Haupt-Sache
Kopfbedeckungen sind unvergängliche Accessoires, kein Trend kann ihnen den Garaus machen. Unverzichtbar praktisch – im Winter als Scheitelwärmer, im Sommer als Schattenspender. Die Frage ist nicht, ob man sie trägt, sondern welches Teil perfekt zu Charakter und Anlass passt – und um den Mut, mal etwas Neues zu probieren.
Text: Dominic Schafflinger
Fotos: Blue Tomato/Sam Strauss, Hannes Mautner Photography, Strizi, Leon Freiberger, Adobe Stock
Bis in die 1960er-Jahre galt der Herrenhut als unverzichtbares Kleidungsstück, das sowohl Eleganz als auch soziale Stellung repräsentierte. Ob Porkpie, Melone oder Fedora – der Hut war aus dem Straßenbild nicht wegzudenken. Danach verlor er immer mehr an modischer Relevanz. Doch der Hut ist wieder im Kommen, als bewusstes Statement von Individualität und Stil. Sportliche Kopfbedeckungen wie die Baseballcap hingegen sind locker lässige Alltagsbegleiter, und Hauben sind in der kalten Jahreszeit eh nicht wegzudenken. Bei all der Auswahl wird Know-how wieder zur Hauptsache.
Bye bye, Bommelmütze
Wer im Winter viel draußen ist und dabei auch noch gut aussehen möchte, greift schon seit Jahren zu den beliebten Beanies. Die normalerweise aus Baumwolle gefertigte Mütze ist kürzer geschnitten als die klassische Haube und bedeckt maximal die Hälfte der Ohren. „Außer an extrem kalten Wintertagen oder beim Outdoorsport reicht das auf jeden Fall und unterm Skihelm kann man die auch tragen“, erklärt das hippe Blue Tomato Team am Waagplatz in der Salzburger Altstadt: „Mit Beanies gehen Junge und Junggebliebene aus, zur Arbeit oder in die Stadt.“ Wichtig ist nur, dass die Beanie dezent einfärbig ist und eng anliegt. Dabei spielt es keine Rolle, ob man einen eleganten Wintermantel trägt oder ein lässiges Flanellhemd. In den letzten Jahren feiern junge Hipster mit Flammen- oder Graffiti-gemusterten Beanies das Comeback des Hip-Hop-, Breakdance- und Skater-Styles der 90er, und nur zu diesen Styles gehören die bunten Hauben. Die Bommelmütze hingegen verschwindet besser im Schrank. „Dieser Trend liegt bereits hinter uns“, ist sich Blue Tomato sicher.
Aber auch Baseballcaps können im Winter getragen werden. Von Northface und Coal Caps gibt’s wasserabweisende Modelle, die sind perfekt für Outdoor-Winterausflüge, oft sogar mit ausklappbaren Ohrwärmern. Cordmützen sind etwas für Frostbeulen, aber werden nie ohne andere Cordkleidung getragen. Kappen aus Jeansstoff sind momentan nicht angesagt. „Das Everyday-Cap hat ein gebogenes Schild“, so die Experten von Blue Tomato. Schon Teenager tragen höchstens dezente Logos auf ihren Caps und das gilt auch für Erwachsene, weniger ist mehr. Die Ausnahme bilden diese Saison die Goorin Trucker-Caps mit ihren großen Tiermotiven, von der gleichen Firma gibt’s auch Beanies. Diese zählen zu den Must-haves der Saison.
Regional Hero oder Kosmopolit
„Traditionell österreichische Materialien und Muster sind absolut zeitlos und lassen sich mit jedem Stil kombinieren.“ – Bernhard Stadler
Wer nicht in Saisonen denkt, sondern zeitlose Mode bevorzugt, bedeckt seinen Kopf am besten mit klassischen Kappen. Regionsverbundene Beanies, Hauben und Caps aus gestrickter Schafwolle, wie sie beispielsweise der Oberndorfer Familienbetrieb Strizi fertigt, sind zeitlos und komplett „Made in Austria“. „Das kann man zu trachtigen Outfits genauso tragen wie zu Hemd und Jeans“, ist sich Strizi-Gründer Bernhard Stadler sicher: „Alle Designs entstehen bei Strizi in Oberndorf. Die Tour de France Kappen mit kurzem Schild inspirierten uns beispielsweise zu unserer Filzkappe mit Schafwolldeckel.“ Schafwolle ist an kühlen Tagen ein perfekter Begleiter, um den Kopf warm zu halten. Damit es nicht kratzt, ist ein Baumwollfutter von Vorteil. „Bei Gwand aus Österreich soll man auf den ersten Blick sehen, wo es herkommt, aber ohne gleich an Tracht zu denken“, erklärt Strizi-Chef Bernhard Stadler.
Auf der eleganten Seite der Kopfbedeckungs-Skala stehen die klassischen Schieberkappen und weisen den Träger als Kosmopoliten alter Schule aus. Sie passen perfekt zu eleganten Mänteln und jedem Business-Outfit. Der Deckel wird entweder aus nur einem oder aus bis zu acht dreieckigen Stoffstücken gefertigt. Traditionelle Karomuster sollten mit einfarbigen Kleidungsstücken kombiniert werden, um Stilbrüche zu vermeiden. Sie sind perfekt für den Winter, weil sie aus warmen Materialien wie Wolle, Tweed oder Cord gefertigt werden. Ideal für Menschen, die kein Hutgesicht haben.
„Wer behauptet, kein Hutgesicht zu haben, …“
„Am Ende geht es darum, dass die Kopfbedeckung den Träger besser zur Geltung bringt. Ist sie zu auffällig, geht der Träger dabei unter.“ – Leon Freiberger
„… könnte auch sagen, er habe keine Schuhfüße. Beides gibt es nicht!“, lacht Hutmacher Leon Freiberger: „Es liegt einfach daran, dass die Leute noch nie einen passenden Hut aufhatten.“ Wer den LF-Hats Laden in der Müllner Hauptstraße betritt, glaubt, bei einem Handwerker alter Schule zu sein, wäre da nicht der 25-jährige Leon Freiberger, der ganz im Stil von Alice im Wunderland auch mal verrückte Hüte macht. Wobei verrückt immer im Auge des Betrachters liegt. „Ich war einer von drei Lehrlingen österreichweit und habe immer gesagt, dass man in der Branche neue Wege gehen muss. Seit ich selbstständig bin, tue ich das auch“, so der Nachwuchshandwerker. Ein maßgefertigter Hut kann jedem Wunsch gerecht werden. Wer bei Filzhüten die beste Qualität will, greift zu Biberhaaren. Bei LF-Hüte wird der Hut perfekt an den Kopf angepasst, wer aber einen Hut von der Stange kauft, sollte darauf achten, dass die Größe Kopfumfang plus maximal 1,5 Zentimeter beträgt, damit er nicht drückt. Dann wählt man Krempenvariante und Hutform, das entscheidet, ob der Hut dem Träger steht oder nicht. Klassische Huteindrücke wie den Ententeich findet man überall, aber den Tropfensechser oder den Doppelsechser gibt es nur hier in Mülln. „Wer einen Hut möchte und sich Zeit nimmt, wird sein Modell finden. Es gibt für jeden Typ Mensch den richtigen Hut“, ist sich Leon Freiberger sicher. Egal für welche Kopfbedeckung „Mann“ sich letztendlich entscheidet, der wichtigste Fashion-Tipp des Müllner Hutmachers ist: „Am Ende geht es darum, dass die Kopfbedeckung den Träger besser zur Geltung bringt. Ist sie zu auffällig, geht der Träger dabei unter.“