„Die Liebe zum Wein lebt vom Probieren.“

Neun Männer, sechs Weine – und alle außergewöhnlich. Ein Blick hinter die Kulissen der exklusiven Weinverkostung in der Coquette Weinbar.
Text: Doris Thallinger
Fotos: www.kaindl-hoenig.com
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Ein besonderes Stück Salzburg: Die Bergstraße, rechts der Salzach in der Altstadt gelegen, hat eine lange Geschichte. Heute beheimatet sie auf rund 200 Metern einen charmanten Mix aus Geschäften, Veranstaltungsstätten, kleinen Unternehmen und – großartiger Gastronomie.

Wer es sich vor der Coquette Weinbar gemütlich macht, erkennt schnell: Hier kennt man sich, wie eine kleine Familie treffen sich die Gewerbetreibenden der Straße auf einen Plausch und begrüßen die Stammgäste wie alte Bekannte. So auch an diesem Abend. Verena Loidl und Philip Langer haben ihren freien Abend „geopfert“, um gemeinsam mit dem SALZBURGER zur Weinverkostung zu laden.

Sechs Herren sind angekündigt – doch wie es oft so ist im Leben (und vor allem im Coquette), bringt man gern spontan noch einen Freund mit, verschiebt kurzfristig andere Termine, um doch dabei zu sein, wenn Verena und Philip zu so einem exklusiven Abend laden. Schließlich sind es neun Männer, bunt zusammengewürfelt, die gespannt dem Abend entgegenblicken. Teils sind sie – als Anrainer der Bergstraße und Stammgäste der Coquette Weinbar – bereits gut miteinander bekannt und allesamt dem jungen Gastgeber-Paar schon seit langem zugetan. 2021 war es, als sich Verena und Philip nach vielen Jahren (eigentlich Jahrzehnten) in der Gastronomie ihren Traum von der eigenen Weinbar erfüllt haben. „Wir wollten den Salzburgern etwas Neues, Besonderes bieten. Eine kleine, feine Weinbar, in der wir unsere Gäste mit ganz speziellen Weinen verwöhnen dürfen, Weinen, die man sonst nicht so leicht bekommt“, erklärt Verena.

Sie freut sich, auf einen Schlag so viele Herren begrüßen zu dürfen und hat bereits den besten Tisch liebevoll gedeckt und dekoriert. Sechs ausgesuchte Weine warten darauf, die Gaumen der Weinkenner zu erfreuen.

Französischer Start in den Abend

Als Aperitif kredenzt Verena den Crémant Zero Saumur Extra Brut 2018 aus dem französischen Weingut Bouvet Ladubay. „Zero Dosage bedeutet, dass kein Zucker zugesetzt wird“, erklärt sie, „der Crémant wird – wie Champagner – nach der Methode traditionelle hergestellt.“ Die Cuvée aus Chardonnay- und Chenin Blanc-Trauben punktet mit feiner Perlage, mineralischen Aromen und einem Hauch von Exotik. Die Herren zeigen sich sehr angetan, Karl-Heinz Robitschko lobt: „Dieser Crémant schmeckt so frisch und leicht – da sollte man ein zweites Glas davon trinken!“, wobei Franz Loidl ihm voll und ganz zustimmt. Björn Schulternik, ausgesprochener Liebhaber guter Schaumweine, stellt fest: „Der Grundwein muss von besonderer Qualität sein, wenn er ohne den Zuckerzusatz auskommt.“

Das Fazit der ersten Verkostungsrunde fällt einstimmig aus: „Frisch, keck – einfach coquette!“

Schnell zeigt sich, dass Weinkenner und Weinliebhaber rasch ins Gespräch kommen, auch wenn Heinz Schwendinger zu Beginn noch etwas irritiert ist: „Wo sind eigentlich die Frauen?“ Dem vergnüglichen Verlauf tut dies jedoch keinen Abbruch, im Gegenteil, der Geräuschpegel steigt, der Austausch – auch unter jenen, die sich bislang nicht kannten, wird stets intensiver. Das hat das Coquette nun einmal so an sich: Hier finden Menschen zusammen, Verena und Philip könnten an dieser Stelle einige Anekdoten zum Besten geben, über Freundschaften, die in ihrer Weinbar geschlossen wurden und Liebesbeziehungen, die hier ihren Ursprung gefunden haben. Ganz nach dem Credo der beiden: „Gäste kommen als Fremde und gehen als Freunde!“

Überraschend anders

Mit dem nächsten Wein, den Verena einschenkt, sorgt sie für den einen oder anderen Überraschungsmoment. Denn der Grüne Veltliner vom Weingut Dürnberg im Weinviertel in eigener Abfüllung für die Coquette Weinbar kommt „gut getarnt“ daher. Bevor es ans Kosten geht, erklärt die Gastgeberin seine Feinheiten: „Das Bouquet unseres ‚Hausweins‘ bietet fruchtig-facettenreiche Noten von gelben Äpfeln und Grapefruit und sogar Nuancen von Rosenblüten und Pfeffer. Er reift ein halbes Jahr im Tank und danach noch ein halbes Jahr im Holzfass. Das macht ihn lässig, keck – und vor allem furchtbar süffig.“

Der erste Schluck – alle sind sich einig: „Das ist kein typischer Grüner Veltliner!“ und die Herren geben unumwunden zu, dass sie bei einer Blindverkostung wahrscheinlich ganz schlecht abgeschnitten hätten: „Ich hätte gewettet, dass dies ein Wein aus der Wachau ist!“ oder gar: „Ich hätte auf einen Chardonnay getippt.“ Verena kann aber beruhigen: „Bei diesem Wein liegen selbst erfahrene Sommeliers daneben, so speziell ist dieser Grüne Veltliner.“
Generell ist es der jungen Weinexpertin immer eine Freude, zuerst einmal ein Glas „blind“ anzubieten. „Ich möchte meinen Gästen neue Erlebnisse in Sachen Wein bieten. Je nach Geschmack und Vorlieben versuche ich, für jeden den passenden Wein zu finden und die Leute dazu zu animieren, auch einmal etwas Neues auszuprobieren!“ Das können die Stammgäste nur bestätigen: „Die Liebe zum Wein lebt vom Probieren.“

Etwas Neues zu probieren, sollte einem in der Coquette Weinbar nicht schwerfallen: Immerhin gibt es hier Tropfen zu kosten, die sonst kaum in Salzburg geboten werden, schon gar nicht zu vernünftigen Preisen. Vergleichsweise wenige Österreicher finden sich im Sortiment, das Hauptaugenmerk liegt deutlich auf Frankreich und Spanien, aber auch Besonderheiten aus Übersee haben hier ihren berechtigten Platz.

„Unsere Vision war es von Anfang an, gute Weine zu bieten, Weine, die etwas Besonderes sind – und das zu fairen Preisen“, so Philip, der fast jedes Weingut, das die Coquette beliefert, persönlich besucht und inspiziert hat.

Blick in die „Küche“

Philip Langer verwöhnt die Herren mit mediterranen Leckerbissen.

Bevor der nächste Wein, der zweite Weiße dieses Abends seinen Weg in die Gläser findet, dürfen wir Philip einen Blick über die Schulter werfen, der sich heute Abend um die kulinarische Verpflegung der Gäste kümmert. Feinster Serrano-Schinken, 24 Monate gereift, Salami aus der Toskana, so zart, dass sie auf der Zunge zergeht, dazu aromatischer Bergkäse, Ziegenkäse aus der Normandie, Trüffel-Brie, griechische Oliven, frische Feigen und vieles mehr machen so richtig Appetit. Franz Loidl als pensionierter Bäckermeister schneidet das frische Brot auf – kross und flaumig zugleich wird dieses Brot aus dem Holzofen übrigens exklusiv für das Coquette gebacken! Heinz Schwendinger und Klaus Fleischhacker wollten ursprünglich auch mithelfen, entscheiden sich dann aber spontan dafür, den frisch geschnittenen Serrano-Schinken vorab zu kosten. Darüber hinaus serviert Philip eine hausgemachte Pinsa mit Serrano Schinken, provenzalischen Kräutern, Olivenöl, Käse und Rucola.

Vulkangestein und Meeresluft

Während die Herren sich den feinen mediterranen Leckerbissen widmen, läutet Verena die dritte Runde ein, mit einem Vidonia Listan Blanco vom kleinen, noch sehr jungen Weingut Suertes del Marqués auf Teneriffa.

Bäckermeister Franz Loidl schneidet das Brot.

Bevor sie viele Worte über den Wein verliert, bittet sie vorab die Herren um ihre Einschätzung. Über ein Fakt ist man sich rasch einig: „Es ist ein Weißwein.“ Die weitere Spezifikation wird schon schwieriger, Heinz tippt auf Reifung im Holzfass, Björn meint, so etwas wie Feuerstein herauszuschmecken, Klaus Trifich bestätigt mineralische Aromen.

„Diese Aromen stammen vom Anbau auf vulkanischem Gebiet“, bestätigt Verena, „außerdem schmeckt man direkt die Meeresluft. Ein ganz außergewöhnlicher Weißwein und überdies bio-dynamisch angebaut.“

Spanisch geht es sogleich weiter – nach dem relativ wuchtigen Vidonia folgt ein frischer und knackiger Rosado: La Rosa vom Weingut Can Sumoi im spanischen Penedès, eine Cuvée aus den Rebsorten Parellada, Xarel·lo und Sumoll. „Ein untypischer Roséwein“, beschreibt Verena, „definitiv ein Tropfen für fortgeschrittene Rosétrinker.“

Reise nach Übersee

Mit dem ersten Rotwein des Abends begeben wir uns nun auf einen anderen Kontinent, und zwar geht die Reise nach Australien, worüber sich die passionierten Rotweintrinker der Runde, wie Nino Okic und Philipp Gold, besonders freuen. Der Shiraz „Max’s“ aus dem südaustralischen Hause Penfolds punktet mit marmeladigen Aromen nach dunkler Kirsche, Zwetschke und Rumtopf sowie zarten Noten von Vanille, Muskat und Zimt. Der Name Max’s ist eine Hommage an die legendäre australische Wein-Ikone Max Schubert. „Guter Stoff“, konstatiert Uhrmacher (und inoffizieller Bürgermeister der Bergstraße) Markus Nowak kurz und knackig.

Kleines, großes Highlight

Hat der Abend mit einem Franzosen begonnen, sollte er wohl auch mit einem Franzosen beschlossen werden, allemal, wenn man ihn in der Coquette Weinbar genießt. Als Highlight des Abends serviert Verena daher nun einen großen Bordeaux aus dem Château Citran. Die Cuvée aus Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc bringt die Aromen reifer Früchte in die Nase und beglückt den Gaumen mit reichhaltiger Struktur und reifen Tanninen. Ein würdiger Abschluss einer äußerst spannenden und facettenreichen Reise in die Welt der Weine.