Es gibt keine Entschuldigung, aber auch nur eine einzige Ethik!

Text: Stephan Kaindl-Hönig
Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Wir befinden uns in einer Situation mit Russland, die wir seit dem Kalten Krieg in der modernen Welt nicht mehr für möglich erachtet haben. Die Politik und die Sprachrohre der Nationen drücken ihr Entsetzen aus, für diese menschenverachtenden Handlungen in der Ukraine, den Völkermord und das unglaubliche Leid, das praktisch direkt vor der Haustüre noch wesentlich spürbarer wird. Doch war es wirklich so undenkbar, dass es zu solch einem Krieg kommt, hatten nicht viele die rosarote Brille auf?

Einen großen Vorwurf muss sich Europa – und manche Staaten insbesondere – machen, denn Russland wurde nach dem Fall der Sowjetunion auf das Abstellgleis gestellt und von der Weltbühne gefegt. Warum hat man den Respekt verloren, trotzdem auf Augenhöhe miteinander Lösungen für die Zukunft zu erarbeiten? Warum hatte Europa nicht das Feingefühl, dass man ein Land mit solch einem Nationalstolz und Geschichte nicht einen Platz finden lässt, in dem es sich auch wohlfühlen und weiterentwickeln kann?

Einzig sichtbar war es doch vorrangig, sich Gas und Öl für den eigenen Staat zu sichern, nur musste es doch völlig logisch sein, dass man sich damit auch miteinander ins Bett legt. Zudem lockte noch bei einigen ehemaligen europäischen Politikern die Geldgier, sich nach ihrer politischen Karriere als Lobbyisten von Putin vor den Karren spannen zu lassen. Jeder wusste, dass er keinesfalls zu unterschätzen ist, denn er kennt Europa und seine Akteure bestens und hatte durch seine Tätigkeit beim KGB alle Methoden und Facetten kennengelernt, wie man sich Dinge zunutze machen kann.

Die Annexion der Krim war bereits 2014 und wurde von uns politisch unter den Teppich gekehrt. Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass das nicht das Ende gewesen ist, insbesondere auch nach dem längst angekündigten Schritt mit der Ukraine und der absurden, historisch falschen Anspruchsbehauptung auf das Land.

Warum können Europa und die NATO nicht einen entscheidenden Schritt entgegenkommen? Wir möchten keine NATO-Osterweiterung, aber genauso wie Putin eine Sicherheitszone zwischen Europa und Russland schaffen. Die Grenze zwischen Europa und Russland mit souveränen neutralen Staaten unter gleichzeitigem Schutz der NATO und Russlands zu schaffen, wäre eine mögliche Basis, um den Konflikt zu beenden. Damit hätte Putin ein Ausstiegs-Szenario, ohne sein Gesicht zu verlieren. Der zweite Schritt ist die Unabhängigkeit von Energielieferungen außerhalb der EU.

Die Ängste Putins vor einer Europäisierung Russlands sind elementar. Er zeigt sogar im eigenen Land, dass er zu allem fähig ist, wenn er dies gefährdet sieht. Der Konflikt kann niemals mit Druck oder Hochmut, sondern ausschließlich über die Zeit und Annäherung gelöst werden.