Motor

Lesezeit: 12 Minuten

Die „Qual“ der Wahl, Alltag oder Rennstrecke?

Text: Stephan Kaindl-Hönig

Fotos: Hersteller, Mackinger Photography, www.kaindl-hoenig.com

Der BMW M4 Competition, ein Fahrzeug mit dem Dauerlächeln-Effekt.

Eines kann ich Ihnen gleich verraten: Nicht nur die Daten wie 510 PS und 650 NM, sondern auch der erste Eindruck, wenn man das Fahrzeug in natura sieht, sind einfach „Wow“. Die optische Anmutung lässt einem die typischen „Sportwagen-synapsen“ in Alarmbereitschaft versetzen die Bein-Hirn-Region auf Bereitschaft gehen und dies völlig zurecht. Der Innenraum löst richtig Emotion aus und ist sowohl optisch als auch haptisch und von der Verarbeitung Oberliga in der Branche und zeigt einmal mehr die Qualitäten von BMW.

Daten
M4 Competition ab Euro 102.250,-
inkl. Abgaben bzw. ab rund Euro 570,- Leasing pro Monat
Leistung: 375 KW, 510 PS bei 6.250 U/min
Beschleunigung: 0–100 km/h 3,9 sec
Kraftstoffverbrauch (kombiniert) in l/100 km: 10,2

Der M4 Competition reiht sich mit seinem Gesicht perfekt in die Nierendesign-Generation von BMW ein und mittlerweile glaube ich sogar, die Welt hat es nun verstanden, warum die massiven Nieren, die den Betrachter faktisch ansaugen, keinesfalls überzogen sind. Manche mussten den Lernprozess nur erst verarbeiten und können eigentlich nur mehr sagen: Ja, jetzt habe ich es auch endlich kapiert. Jene, die es schon früher als Albtraum empfanden, wenn sie eine BMW Front eng im Rückspiegel sahen, können ab heute endgültig kapitulieren, sie werden nunmehr nicht nur psychisch, sondern auch physisch einfach durch den Ansaugtrakt inhaliert. Der kurze frühmorgendliche Halt vor dem Verlagshaus von SALZBURGER und SALZBURGERIN sorgte bei den Spaziergängern und sogar einer gut bekannten und sportwagenaffinen Herrengruppe, die sich das Frühstück mit einer Joggingrunde verdienen wollte, zu einem unvermeidbaren Zwischenstopp. Diese fahrzeugverwöhnten Herren hatten neben ausschließlich begeisternder Haltung sofort einige Fragen, waren überwältigt vom Standing des M4, dem Carbondach, dem Heck mit der Diffusoranordnung, der Farbe, den Schalensitzen mit Carboninlays, … Erst als ich gebeten wurde, den Kofferraum zu schließen (natürlich per Knopfdruck), weil dieser noch offenstand, um die Kameras und Videoausrüstung aufzunehmen, wurde klar, weshalb ich zu dem vorerst mir zugedachten neuen Fahrzeug noch nicht viel sagen konnte. Der S-FREY25 war bis dahin nur die paar Meter von der Alpenstraße in die Eschenbachgasse gerollt, aber glauben Sie mir, die von den Herren sofort bemerkten einzigartigen Schalensitze sind selbst in der Supersportwagenwelt 1A und die Ausrüstung hatte sich bis zum ersten Einsatz im Kofferraum völlig verstreut und zerlegt. Man kann gar nicht anders, weil die Vernunft manchmal nicht siegen kann und das ist auch gut so.

Mit dieser Motorisierung ist es ein extrem agiles Fahrzeug und ich hoffe, Sie verstehen was ich meine: Es gehört zweifellos zu der Liga an Sportwagen, bei der die Reifen auf Temperatur kommen müssen, denn andernfalls wird die Hinterachse sehr unruhig. Das ist mit den eingeschaltenen Helferlein überhaupt kein Thema, obwohl diese merklich und richtig zu tun haben, wenn die Lader die sechs Töpfe unter Druck setzen. Sobald aber das DSC auf off ist und man im Race-Modus manuell den Eingriff zwischen 1–10 regeln kann, sollte man sich schön langsam herantasten.

Wenn die Reifen ihre Betriebstemperatur erreicht haben, ist die Hinterachse bestens zu bewältigen und es verblüfft einen, dass auch das Gewicht auf der Vorderachse kaum bemerkbar ist. Spannend wäre im Vergleich der M4 mit xDrive, der zwar etwas schwerer wird (nur etwa 50 Kilo), aber gerade am Kurvenausgang mit dem vorderen Antrieb bedeutend für eine früher geöffnete Gaspedalstellung sorgen sollte. Es wird gemunkelt, dass er rund 0,5 Sekunden schneller auf 100 beschleunigt und der Allrad soll außerdem prozentuell zuschaltbar sein, was einen enormen Vorteil an Traktion bringen würde.

Der Sound ist einfach klasse, nicht zu übertrieben, denn der Auftritt ist von sich aus alles andere als unauffällig. Mit Benzin im Blut fährt man aber sicherlich meistens im Soundmodus mit den Klappen offen und ja, es ist einfach schön, einen Verbrenner zu hören, unverkennbar echte 6 Zylinder, Lader und hohe Drehzahlen. Man würde lügen, wenn man es anders behauptet!

Der biturbo zwangsbeatmete Reihensechszylinder greift bei einer durchgängigen Beschleunigungsorgie pausenlos und bestens durchdacht an. 0–100 gehen mit Launch Control und auch in Folge immer mit einer „3“ am Anfang, die 100–200 sind mit einer hohen Siebenerzeit Maßstäbe für absoluten Fahrspaß. Man sieht im Augenwinkel bestens die Farb-
signale für den Gangwechsel als Unterstützung, wenn man im Paddle Shiftmodus fährt, was vorrangig bei kurvigen Strecken mit viel Gangwechsel perfekt ist.

Die Lenkung ist nahezu an der Spitzensportler-Perfektion, wie sie selbst Fahrzeuge mit P nicht besser hinbekommen. Die Keramikbremsen sind ein Gedicht und stimmig zur Konfiguration bzw. zum Gewicht. Sie haben selbst bei harter Inanspruchnahme null Fading und sind standhaft wie bei M gewohnt. Glauben Sie mir, die feinen Spielereien wie Driftassistent, Launch Control, programmierbare M Einstellungen am Lenkrad, Rundenzeiten-Zähler, … sind nicht nur Show, sondern notwendig.

Der M4 und sein Bruder, der M3, haben fast die gleichen Abmessungen und Gewicht (M3 sogar 5 Kilo schwerer) und selbst der Radstand ist identisch. Ich finde persönlich den M4 etwas „erwachsener“. Lassen Sie es mich bitte bildlich erklären: Noch gestresst von der Arbeit der letzten Monate fahren Sie mit erhöhtem Cortisol-Spiegel, der Freundin am Beifahrersitz und vielleicht noch dem Kind im Fond samt ausreichendem Gepäck im Kofferraum, in den Urlaub. Der Körper verlangt es, zur Einleitung der Erholungs- und Entspannungsphase eine zufällig am Weg liegende Rennstrecke zu besuchen. Schnell die zwei Koffer aus dem Kofferraum geholt, M1 Button am Lenkrad gedrückt, Getriebe auf S3, Lenkung auf Sport, Dämpfung auf Sport, Klappen auf und raus auf die Strecke. 5 Runden mit Gleichgesinnten und ganz vorne mit dabei, Koffer wieder rein und ab in den Urlaub, Entspannung, Sonne, Liegestuhl und sich auf das nächste Mal freuen, wenn man die Türe öffnet und den Startknopf drückt. Übrigens gibt es für jene, die es noch individueller möchten, die M Performance Parts vom Carbon Heckflügel über Winglet, Air Breathers, Gurney Flaps und großen Schmiederädern bis hin zur vierflutigen höhenversetzten Titan Rennsport-Abgasanlage.

Der M4 Competition hat die Gene, etwas ganz Besonderes zu werden. Ich kann Ihnen nur anraten, ihn dringend zu probieren, denn es macht so viel mehr Vergnügen, in der Früh aufzustehen, zum Auto zu gehen und mit einem Lächeln im Gesicht zur Arbeit zu fahren.

Pro

  • Design, Auftritt und Innenraum
  • Sitze einzigartig
  • Leistung stimmig mit Bremsen und dem Gesamtkonzept
  • Coupè oder Cabrio
  • Optional als X Drive (folgt in Kürze)
  • Bereits hoher Serienausstattungsgrad in der M Competition Version
  • Der Kofferraum bietet richtig viel Platz
  • Wahnsinns-Basis für Tuningbranche

    Contra
  • Wie alles Geschmackssache, aber Lenkrad könnte etwas kleiner sein.
  • Die Gangwechsel sind einen Tick zu weich.

Testpaar: Claudia Maur und Markus Friesacher

Markus, wir kennen dich als jahrelangen BMW-Fahrer. Wie gefällt dir der neue M4?
Markus: Für mich eine absolut gelungene Weiterentwicklung des BMW M4 Competition, gewohnt mit Rennsportcharakter und trotzdem elegant.

Claudia, du hast Benzin im Blut. Du bist als junge Frau Rennen gefahren und bist auch jetzt im Motorsportbereich tätig. Erzähl uns ein bisschen dazu und vor allem, was der M4 Competition bei dir geweckt hat.
Claudia: Ich bin als junges Mädchen auf professioneller Ebene Kartrennen gefahren, musste mich jedoch bereits mit 17 Jahren nach einigen zwar erfolgreichen Tests in diverseren Formel Nachwuchsserien aus finanziellen Gründen wieder vom aktiven Motorsport verabschieden. Meine berufliche Entwicklung habe ich jedoch dem Motorsport gewidmet. U.a. war ich vor einigen Jahren Series Manager des Formel BMW Talent Cups, ein Einstiegsprogramm in den Formel-Rennsport, mit dem bspw. auch Sebastian Vettel oder unser Salzburger Philipp Eng ihr Handwerk gelernt haben. Heute betreue ich ein paar Rennfahrer/innen und unterstütze diese in diversen PR- und Marketingangelegenheiten und bin für den Automobil und Motorsport Weltverband – der FIA – als Operations Manager für FIA Girls on Track tätig. Das Programm zielt darauf ab, die Beteiligung von Frauen im Motorsport zu erhöhen, indem junge Mädchen im Alter von 8 bis 18 Jahren zu Rennveranstaltungen eingeladen werden. Dort lernen die Teilnehmerinnen die verschiedenen Aspekte des Motorsports und seiner Branche durch eine Reihe von Aktivitäten und Workshops kennen. Ein Projekt, das mir sehr am Herzen liegt, und ich mir gewünscht hätte, davon schon zu meiner Zeit zu profitieren. Die Ausfahrt mit dem M4 Competition hat mir irre Spaß gemacht. Ich muss allerdings zugeben, dass ich mich erst mal wieder an so viel PS und ein sportliches Fahrzeug gewöhnen muss. Darf ich nochmal?

Wie gefällt euch der Auftritt des Fahrzeugs?
Markus: Das Design ist zum Teil sehr puristisch, ohne langweilig zu wirken. Besonders von vorne wirkt der BMW M4 Competition durch die typische BMW Niere und Doppelendrohre hinten sehr kraftvoll.
Claudia: Mir sind sofort die seitlichen Luftschlitze aufgefallen, die man vor allem aus dem Motorsport kennt.

Habt ihr euch auch beim schnellen Fahren sicher gefühlt?
Beide: Absolut! Die Schalensitze bieten super Halt, auch wenn’s mal schneller durch die Kurven geht, und sind trotzdem bequem. Außerdem spürt man, dass das Fahrzeug aerodynamisch perfekt abgestimmt ist. In den Kurven wird man richtiggehend auf die Straße gepresst. Das Fahrwerk hat uns durch seine Spurstabilität sehr beindruckt.

Würdet ihr den Heckantrieb oder den Allrad nehmen?
Markus: Allrad, weil er besser in den Kurven liegt und auch bei schwierigen Straßenverhältnissen besser kontrollierbar ist.
Claudia: Heckantrieb, für das Rennfeeling.

Ist im Kofferraum genügend Platz?
Beide: Ja, überraschend groß für ein Sportfahrzeug.

Wie ist die Anmutung vom Innenraum und im Fondbereich?
Beide: BMW typisch sehr hochwertig verarbeitet. Der Bordcomputer fügt sich sehr schön in das Interieur ein. Die Carbon-Features gefallen uns ebenso gut. Ein kleiner Kritikpunkt: das Lenkrad könnte für ein solches Sportfahrzeug etwas kleiner und handlicher sein.

Wie findet ihr den Sound?
Markus: Unverkennbar! Der typisch kernige M Sound!
Claudia: Mega! Gerne mehr davon!