
Die Antreiber im Körper
Text: Doris Thallinger
Fotos: Fotos: SIphotography – istockphoto.com; www.kaindl-hoenig.com; Armando Farmini; Günter Goiginger; Verlage
Hormone sind die chemischen Botenstoffe in unserem Körper. Unbemerkt steuern sie komplexe Vorgänge im Körper und sorgen dafür, dass wir funktionieren. Ein perfektes System – doch wehe, wenn ihr Gleichgewicht aus den Fugen gerät!
Sind wir unausgeglichen und launisch, sind die Hormone schuld, steigt die Hitze in uns auf, haben es ebendiese zu verantworten. Durch die weite Verwendung von Steroiden und synthetischen Hormone sind sie in Verruf geraten und, obendrein, sollen sie auch noch Krebs begünstigen. Ein Zuwenig ist schlecht, ein Zuviel ebenso. Man könnte annehmen, die Hormone seien das große Übel. Allerdings nur, wenn sie aus dem Gleichgewicht geraten und ihre feinst aufeinander abgestimmten Regelkreise gestört sind.
Chemische Botenstoffe
Hormone sind biochemische Botenstoffe, die von speziellen Zellen, also Drüsen und Zellgewebe, produziert und in den Blutkreislauf abgegeben werden. Als körpereigene Informationsübermittler gelangen sie an die Rezeptoren von Organen und Zellen und lösen damit weitere Vorgänge aus. Klingt komplex, ist es auch. Dazu kommt, dass viele Hormone sich gegenseitig beeinflussen, also immer in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen. Der Hormonhaushalt insgesamt ist durch komplexe Rückkopplungssysteme aufs Genaueste geregelt.
So steuern Hormone unter anderem Stoffwechsel, Blutzuckerspiegel, Wasserhaushalt, Blutdruck, Körpertemperatur, Knochenwachstum und Muskelaufbau, unsere Reaktionen auf Stress und Bedrohung und natürlich Fortpflanzung sowie Schwangerschaft. Sie treiben sozusagen diese Vorgänge voran, worauf auch ihr Name, der aus dem Griechischen kommt und „Antreiber“ bedeutet, hinweist. Steuerungszentrale ist das Gehirn, das bestimmt, wann und wie die Hormone freigesetzt werden. Hormonproduzierende Drüsen sind unter anderen die Hypophyse, die Zirbeldrüse, die Schilddrüse, die Nebenniere, die Bauchspeicheldrüse sowie Eierstöcke und Hoden.
Kleine Störung – große Folgen
Es wird schnell ersichtlich: Hormone steuern unser ganzes Leben. So wird auch verständlich, dass eine noch so kleine Störung, ein Mangel, eine Überfunktion ausreicht, um das gesamte System aus den Fugen zu heben. Gründe dafür gibt es jede Menge: Von genetischen Veranlagungen über ungünstige Lebensweise (falsche Ernährung, Dauerstress, Übergewicht, Medikamente) bis hin zu „endokrinen Disruptoren“ wie Belastungen aus der Umwelt, Handystrahlen und Stoffe in Artikeln unseres täglichen Bedarfs, die den Hormonhaushalt durcheinander bringen. Zudem kommt, dass die Hormonproduktion mit zunehmendem Alter abnimmt. Insbesondere die Phase, wenn die Produktion der Sexualhormone dem Ende zugeht, hat oftmals gravierende Auswirkungen auf das Befinden und die Gesundheit von Frau UND Mann!
Aber auch Schäden an den hormonbildenden oder Zielorganen, fehlerhafte Transport-Eiweiße, die die Hormone nicht weitergeben oder Tumore, die selbstständig Hormone produzieren, können für Störungen verantwortlich sein. Die Symptome eines Ungleichgewichts im Hormonhaushalt sind meist sehr komplex und nicht immer eindeutig zuzuordnen. Hinweise sind unter anderem allgemeiner Leistungsabfall, Müdigkeit und Vitalitätsverlust, Unausgeglichenheit, Stimmungsschwankungen und Depression, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Gewichtszunahme und Fettverteilungsstörungen, Zyklus- und Potenzstörungen sowie Libidoverlust. Auch körperliche Anzeichen können eine Hormonstörung vermuten lassen, wie starke Akne, vermehrte Körper-/Gesichtsbehaarung, Haarausfall am Kopf u.v.m.
Unbehandelte Hormonstörungen können die Lebens-qualität massiv beeinträchtigen und darüber hinaus schwere Folgeerkrankungen nach sich ziehen, wie Osteoporose, Herz-/Kreislaufkrankheiten bis hin zum erhöhten Risiko, an Alzheimer zu erkranken, wie Studien vermuten.
Den Fehler erkennen
Die Krux an der Sache: Jeder Mensch reagiert unterschiedlich, die Symptome sind vage und können zuweilen sogar sowohl in einem Mangel als auch in einem Überschuss und dem daraus resultierenden Ungleichgewicht ihre Ursache finden.
Eine Möglichkeit, Hormonwerte zu bestimmen, ist die Untersuchung des Hormonstatus im Blut. Zwar sind Hormone sehr aktiv und unterliegen in ihrer Konzentration zyklischen Schwankungen, dennoch sieht auch die Salzburger Gynäkologin Angelika Graf den Bluttest als unumgänglich: „Der wichtigste Schritt ist natürlich das Gespräch mit der Patientin, aufgrund dessen die Symptome bereits Hinweise geben. Der Hormonstatus bestätigt diese oder nicht: Eine Patientin, die zu wenig Progesteron und zu viel Östrogen im Blut hat, kann die gleichen Beschwerden haben, wie eine, die keine Östrogene hat. Sicherlich ist der Wert im Blut nur eine Momentaufnahme und unterliegt Schwankungen. Daher sind regelmäßige Kontrollen sinnvoll.“ Laborwerte hält der Gynäkologe Armando Farmini, der stark auf die Behandlung mit bioidenten Hormonen setzt, lediglich als letzte Bestätigung für sinnvoll: „Die Laborwerte sind eine Bestätigung des Verdachts, den ich aufgrund der Zeichen des Körpers und anhand der geschilderten Symptome habe. Allerdings führt die Interpretation der Laborwerte oft zu Miss verständnissen: Die empfohlenen Normwerte sind nicht ident mit den Sollwerten, die oft weit darüberliegen. Es ist unterschiedlich, bei welchem Wert es dem Patienten gut geht.“ Vor allem ist nicht nur die Höhe eines Werts an sich aussagekräftig, sondern das Verhältnis, in dem Hormone zu anderen stehen!
Fit, vital, gesund
Sind die Hormone im Gleichgewicht, fühlen wir uns wohl, sind energiegeladen, aktiv und fit. In jungen Jahren, wenn die Speicher noch voll sind und die Hormonproduktion auf vollen Touren läuft, strotzen wir (im Normalfall) vor Kraft, Gesundheit und Tatendrang. Auf diesen Ansatz baut Armando Farmini mit der Bioidenten Hormontherapie. „Wer erkrankt? Menschen mit hohen Hormonwerten erkranken selten. Daher treten viele Erkrankungen mit 50 Jahren auf und nicht bereits im Alter von 20 Jahren. Beispielsweise gibt es eine Studie, die besagt, dass eine Grippe bei Personen mit hohem Progesteronwert schneller heilt. Hormone können helfen, Krankheiten zu vermeiden“, ist er überzeugt.
Frauen und ihre Hormone
Es ist unfair, aber Fakt: Frauen sind öfter von hormonellen Problemen betroffen als Männer. Auch vor den typischen klimakterischen Beschwerden leiden manche Frauen an Unregelmäßigkeiten der Sexualhormone. Eine dieser hormonellen Erkrankungen ist PCO, das Polyzystische Ovar-Syndrom, das einhergeht mit einem Übermaß an Androgenen (männlichen Sexualhormonen) und zu starker Akne, verstärkter Körperbehaarung und unregelmäßigem oder gar dem Ausbleiben des Zyklus führt. Gründe dafür können in der Genetik liegen, jedoch sind vermehrt auch junge Frauen betroffen, die früh mit der Einnahme der Anti-Baby-Pille beginnen und so ein künstliches PCO erzeugen.
„Hormonschwankungen werden häufig durch einen falschen Lebensstil geschaffen. Beispielsweise, und das kommt in den vergangenen Jahren immer öfter vor, haben Frauen, die sich sehr bewusst ernähren – kaum Fett zu sich nehmen und sehr viel Sport betreiben – das Problem, nicht schwanger zu werden. Aber wir brauchen Fettgewebe für die Produktion von Hormonen, deren Grundgerüst Cholesterin ist“, schildert Angelika Graf Fälle aus ihrer Facharzt-Praxis.
Ein großes Thema für jede Frau ist – früher oder später – die Menopause. Schon vor der tatsächlichen Menopause beginnt die Progesteronproduktion nachzulassen, damit herrscht die Gefahr einer Östrogendominanz. Mit dem Eintreten der Menopause sinkt der Östrogenspiegel, während nach der Menopause erst die Produktion der Androgene, der männlichen Hormone endet. Wie es Frauen in der Zeit vor, während und nach ihrer Menopause geht, ist höchst unterschiedlich: „Rund ein Drittel der Frauen haben so gut wie gar keine, ein Drittel ein paar, nicht gravierende und ein Drittel wirklich
massive Beschwerden“, so Angelika Graf. „Und denen muss man helfen, denn keine Frau in den Wechseljahren muss ihre Lebensqualität einbüßen! Wenn die Beschwerden nicht zu stark sind, behandle ich meine Patientinnen mit pflanzlichen Mitteln, ansonsten mit bioidenten Hormonen – stets nach dem Prinzip: So schonend wie möglich, so wenig wie möglich.“ Übrigens: Nicht nur Frauen sind von den Wechseljahren betroffen – Männer kommen in die Andropause, wenn die Produktion des Testosterons nachlässt.
Raus aus dem Hormon-Chaos
Sehr oft liegt die Lösung bei einem Ungleichgewicht im Hormonhaushalt bereits in der Veränderung des Lebensstils: Nährstoffreiche Ernährung, die ausreichend Vitamine, Mineralstoffe und Aminosäuren liefert, eventuell unterstützt durch Vitalstoffe, Mikronährstoffe und Nahrungsergänzungen, gezielte Bewegung, ein ordentlicher Biorhythmus und ausreichende Erholungsphasen können mitunter schon immense Verbesserungen bewirken.
„Der Lebensstil ist ein wesentlicher Faktor, wenn es um einen ausgeglichenen Hormonhaushalt geht. Indem man durch Ernährung und Bewegung beispielsweise das Fettgewebe reduziert, kann man einer Östrogendominanz entgegenwirken, da sich Östrogen in den Fettzellen bildet. Selbst eine Insulinresistenz kann durch Abnehmen geheilt werden“, erklärt Günter Goiginger, Allgemein- und Orthomolekular-Mediziner in Eugendorf. „Auch bei einer Übererregung des Nervensystems braucht man Strategien, um die Stresshormone abzubauen, indem man zumindest Mikro-Pausen in den Alltag integriert. Dazu wirken Mikronährstoffe, pflanzliche Stoffe und entsprechende bioidente Hormonpräparate.“
Experten-Tipp
Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass Frauen die Wechseljahre „durchstehen müssen“. Dem ist ganz und gar nicht so – es gibt sehr gute Hilfe und man kann die Beschwerden sogar sehr gut und dabei schonend behandeln. Die Menopause ist nichts Schlimmes, vor der sich Frauen fürchten müssen. Im Gegenteil – manchen Frauen geht es in dieser Phase ihres Lebens mitunter so gut wie nie zuvor!
Dr. Angelika Graf, Salzburg
Experten-Tipp
Bioidente Hormone sind bewiesene Vorsorge. Studien belegen ganz klar: Hohe Hormonwerte bewirken ein niedriges Risiko zu erkranken. Somit eignet sich die bioidente Hormontherapie als Prävention zum Beispiel gegen Burn-out und Osteoporose und kann sogar das Risiko, an Krebs zu erkranken, senken: Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass Vitamin D die Gefahr mindert!
Dr. Armando Farmini, Salzburg
Experten-Tipp
Als Orthomolekular-Mediziner arbeite ich mit körpereigenen Substanzen, Vitaminen und bioidenten (körpergleichen) Hormonen. Der beste Weg, um den Körper zu regulieren, besteht darin, ihn mit Substanzen zu versorgen, mit denen er gut umgehen kann, weil er diese seit Tausenden von Jahren kennt. Mit diesen Elementen schafft es der Körper zu genesen.
Dr. Günter Goiginger, Eugendorf