Faszination Oldtimer

Text: Dominic Schafflinger
Fotos: fahr(T)raum Mattsee, Ebihara photography, Christian Maislinger, Peter Philipp

Ein strahlender Frühlingsmorgen, die Vögel zwitschern und die Strahlen der Sonne spiegeln sich über dem Salzburger Seenland. Plötzlich steigt der Geruch von Benzin in die Nase und das Knattern und Vibrieren hinterlässt Gänsehaut, als gemächlich ein Gefährt aus der Pionierzeit der Automobilgeschichte vorüberzieht. Doch abgesehen von Technik und Design, sind es die bewegten Geschichten der Fahrzeuge, die ihre Faszination ausmachen.

Gerade die Autos der Vorkriegszeit, also bis 1939, sind kaum mehr im Straßenverkehr anzutreffen. An ihnen erkennt man noch den fließenden Übergang von der Pferdekutsche zum modernen Automobil. Sie symbolisieren Lebensfreude, Eleganz und Beständigkeit. Wer sich den Wunsch erfüllt, mit einem solchen Gefährt unterwegs zu sein, der entdeckt den beruhigenden Charme der Langsamkeit. Mit 50 km/h entschleunigt sich das Leben und die Landschaft wird wieder zum Bezugspunkt der Fahrt. Sitzt man selbst hinter dem Steuer, ist das ein sensorisches Erlebnis der Sonderklasse. Moderne elektronische Assistenzsysteme werden hier durch Gefühl und Sinne ersetzt. Das Zusammenspiel von Fühlen und Hören verrät, wenn es Zeit ist zu schalten, ohne korrekte Drehzahl kein Schaltvorgang. Dann Doppelkuppeln und Zwischengas geben und mit etwas Glück rastet der Gang dann sanft und beinahe geräuschlos ein.

„Wenn man so ein Auto riecht und fühlt und schmeckt, das vergisst man nie. Mich fasziniert, es nicht nur anzusehen, sondern es fahren und auch anfassen zu dürfen,“ schwärmt Jakob Iglhauser, der als Geschäftsführer des fahr(T)raum Mattsee die Leidenschaft Oldtimer lebt. Ernst Piёch erfüllte sich hier vor mittlerweile neun Jahren seinen Traum und schuf eine Heimat für die frühen Konstruktionen seines Großvaters, des legendären Ferdinand Porsche.

Alfa Romeo – Pescara 1937

Was hat Alfa mit Porsche zu tun? Ferdinand Porsche meldete während seiner langjährigen Schaffenszeit viele Patente an, unter anderem auch eine kostengünstige Drehstabfederung. Die italienische Autoschmiede nutzte dieses Patent, konnte aber die fälligen Patentzahlungen nicht leisten. So wurde die Familie Porsche mit Alfas entlohnt. Diese hatten allerdings einen kleinen, aber nicht unwesentlichen Konstruktionsfehler. Der starke Ventilator, der den Motor unter südlicher Sonne effektiv kühlen sollte, blies auch ständig Abgase in die Fahrgastzelle. So konnte Porsche und mit ihm auch sein Enkel, der kleine Ernst Piёch, nur eine Stunde durchgehend fahren, dann musste Pause gemacht werden, weil den Insassen von den Abgasen schlecht wurde. Die Technik der Drehstabfederung, die Porsche 1931 entwickelt hatte, floss übrigens baugleich in den VW-Käfer und seinen Vorgänger, den KdF-Wagen mit ein.

FACTS

Leistung: 95 PS
Geschwindigkeit: 145 km/h
Hubraum: 2309 ccm
Fahrzeuggewicht: 1400 kg
Motorbauart: 6-Zyl. Reihenmotor

FACTS

Leistung: 95 PS
Geschwindigkeit: 138 km/h
Hubraum: 5715 ccm
Fahrzeuggewicht: 1300 kg
Motorbauart: 4-Zyl. OHC

Prinz-Heinrich Wagen 1910

Als Konstrukteur war man damals oft auch gleichzeitig Rennfahrer, denn selbst kannte man sein Material einfach am besten. Porsche kam beim berühmten Prinz-Heinrich-Rennen, das auf 1944 km durch ganz Deutschland führte, mit seinem adaptierten Maja Wagen nur weit abgeschlagen ins Ziel. Er warf seinen Hut auf den Boden und schwor sich, das nächste Mal siegreich zu sein. In nur einem Jahr entstand ein völlig neuer Sportwagen mit vierzylindrigem 5,7 l Flugzeugmotor, obenliegender Nockenwelle, Doppelzündung und Außenschaltung. Das aerodynamische Chassis entstand in Zusammenarbeit mit Flugzeugbauer Igo Etrich. 1910 belegte das Team rund um Porsche dann gleich alle drei ersten Plätze und bewies die unglaubliche Schaffenskraft der österreichischen Konstrukteure.

Kaiser Wagen 1911

Kaiser Franz Joseph war auch in Sachen Fortbewegung ein konservativer Monarch und so oblag es den österreichischen Autobauern, ihn zur Nutzung der neuen Automobiltechnologie zu bewegen. An Benzinern missfiel dem Kaiser der intensive Geruch und der Lärm, der jedes Pferd scheu machen würde. Also entwickelte Austro Daimler für seine Majestät kurzerhand ein Elektroauto, das die royalen Anforderungen erfüllte.

Der Kaiserwagen basierte auf dem Austro Daimler „14/28 Tourenwagen für Stadt und Land“. Dieser schaffte 70 km/h bei über 35 PS. Der k.u.k. Hof-Wagenlieferant S. Armbruster setzte den fürstlichen Aufbau um. Nach dem Motto „Ein Kaiser beugt sein Haupt nur vor Gott allein“ wurde die Dachhöhe auf 230 cm erhöht, damit der Monarch aufrecht in seinen Wagen einsteigen konnte.

Um der Leidenschaft Franz Josephs für kubanische Zigarren nachzukommen, wurden elektrische Zigarrenanzünder im Fahrgastraum installiert, ebenso eine Wechselsprechanlage zur Kommunikation mit dem Chauffeur und kleine Weihwasserbecken an den Türen.

FACTS

Leistung: 15 KW
Geschwindigkeit: 45 km/h
Reichweite: 75 km elektrisch
Fahrzeuggewicht: 1350 kg
Motorbauart: Gleichstrom-Elektromotor
Batterie: Blei Akkus
(2018 wurde der Kaiserwagen mit einem modernen Elektromotor ausgestattet, um ihn wieder fahrtauglich zu machen)

FACTS

Leistung: 50 PS
Geschwindigkeit: 140 km/h
Hubraum: 1099 ccm
Fahrzeuggewicht: 598 kg
Motorbauart: 4-Zyl.DOHC

Sascha Wagen ADS-R 1922

Namensgeber und Finanzier des Rennwagens war Alexander Joseph Kolowrat-Krakowsky, der kurz Sascha genannt wurde. Kolowrat war aus altem Adel, Filmproduzent, Fabrikant und begeisterter Rennfahrer. Porsche konstruierte ihm diesen kleinen und wendigen Rennwagen, mit dem Kolowrat 1922 an der berühmten Targa Florio teilnehmen sollte. Dieses abenteuerliche Rennen führte über die staubigen Pisten Siziliens, obwohl malerisch war es trotzdem eines der gefährlichsten. Noch vor Ankunft in Palermo lackierten die Mechaniker den Sascha Wagen in roter Farbe um. Rot war die Farbe der italienischen Rennwagen und die Banditen, die damals noch die sizilianische Hochebene bevölkerten, griffen mit Vorliebe ausländische Fahrer an, bewarfen die Fahrzeuge mit Steinen oder stahlen diese einfach. Um Mut und Kraft zu tanken, machte es sich Sascha Kolowrat-Krakowsky so zur Gewohnheit, vor dem Rennen einen Trunk aus rohen Eiern, Rum und Wein zu sich zu nehmen. So konnte der Haudegen den Gefahren und Entbehrungen entspannter ins Auge blicken.

Alpenwagen 1911 und Louise Wagen 1914

Der Alpenwagen wurde 1910 für den Einsatz bei der Alpenfahrt im Mai 1911 entwickelt. Dieser Wettbewerb führte über die schwierigsten Pässe der Alpen, das Stilfser Joch, den Katschberg, Tauernpass und die Turracher Höhe. Um gegen die Konkurrenz von Bentley anzukommen, ging Ferdinand Porsche einen gänzlich neuen Weg. Während die Briten mit 150–160 PS starken Wagen antraten, die mehr als 2 Tonnen wogen, ist der Alpenwagen ein leichter und wendiger Sportwagen mit 4-Gang Schaltung und Motoren zwischen 27 und 35 PS. So konnte das Tourenwagenteam um Porsche, der selbst mit am Start war, bei der Alpenfahrt 1911 den begehrten Mannschaftspreis für sich beanspruchen.

Der Austro Daimler AD 35 „Louise Wagen“ entstand 1914 als Serienadaption des Alpenwagens. Benannt nach Ferdinand Porsches Tochter Louise, handelt es sich um einen unkomplizierten Tourenwagen mit 35 PS für kurze Ausflüge. Obwohl ohne festes Verdeck wurde der Wagen auch im Winter genutzt. Cabrios waren viel günstiger zu produzieren als Limousinen, weswegen die meisten Vorkriegsoldtimer ohne Metalldach gebaut wurden. Namensgeberin Louise Piёch erhielt diesen Wagen 1920 als Geschenk zu ihrem 16. Geburtstag.

FACTS

Alpenwagen
Leistung: 27 PS
Geschwindigkeit: 90 km/h
Hubraum: 2212 ccm
Fahrzeuggewicht: 900 kg
Motorbauart: 4-Zyl. Reihenmotor

Louise Wagen
Leistung: 35 PS
Geschwindigkeit: 90 km/h
Hubraum: 3563 ccm
Fahrzeuggewicht: 1280 kg
Motorbauart: 4-Zyl. Reihenmotor

FACTS

Leistung: 28 PS
Geschwindigkeit: 52 km/h
Hubraum: 5507 ccm
Fahrzeuggewicht: 1460 kg
Motorbauart: 4-Zyl. Reihenmotor

Der Lohner Porsche „Mixte“ 1901

Zur Jahrhundertwende ritterten unterschiedliche Kraftstofftechnologien, Benzin, Elektro oder Dampfmaschine, um die Vorherrschaft am blutjungen Automobilmarkt. Fest stand für Jacob Lohner, den größten Kutschenfabrikanten der Donaumonarchie nur, dass die Kutsche wohl ein Auslaufmodell war und die Zukunft den Automobilen gehörte. So verpflichtete der k. U. k. Hof-Wagenlieferant den jungen Konstrukteur Ferdinand Porsche. Dieser entwickelte das erste Fahrzeug mit Benzin-elektrischem Antrieb. Beim Lohner Porsche „Mixte“ befeuert ein Benzinmotor einen Generator, der Strom erzeugt, dieser betreibt zwei elektrische Radnaben-Motoren mit 28 PS. Von diesem Modell wurden dann jedoch nur 56 Stück gebaut. Das lag vor allem daran, dass es durch den Verbau von zwei unterschiedlichen Motoren doppelt so teuer war, wie ein normaler Benziner.