. Und wer gut auf seinen Körper und sein Aussehen achtet, lässt dann auch gerne, wenn es notwendig ist, eine Lidstraffung machen oder ein Doppelkinn korrigieren.“
Beliebte Eingriffe
Zu den häufigsten Eingriffen, denen die Herren der Schöpfung sich unterziehen, zählt die Straffung der Ober- bzw. Unterlider. „Durch die Straffung der Lider sowie der Tränensäcke wirkt man sofort sehr viel frischer“, so Walther Jungwirth, „diese Operation ist nicht sehr aufwändig und ambulant möglich, die Schmerzen sind gering und bereits nach einer Woche ist man wieder voll einsatzfähig.“
Auch die Rhinoplastik, also die Korrektur der Nase, steht weit oben auf der Liste der gängigsten ästhetischen Eingriffe, zu denen Männer sich entschließen, weiters die Liposuktion, sprich Fettabsaugung, beispielsweise an der Hüfte, um eine definierte Silhouette zu erhalten sowie ab einem gewissen Alter auch kleine Facelifts, sobald die Haut erschlafft.
Manche Männer leiden unter einer vergrößerten Brustdrüse. Für Betroffene ist der vergrößerte Brustbereich (Gynäkomastie) sehr unangenehm und führt nicht selten zu Scham und Rückzug. Die chirurgische Entfernung schafft hier gut Abhilfe. „Es ist nicht notwendig, unter einer Gynäkomastie zu leiden“, weiß Walther Jungwirth, „die operative Entfernung funktioniert sehr gut. Danach ist die Brust wieder glatt, normal anzusehen, männlich und wächst auch nicht mehr nach.“
Nicht immer muss es jedoch der chirurgische Eingriff sein: „Der Anteil der Herren, die sich minimal-invasiven Behandlungen unterziehen, ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen“, bestätigt Alexander Papp. „Neben der Behandlung mit Botox oder Hyaluron nutzen Männer zunehmend auch medizinisch-kosmetische Gesichtsbehandlungen, um ihr Aussehen aufzufrischen. Darüber hinaus ist die Behandlung mit Blutplasma sehr gefragt, um die Haarstruktur zu fördern, wie auch die Haartransplantation immer mehr zum Thema wird.“
Attraktiv bleiben
Was sind also die Empfehlungen an den Mann, um seine Attraktivität zu erhalten, dem Alterungsprozess vielleicht ein Schnippchen zu schlagen?
„Nicht rauchen!“, so die prompte Antwort von Dr. Walther Jungwirth, „übermäßigen Alkoholkonsum vermeiden, auf die Ernährung achten, sportlich sein, die Haut vor der Sonne schützen und ab ca. 25 Jahren auf die richtige Hautpflege setzen – das sind alles Faktoren, die nichts oder nicht viel kosten, aber sich immens auf das Aussehen auswirken.“ Erst ab 40 bis 45 Jahren, wenn man selbst ein Problem mit Unterlidern oder den Tränensäcken hat, sei es ein guter Zeitpunkt, über einen Eingriff nachzudenken, ab 55 bis 60 Jahren könne man auch ein Faceliftig in Betracht ziehen, je nach Hautkonsistenz des Mannes.
„Der Anteil der Herren, die sich minimal-invasiven Behandlungen unterziehen, ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen.“ – Dr. Alexander Papp
Für Alexander Papp ist es der eigene Spiegel, der als Berater fungieren sollte: „Wer sich beim Blick in den Spiegel über einen längeren Zeitraum echte Gedanken über sein müdes, verbrauchtes Aussehen macht, und findet, dass er nicht mehr so ausschaut, wie er es gewohnt ist, sollte darüber nachdenken, etwas zu unternehmen. Aber das würde ich nicht am Alter festmachen.“
Generell sieht er den guten, gesunden Umgang mit seinem Körper als grundlegende Basis, auch, was das Aussehen betrifft: „Wichtig ist, dass wir Männer uns – über das Rasieren hinaus – regelmäßige und gute Pflege gönnen, das macht schon einmal viel aus. Darüber hinaus sollte jeder Mann darauf achten, sich gesund zu ernähren, regelmäßig Sport treiben und für sich ausloten, was ihm guttut.“
Möchte Mann sein Aussehen darüber hinaus mit medizinischer Hilfe verbessern, rät er: „Fangen Sie erst einmal mit kleineren Behandlungen an, hin und wieder etwas Botox spritzen, eine medizinische Kosmetikbehandlung ausprobieren. Zum Messer greifen und operieren kann man immer noch.“
Gut zu wissen
„Ob Mann oder Frau, ein ästhetisch-medizinischer Eingriff sollte im homöopathischen Bereich stattfinden. Finger weg von allem, das extrem manipulierend ist“, warnt Alexander Papp. „Alles, was darüber hinausgeht, ein frisches, erholtes Aussehen zu bewirken, führt gerade beim Mann rasch zu einer kompletten Typveränderung.“ Walther Jungwirth rät, immer vorab zu prüfen, welche „Probleme“ mit klassischer Chirurgie tatsächlich zu lösen sind: „Wadenimplantate einzusetzen ist beispielsweise eine sehr heikle Angelegenheit, das funktioniert in der Praxis meist nicht so wie gewünscht. Ein weiteres Beispiel ist der typische „Bierbauch“ – da sich bei einem solchen das Fettgewebe um die Darmschlingen gesammelt hat, lässt es sich nicht absaugen. Da hilft nur abnehmen!“
Und, obwohl laut Studien 67 % der Männer unzufrieden sind mit der Läge ihres Penis, auch hier muss Walther Jungwirth die Herren enttäuschen: „Penisverlängerungen funktionieren nicht wirklich, es gibt bislang noch keine sinnvolle Methode dafür.“
Welcher Eingriff und welche Behandlung schließlich in Frage kommen – die Experten raten in jedem Fall, sich ausführlich vorab zu informieren, durchaus auch mehrere Meinungen einzuholen und sich nur an zertifizierte Fachärzte zu wenden, die höchste Qualität, auch in der Vor- und Nachbehandlung bieten, größere Operationen auf jeden Fall in einer Klinik vornehmen zu lassen und Billig-Angebote aus dem benachbarten Ausland zu meiden.