„Die Schickeria ist immer ein gern gesehenes Opfer“

Text: Doris Thallinger
Fotos: Mike Heider, Frank Luebke, www.kaindl-hoenig.com

Als grantigen Bayern Harry G kennt man ihn seit vielen Jahren und freut sich über seine bissigen Kommentare über Wiesn-Besucher, die Schickeria in München oder auch Kitzbühel. Seit 2020 erobert Markus Stoll aber auch die Herzen der Serien-Junkies: In „Der Beischläfer“ zeigt sich der Wahl-Münchner von einer ganz anderen Seite.

Du hast immer viel zu sagen, über vieles zu meckern. Welches Thema brennt dir aktuell am meisten unter den Nägeln?
Aus Wien kommend, muss ich natürlich sagen: der Verkehr! Zu viele Baustellen machen mich wahnsinnig. Und, das ist das Zweite, was ich tatsächlich festgestellt hab, dass es in Wien unglaublich viele aufgespritzte Frauen gibt.

Mehr als in München?
Ah, viel mehr! Wirklich viel, viel mehr! Diese Grandes Dames, wie sich die in Wien anziehen, das ist in München ganz anders, die sieht man in München weniger.

Du grantlst und meckerst ja gern, so kennt man dich. Bist du persönlich auch eher auf das fokussiert, worüber du dich aufregen kannst?
Ja, tatsächlich rege ich mich auch privat gerne über vieles auf. Ich versuche aber, es zu reduzieren und es dem Harry G zu überlassen, weil es einfacher und schöner ist, das aus dem Privatleben raus zu halten. Aber es gelingt mir nicht immer so ganz, sehr zum Leid meines Umfeldes, denen ich dann ziemlich auf die Nerven gehe.

Die Gegenfrage: Worüber kannst du lachen?
Ich kann über wirklich ganz banale Sachen lachen. Ich mag zum Beispiel Witze unglaublich gern. Wenn jemand einen Witz gut erzählen kann, find ich das sehr amüsant – darüber kann ich wirklich lachen.

Auch über dich selbst?
Über mich selbst kann ich natürlich auch lachen, aber nur, wenn es auch wirklich was zum Lachen gibt! Und nur, wenn ich sage, dass es was zu lachen gibt. Wenn ich sage, dass es nichts zu lachen gibt, dann hat auch keiner zu lachen!

Gegen wen teilst du am liebsten aus? Gibt es so etwas wie ein Lieblingsopfer?
Naja, der Isarpreiß/die Schickeria, das sind für mich immer sehr passende und gern gesehene Opfer. Gerade zuletzt in Wien habe ich festgestellt, wie viele es auch dort von dieser Sorte gibt. Generell gibt es zwischen den Donaupreißn und Isarpreißn ziemlich viele Überschneidungen, beide haben enormes Grantl-Potenzial.

Du agierst als „typischer“ Bayer – was ist für dich der typische Salzburger?
Der typische Salzburger ist für mich dem Bayern sehr ähnlich. Das ist jemand, der seine Stadt liebt, und auch gern in der Natur ist, der die Balance zwischen Stadt und Natur lebt. Der aber auch gerne feiert. Ich habe festgestellt, dass es in Salzburg auch so etwas wie eine Schickeria-Szene gibt. Die lassen es auch ordentlich krachen, stehen dem Isarpreiß in nichts nach.

Gibt es ein Thema, das du nicht aufgreifen würdest, ein richtiges Tabuthema?
Ja, Minderheiten. Ich gehe nie gegen Minderheiten, ich gehe immer gegen Leute oder Sachverhalte, die selber darüber lachen können oder sollen – siehe Isarpreißn.

Harry G ist Kult. Wie schwierig ist es für dich mittlerweile, auch als ein anderer wahrgenommen zu werden? Wird die Kunstfigur manchmal zur Bürde?
Die Kunstfigur Harry G, sowohl optisch als auch inhaltlich, ist sehr nah an mir dran. Deswegen ist es sehr dankbar und einfach, diese mit anderen Rollen oder Figuren zu verbinden oder unter einen Hut zu bekommen, im wahrsten Sinne des Wortes. Konkret momentan der ‚Beischläfer‘: Auch diese Rolle ist nah an mir dran. Aber alles, was der Harry vielleicht an grantiger Energie hat, verliert sich in der Rolle des Charlie Menzinger. Der ist auch deshalb eigentlich gar nicht so weit weg von mir, der Person Markus Stoll.

Was genau unterscheidet denn Harry G von Markus Stoll?
Harry G ist ein explosiver Typ, dem ständig der Hut hochgeht. Seine Anfälle sind grantig und mehr oder weniger aggressiv. Wohingegen der Markus Stoll viel ruhiger ist und auch viel nachdenklicher. Der mag den Dialog, Harry G nicht, der führt ausschließlich Monologe.

Markus Stoll ist also die sanftere Version?
Auf jeden Fall. Wäre ich als Privatperson ebenso geladen wie Harry G, wäre meine Lebenserwartung deutlich niedriger.

Man kennt dich als unkonventionellen Comedian, der sich kein Blatt vor den Mund nimmt. Deine Berufslaufbahn hat aber ganz anders begonnen, und zwar als Investment Banker – was war damals der Grund für dich, diesen Weg einzuschlagen?
Es ist relativ einfach gesagt: Ich hab in Innsbruck BWL studiert und logischerweise danach einen Job in diesem Bereich gesucht. Über Umwege bin ich dann zum Investment Banking gekommen, bin da hineingewachsen und hab das auch eine Zeitlang gemacht. Aber nicht allzu lange, nur fünf Jahre. Dann hab ich festgestellt, dass es nicht meines ist und mich umorientiert. Und zack, war Harry G geboren.

Was würdest du aus heutiger Sicht dem jungen Markus Stoll raten?
Das ist eine schwierige Frage. Ich würde vieles wieder genauso machen, aber in manchen Lebenslagen würde ich es mir ein bisschen einfacher machen. Ich würde manche Entscheidungen anders treffen und dafür vielleicht ein bisschen Lebensenergie und Lebenszeit sparen. Sprich, Irrwege vermeiden. Wobei – ich glaube, jede Erfahrung führt letztendlich dahin, wo man jetzt ist. Ohne die geht es irgendwie nicht.

Mit „Der Beischläfer“ hast nun du endgültig den Schritt vom Comedian zum Schauspieler gemacht. Wo liegen für dich die Unterschiede in der Arbeit, in der Inspiration?
Ein guter Comedian ist idealerweise auch kein schlechter Schauspieler, denn wer, wie ich, auf der Bühne in diverse Rollen schlüpft, sollte da nicht ganz unbegabt sein. Aber dennoch ist es ein großer Unterschied, ob man auf der Bühne überzeichnet oder tatsächlich in eine Rolle schlüpft und in ihr auch aufgeht. Beim Schauspiel tritt die eigene Persönlichkeit viel mehr in den Hintergrund, muss man sich unterordnen und die Rolle so bedienen wie es gedacht ist. Harry G ist selbstbestimmt, Charlie Menzinger ist Teamwork, da reden Autor, Regisseur etc. mit. Ich mag beides sehr gerne und schätze auch sehr, dass ich zu beidem die Möglichkeit habe.

Wie geht es denn jetzt weiter mit dem Beischläfer? Was kannst du uns schon verraten?
Verraten darf ich, dass es zu einer personifizierten Komplikation kommt zwischen mir und der Julia Kellermann. Und diese Komplikation heißt Nico und ich gebe alles, um ihn aus dem Feld zu schlagen. Da ist richtig was los, das kann ich euch sagen. Das macht zwar die Zusammenarbeit mit Lisa phasenweise echt schwer, aber was tut Mann nicht alles für die Liebe? Mein Freund Xaver dreht auch mal wieder voll durch und Paul dreht voll auf. Was das bedeutet, müsst ihr euch schon selbst anschauen, mehr verrate ich nicht.

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Privat hältst du dich ja eher bedeckt – da weiß man gar nicht so viel von dir… Wie hast du deine Frau kennengelernt?
Ich hab meine Frau damals über gemeinsame Bekannte kennengelernt – und nach einigen Annäherungsphasen haben wir zueinander gefunden.

Wie lange seid ihr schon verheiratet?
Zusammen sind wir seit 2013 und verheiratet seit Dezember 2015.

Also hast du sie noch wirklich als Markus Stoll kennengelernt? Noch nicht als Harry G?
Naja, das war gerade in der Konvertierungsphase von Markus Stoll zu Harry G. Am absoluten Anfang. Sie hat von Anfang an alles mitgekriegt, alles miterlebt.

Wie geht ihr als Familie mit deiner Bekanntheit, dem Promi-Leben als solches um?
Für die Kinder ist es ganz normal, weil die damit aufgewachsen sind. Wenn mich jemand fragt, ob er ein Foto mit mir machen kann, dann ist das für die Kinder – gerade in der heutigen Zeit – wirklich nichts Ungewöhnliches. Und auch für meine Frau ist es mittlerweile normal.

Zur Person

Schon seit Jahren hat der gebürtige Regensburger und Wahl-Münchner Markus Stoll alias Harry G einen festen Platz in der deutschsprachigen Comedy-Szene. Was zunächst mit amüsanten Videos in den sozialen Medien begann, entwickelte sich rasch zu einem außergewöhnlichen Bühnenerfolg. Nach „Leben mit dem Isarpreiß“ (2014) und „#HarrydieEhre“ (2016) tourt er derzeit mit seinem aktuellen Programm „Hoamboy“ durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Darüber hinaus ist Markus Stoll als Schauspieler erfolgreich: Nach einigen Gastauftritten und Nebenrollen spielt er aktuell die Hauptrolle in der Amazon Prime Video Serie „Der Beischläfer“. Start der 2. Staffel: 12.11.2021!