Hochprozentig

Text: Doris Thallinger
Fotos: Brennerei Guglhof GmbH; www.kaindl-hoenig.com

Seine Brände sind legendär, seine Produkte vielfach ausgezeichnet: Dem SALZBURGER hat Anton Vogl Tür und Tor des Guglhofs in Hallein geöffnet und einen Einblick in sein Reich der Destillate gewährt.

Die Vögel zwitschern, die Blätter der betagten Bäume rascheln im Wind. Ansonsten herrscht Stille. Eine Stille, in der man die Welt rund um sich herum vergessen möchte. Dabei befindet man sich mitten in Hallein. An dem Ort, an dem die erlesenen Guglhof-Brände entstehen.

Wo heute ausgesuchte Skulpturen das parkähnliche Gelände zieren, herrschte vor Jahrzehnten das rege Treiben einer Landwirtschaft. Um 1500 hat der Gutshof seinen Ursprung, als Meierhof eines erzbischöflichen Pflegers, der den heutigen Guglhof zur landwirtschaftlichen Nutzung betrieb. Die Landwirtschaft sollte noch lange eine Rolle spielen. Selbst nach 1881, dem Jahr, in dem die Familie Vogl den Hof übernahm und damit begann, sich der Kunst des Destillierens zu widmen. Bis 1993 wurde zusätzlich zur Brennerei – übrigens der ersten und damit heute ältesten im Salzburger Lande – Landwirtschaft betrieben.

Klein und fein
Kaum eingetreten, wandert der Blick von selbst zu den edel anmutenden Kupferbrennblasen, der Destillieranlage und damit zum Herzstück der Brennerei. Hier entstehen die Edelbrände, die man aus Restaurants und dem gut sortierten Fachhandel nur zu gut kennt. Doch bevor es zum Vorgang des Destillierens kommt, sind noch einige Schritte notwendig; bereits vor dem Brennvorgang werden die ersten Weichen gestellt, die die Qualität der Brände auszeichnen.

Die Frucht macht das Aroma
„Ob Marille oder Birne, ob Beere oder Getreide – das Um und Auf ist die Qualität!“, ist Anton Vogl III. überzeugt. „Die Marille muss auf den Punkt gereift geerntet werden, die Birne hingegen knapp vor der Genussreife. Nur so können sie ihr jeweils vollständiges Aroma entfalten.“
In Edelstahltanks gären Obst, Beeren aus der Region und Getreide, aromaschonend und kontrolliert durch die Zugabe einer speziellen Hefesorte, die den Fruchtzucker in Alkohol umwandelt. Für nur einen Liter des Brands werden rund zwanzig bis dreißig Kilogramm Obst verarbeitet.

Gebrannt wird ausschließlich nach althergebrachtem, traditionellem Verfahren – allerdings am aktuellsten Stand der Technik. „Die Kunst des Brennens liegt darin, das Feinste herauszuholen“, erklärt der passionierte Brenner. Und dies geschieht in zwei Destillationsschritten. Bei der ersten Destillation wird der Alkohol gewonnen – es entsteht ein Rauhbrand, der noch viele, auch weniger feine Stoffe enthält. Die zweite Destillation bedeutet für Anton Vogl das „Herzstück des Brennens“. Ergebnis ist schließlich der echte Edelbrand, nun nur noch mit den feinstmöglichen Aromen versehen. Alles andere ist Abfallprodukt. Ohne Kompromisse.

In der Ruhe liegt die Kraft
Und dann heißt es warten! Um sich ideal zu harmonisieren, müssen die Brände mindestens ein Jahr lang lagern – manche Tropfen bleiben bis zu zehn Jahre in ihren Fässern, bis sie die gewünschte Aromanote erreicht haben. Die Fruchtbrände lagern in 450-Liter-Eichenfässern aus Frankreich. Der Whisky reift in kleineren Fässern mit 225 Litern Fassungsvermögen. Auch diese stammen aus Frankreich und waren zuvor zwei Jahre lang mit Süßwein belegt. Durch die Reifung in den Fässern nimmt der Whisky deren Aromen an und wächst mit ihnen. „Beim Whisky kommt es auf zwei Faktoren an: auf die Sauberkeit des Whisky-Destillats und die Qualität der Fässer.“ Und natürlich spielt wiederum der Faktor Zeit eine wesentliche Rolle. Der Tauern Rogg, ein Whisky aus einer uralten Lungauer Roggensorte, reift mindestens sechs Jahre lang; aus jedem Jahrgang werden einige Fässer zurückbehalten, die bis zu zehn Jahre lagern und schließlich als Jahrgangs-Whisky genossen werden. „Die Beschaffenheit des Whiskys ändert sich ständig, er nimmt stetig Aromen auf, so hat jeder Jahrgang seinen eigenen Geschmack.“

Aged 10 years – die Edition Artefaktum
Mit einem ganz besonderen Geschmack gesegnet ist der Tauern Rogg – Edition Artefaktum. Zehn Jahre lang hatte er Zeit zu reifen, seine üppigen Aromen auszubauen und zu etwas Grandiosem zu gedeihen. So grandios, dass das Wein-Magazin Vinaria den Whisky 2020 zum Sieger seiner Verkostung kürte: „Rauchig und salzig in der Nase, feine brotige Aromatik, fruchtige Eleganz. Karamell und Vanille, verwoben, weich, malzig und mit feinen Orangentönen unterlegt, ruhiger, weicher Trinkfluss, komplexe Textur. Zitruszesten im Abgang, harzige Nuancen, sehr schön, sehr lang, vielschichtig und elegant.“

SALIN – die neue Line des Single Malt
Seit 2015 reift nun außerdem der SALIN Single Malt Whisky in ausgesuchten Barrique-Fässern, die zuvor die Edelweine aus dem Château Petrus beherbergt haben. Die Sommergerste, schonend gemälzt und über Torfrauch getrocknet, verleiht auch diesem Whisky aus dem Hause Guglhof seine ganz spezielle Note. Erst vor wenigen Monaten erfolgte die erste Abfüllung, zur vollsten Zufriedenheit des kritischen Brennmeisters.

Vier Jahreszeiten
Jede Jahreszeit hinterlässt ihre Note. Die Lagerräume sind nicht klimatisiert, insofern erleben die Brände extreme Temperaturschwankungen, von 0 °C im Winter bis zu über 20 °C im Sommer, sie ziehen sich zusammen und dehnen sich wieder aus – ein Wechselspiel, das sich im Geschmack abzeichnet und im Endeffekt genau die feinen Nuancen hinterlässt, die Whisky, Gin und Fruchtbrände so besonders machen. Einen Lieblingsbrand kann uns Anton Vogl jedoch nicht nennen: „Mir sagt jeder unserer Brände zu – andernfalls würde ich ihn ja gar nicht brennen!“

„Beim Whisky kommt es auf zwei
Faktoren an: auf die Sauberkeit
des Whisky-Destillats und die
Qualität der Fässer.“