It’s a Man’s Cave

Rückzugsorte im eigenen Zuhause sind für jeden wichtig. Männern scheint dieses Bedürfnis bewusster zu sein als Frauen. Sogenannte Männerhöhlen oder Man Caves liegen schwer im Trend. Ob als Ort für sich selbst, als Hobbyraum oder Territorium für Freunde, Spiel und/oder Sport.
Text: Doris Thallinger
Fotos: Adobe Stock, Karin Lohberger Photography, Petra Nestelbacher, privat

Wo kann ein Mann heute noch einfach Mann sein? Wo findet er den Ort, den er so dringend braucht – an dem keine zierlichen, feminin angehauchten Deko-Gegenstände das Bild prägen, nicht der Alltag der Familie die Szenerie dominiert? Ist doch selbst heute noch die Küche oft das Domizil der Frau, das Wohnzimmer zum Spielplatz der Kinder umfunktioniert und selbst das Schlafzimmer oft mit Kerzen, Vasen und Tischdeckchen dekoriert, nicht unbedingt der Raum, mit dem Mann sich vollkommen identifiziert. Damit steigt der Wunsch nach einem Ort, an dem er wirklich Mann sein darf, in dem es nur um ihn geht.

Die Höhle des Löwen

Kein Wunder, dass ein Trend aus den USA auch zunehmend in unseren Breitengraden Gefallen findet: der Man Cave, die sprichwörtliche Männerhöhle. In Funktion, Ausstattung und Design variiert diese je nach Vorlieben und Hobbys. Wesentlich ist, dass es sich um einen Raum oder Platz NUR für ihn handelt, ohne Kompromisse, ohne Einschränkungen und Einmischungen, ohne Störfaktoren.

Trend oder echtes Bedürfnis?

Herbert Reichl, IWAP GmbH & Co KG

Eine Antwort darauf gibt die Wohnpsychologie: „Jeder Mensch braucht einen persönlichen Ort, einen Rückzugsplatz, den er selbst gestalten und nutzen kann. In der Wohnpsychologie nennen wir das die persönliche Nische. Allerdings ist dieses Bedürfnis nicht männerspezifisch, wobei ich aus der Praxis sagen kann, dass Männer den Wunsch danach häufiger äußern“, erläutert Herbert Reichl, der als Baumeister und Psychologe bereits in der Planung vor allem die Bedürfnisse und Sehnsüchte der Menschen in den Fokus rückt. „Im Grunde hat jeder Mensch dieselben Bedürfnisse: nach Rückzug und Kontakt, nach Erholung und Öffnung sowie nach ästhetischer Wahrnehmung, lediglich sind diese unterschiedlich ausgeprägt.“

Entsprechend der eigenen Stimmung müsse man den Wechsel zwischen Kontakt und Rückzug selbst steuern können – in einem ausgewogenen Verhältnis. „Wichtig ist, dass der Rückzugsort, ob es nun ein Man Cave ist oder vielleicht auch nur eine Lese-Ecke, von allen anderen Familienmitgliedern respektiert wird. Dann ist ein solcher Platz eine große Ressource für das eigene Wohlbefinden“, so Reichl. Ob Garage, Werkstatt, Keller oder eigenes Zimmer: „Hier kommt man runter, schaltet ab und kann in einer Tätigkeit so richtig aufgehen – und in den sogenannten Flow-Zustand kommen. Dadurch erlebt man echte Entspannung.“

Jedem Familienmitglied ein eigenes Zimmer zugestehen, lässt sich in der Realität natürlich nicht immer so einfach umsetzen. „Oftmals ist es gar nicht so einfach, innerhalb der Familie Platz für sich selbst zu schaffen, gerade für Männer, da sich die Domäne der restlichen Familie gerne über Küche, Wohnzimmer, Badezimmer erstreckt. Begrenzter Raum kann oft zu Spannungen führen, sowohl zwischen Eltern und Kindern als auch innerhalb der Partnerschaft“, kennt auch Innenarchitektin Eva Maria Klee die Problematik.

Ab in den Untergrund!

Eva Maria Klee, Innenarchitektur Verwandelt

Manchmal liegt die Antwort auf diese Problematik unter Tage vergraben. Nämlich im Keller, der oftmals, ohnehin nur mit Krempel belegt, brach liegt, als Abstellraum ohne wirklichen Nutzen. Klingt doch nach der idealen Lösung, oder?

Fast. Zu vorschnell sollte man sich nicht freuen. Ein Kellerraum wird nicht unbedingt von jetzt auf gleich zur Wohlfühlzone, indem man ihn mit ein paar gemütlichen Möbeln, Beamer, Bar, Sauna oder Fitnessgeräten bestückt. Leider. Vom verwunschenen Keller zur Oase sind manchmal einige bauliche Maßnahmen vonnöten.

Die vorherrschenden Themen: Raumklima, also Wärme und Kälte sowie Feuchtigkeit. Im Gegensatz zum bestehenden Wohnraum hat man es im Keller mit erdanliegenden Wänden und Böden zu tun, die entsprechend isoliert und gedämmt werden müssen, sofern dies nicht bereits im Zuge des Neubaus geschehen ist. Der Aufbau des Bodens wie auch der Wände aus Betonplatte, Dampfsperre, Grunddämmung sowie Estrich muss detailliert analysiert und berechnet werden. Werte wie Dämmstärke, Durchgangs-Koeffizient, Leitfähigkeit u.v.m. sind dafür verantwortlich, dass auch Kellerräume ein angenehmes Klima bieten.

Dies alles ist keine Aufgabe für den Hobby-Handwerker, wie Markus Hochwagen, Inhaber von Hochwagen Baukomplettlösungen betont: „Den Aufbau des Kellerbodens wie auch der Wände sollte man unbedingt in erfahrene Hände wie die eines Bauphysikers legen. Gerade im Keller können Fehler schwerwiegende Folgen haben.“ Der Boden muss eine dichte Wanne bilden, ebenso wie die Wände, um eventuell aufsteigende Feuchtigkeit aus dem neu zu schaffenden Wohnbereich fernzuhalten. Auch für die ausführenden Arbeiten warnt er davor, selbst Hand anzulegen, auf „Nachbarschaftshilfe“ oder Billigst-Anbieter zu setzen: „Gerade bei baulichen Maßnahmen im Kellerbereich ist es enorm wichtig, mit seriösen Ausführenden, die eine Gewährleistung bieten, zusammenzuarbeiten, die im Falle eines Schadens haftbar und, vor allem, noch greifbar sind!“, weiß er aus zahlreichen Sanierungsfällen, die im Nachhinein erst recht ein großes Loch ins Budget gerissen haben und betont noch einmal: „Vorab die Meinung eines Experten einzuholen, ist gut investiertes Geld – vor allem in Relation zur Gesamtinvestition und den sehr kostspieligen Folgeschäden.“

Die Wohlfühl-Oase im Keller

Markus Hochwagen, Hochwagen Baukomplettlösungen

Ist der bauliche Zustand des Kellers in Ordnung, sieht Innenarchitektin Eva Maria Klee kaum mehr Einschränkungen, die dagegensprechen, dass aus einem Kellerraum der perfekte Rückzugsort wird. Sehr wohl jedoch die eine oder andere Herausforderung: „Um sich wohlzufühlen, braucht der Mensch in einem Raum unter anderem Licht sowie den Bezug nach außen. Zwei Aspekte, die man in den meisten Kellerräumen künstlich wiederherstellen muss.“

Die richtige Beleuchtung ist ein wesentlicher Faktor, der zur Gemütlichkeit eines Raums beiträgt. „Manchmal gibt es die Möglichkeit, mehr natürliches Licht in den Keller zu bringen, indem man beispielsweise einen Lichtgraben anlegt. Es hilft auch, etwaige Gitter vor den Fenstern zu entfernen oder eine Hecke, die zusätzlichen Schatten wirft, zu stutzen“, empfiehlt die Expertin. „Außerdem gibt es auch tolle Möglichkeiten, einen Raum mit Kunstlicht wohnlich zu machen. Ein professioneller Lichtplaner analysiert, wo Lichtquellen benötigt werden, damit es möglichst natürlich empfunden wird. Im gehobenen Innenausbau und wenn Einbaumöbel angefertigt werden, kann der Tischler auch LED-Bänder in die Gestaltung der Möbel und Einbauten integrieren.“

Um den Sichtbezug nach draußen künstlich zu simulieren, kann man einen großen Fernseher oder Bildschirm verwenden, der wie ein Fenster in den Garten wirken kann. „Es gibt einen Grund, warum Fitnessräume im Keller vergleichsweise seltener genutzt werden: Hier fehlt die Perspektive, auf die wir den Blick richten können. Mit einem entsprechend großen und qualitativ hochwertigen Screen kann ich den Raum spannender für das Auge gestalten.“
Ansonsten ist es sehr individuell, was einen (Keller-)Raum zum Wohlfühl- und Rückzugsort macht. „Wir umgeben uns mit Dingen, die wir sehr gerne mögen, das ist vollkommen individuell, mit Farben und Material, das uns gefällt. Wer die Möglichkeit hat, einen Raum für sich selbst gestalten zu können, muss keine Kompromisse eingehen und kann sich komplett ausleben. Auch technische Features, die im restlichen Wohnraum vielleicht keinen Platz gefunden haben, kann man natürlich in vielen Fällen in den Raum integrieren.“

Die Beispiele dafür sind so facettenreich wie die Menschheit selbst: vom Wellnessbereich mit Sauna und Entspannungszone oder Fitnessraum über das Spielzimmer oder die Gaming-Bude, das Heimkino, den Kreativ- oder Hobbyraum bis hin zum Musikzimmer oder Probenraum oder dem Klassiker, der Kellerbar.