Motor

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Mit Leichtbau und Zwölfzylinder an die Spitze

Text: Natalie Zettl

Fotos: Hans-Peter Porsche Traumwerk; Porsche Museum in Stuttgart

Eine Legende feiert Geburtstag: Der Porsche 917 ist 50! Mit seiner Leichtbauweise und dem Zwölfzylinder-Motor setzt der 917 in den Sechzigerjahren neue Maßstäbe in der Rennbranche. 

Im Jahr 1968 macht eine neue Vorschrift der C.S.I. (Commission Sportive Internationale) den Bau eines neuen 5-Liter-Sportwagens nötig – und so kommt im Frühjahr 1969 der Porsche 917 auf den Markt, um bei internationalen Autorennen mit beeindruckenden 520 PS durchzustarten.  

A star is born 
Die Geburtsstunde des Porsche 917 schlägt am 12. März 1969: Auf der Messe „Genfer Auto-Salon“ versammelt sich die gesamte Weltpresse am Stand der Porsche KG, nachdem das Unternehmen in den Wochen zuvor mit der Ankündigung eines „aufsehenerregenden neuen Modells“ für Spannung gesorgt hat.
Sowohl Fachwelt als auch Motorsport-Fans zeigen sich begeistert über errechnete 520 PS bei 8.000 U/min, ein maximales Drehmoment von 46 mkp (451 Nm), dazu die optischen Besonderheiten, die typisch für den 917 sind. Für 140.000 Deutsche Mark ist das neue Modell zu haben – ein stolzer Preis, der die Wertigkeit des Gesamtwerks widerspiegelt. 

Endspurt für 25 erste Exemplare
Im Anschluss an die erfolgreiche Vorstellung des neuen 917 wird im Porsche-Werk in Stuttgart-Zuffenhausen engagiert an weiteren 24 Fahrzeugen des gleichen Typs gearbeitet – für die Homologation: Es sind 25 Fahrzeuge nötig, damit der Porsche 917 in die passende Wettbewerbskategorie eingeordnet – im Fachjargon „homologisiert“ – werden kann. Am 20. März erfolgt die technische Abnahme des Porsche 917 und gut einen Monat später, am 21. April, ist es schließlich soweit: Der englische Fédération-International-de-l’Automobile-Delegierte Dean Delamont und der deutsche Vertreter der Obersten Nationalen Sportkommission Herbert Schmitz begutachten die ersten 25 Stück des „Weißen Riesen“, wie der 917 mittlerweile intern genannt wird. Tags darauf meldet die Presseabteilung der Porsche KG: „Der Porsche 917 ist ab 1. Mai 1969 als Sportwagen homologisiert und wird voraussichtlich am 11. Mai bereits sein Debut beim 1.000-Kilometer-Rennen von Spa geben.“ 

Erste Renneinsätze als „Generalproben“ 
Der erste Renneinsatz des Porsche 917 verläuft jedoch wenig positiv: Bereits nach der ersten Rennrunde bricht eine Ventilfeder und setzt der Premiere ein unerwartet frühes Ende. Als letzte Generalprobe für das 24-Stunden-Rennen von Le Mans bleibt somit nur noch das 1.000-Kilometer-Rennen am 1. Juli 1969 auf dem Nürburgring. Dort ist den Fahrern David Piper und Frank Gardner endlich das Glück hold: Sie bringen den 917 erfolgreich ins Ziel und geben Porsche mit dem achten Platz einen Hoffnungsschimmer auf künftige Triumphe. Insgesamt ist Porsche am Nürburgring überaus gut vertreten: Unter den ersten zehn Fahrzeugen befinden sich acht der Marke Porsche. 

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Die Kür: Le Mans 
Mit insgesamt vier Fahrzeugen begibt sich die Porsche-Crew schließlich zum 24-Stunden-Rennen nach Le Mans: zwei Langheck-Versionen als Werkswagen, ein weiteres Langheck-Fahrzeug zu Trainingszwecken und ein weiteres Langheck-Vehikel als Kundenfahrzeug des Team Woolfe, eines der ersten Teams, die einen Porsche 917 erwerben durften. Am 14. Juni, um 14 Uhr beginnt das Rennen – die vier Porsche-Wagen stehen an der Spitze des Feldes. Es fahren Rolf Stommelen und Kurt Ahrens, Vic Elford und Richard Attwood, Joseph Siffert und Brian Redman, Rudi Lins und Willi Kauhsen sowie John Woolfe und Herbert Linge.
Bereits in der ersten Rennrunde kommt es jedoch zu einem tragischen Unglück: John Woolfe im 917 fährt mit beiden linken Rädern auf Gras, verliert die Kontrolle über seinen Wagen und schlägt mit hoher Geschwindigkeit in die Leitplanke ein. Er verunglückt tödlich. Und mit dieser Tragödie nicht genug: Nach 14 Stunden scheiden Strommelen und Ahrens wegen schleifender Kupplung aus dem Rennen aus. Der dritte 917 allerdings ist hoffnungsvoll unterwegs: Vic Elford und Richard Attwood liegen nach 21 Stunden mit sechs Runden Vorsprung in Führung. Doch just als Hans Mezger kurz zum Mittagessen geht, fährt auch der letzte 917 verfrüht in die Box ein – mit gerissenem Getriebegehäuse. „Der Motor lief bis dahin wie ein Uhrwerk“, erinnert sich Hans Mezger an den Moment des Ausscheidens. Ein kleiner Trost: Die Porsche-Fahrer des Langheck-Coupés 908 erzielen nach 372 Rennrunden den zweiten Platz – nur 120 Meter fehlen zum Sieg. 

Glanzpunkt beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans 1970: Hans Herrmann und Richard Attwood fahren den 917 zum Sieg.
Hans Herrmann vor dem Fahrerwechsel in Le Mans 1970.

Weiterentwicklung des Porsche 917 
Das Porsche-Team gibt nicht auf: Änderungen am Aluminium-Rohrrahmen und an der Karosserie des 917 sollen seine Fahreigenschaften weiter verbessern. Vor dem letzten Rennen des Jahres, dem Großen Preis von Österreich, finden ausgiebige Tests und Versuchsfahrten statt. Schließlich schickt Porsche zwei Exemplare des optimierten Modells auf die neu erbaute Strecke in Zeltweg – mit fulminantem Erfolg: Nach 170 Rennrunden gelingt dem Fahrerduo Joseph Siffert und Kurt Ahrens der langersehnte Sieg. Der zweite 917 mit Brian Redman und Richard Attwood erhält die Silbermedaille. 
Der erste Erfolg für den Porsche 917 markiert den Abschluss einer von extremer Test- und Entwicklungsarbeit geprägten Saison. Gleichzeitig ist Zeltweg der Auftakt zu weiterer intensiver Entwicklungsarbeit und einer beispiellosen Erfolgsserie, deren vorläufiger Höhepunkt der erste Gesamtsieg von Porsche beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans im Jahr 1970 darstellt. Auch heute hat sich nichts an Beliebtheit Porsches geändert: Die prestigeträchtige Marke lässt das Herz eines jeden Rennsport- und Autoliebhabers höher schlagen!