Denim – die blaue Ikone wird 150

Jeans, DER Klassiker der Modewelt feiert Jubiläum: Vor 150 Jahren meldete der deutsche Auswanderer Levi Strauss in San Francisco sein Patent für die Nietenhose an – der Siegeszug der Jeans startete und ist bis heute unaufhaltbar.
Text: Susanne Rosenberger
Fotos: Replay

Es ist der Stoff, aus dem Träume gemacht sind – Träume der Jugend, Revolution, Emanzipation, Freiheit und des Erfolgs. Der smarte Hollywood-Star James Dean gilt als absolute Denim-Ikone, in seinem größten Filmerfolg „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ trug er eine Lee 101 Riders und wurde damit in den 1950er-Jahren zum Symbol für Jugend und Rebellion. Noch heute gilt der legendäre James Dean Look mit schlichten Bluejeans, weißem T-Shirt und schwarzer Lederjacke als überzeugendes Outfit – denn Denim ist und bleibt zeitloser Kult!

Auch Marilyn Monroe nutzte im legendären Western „Fluss ohne Wiederkehr“ (1954) den Kultstatus der Jeans, um so für die Emanzipation der Frau einzustehen. In den 1960er-Jahren trug die kurvige US-Schauspielerin bevorzugt Mom Jeans mit einem hohen Taillenbund und locker geschnittenem Bein und verkörperte damit ein neues Frauenbild. In den späten 60ern setzte sich die ausgestellte Schlag-Jeans durch, Hippies demonstrierten darin gegen den Vietnam Krieg und brachten beim Woodstock-Festival ihre Freiheit zum Ausdruck.

Geburtsstunde der Blue Jeans

Bereits 100 Jahre vor den großen Filmerfolgen von Dean und Monroe herrschte in den USA Aufbruchstimmung, als Goldfunde einen regelrechten Boom auslösten. Levi Strauss, Sohn jüdischer Eltern und deutscher Auswanderer, witterte seine Chance und gründete als „importer and dealer in clothing and dry goods“ ein Geschäft in San Francisco. Er erkannte, dass die Goldgräber stabile, widerstandsfähige Arbeitshosen mit vielen Taschen für ihr Werkzeug benötigten, diese Hosen ließ Levi Strauss ursprünglich aus Zeltstoff anfertigen. Durch seine Kontakte nach Europa importierte er bald darauf einen Baumwollstoff, der in Webereien in der französischen Stadt Nîmes halbindustriell hergestellt wurde. Aus „de Nîmes“ wurde mit der Zeit „Denim“, der heute gebräuchliche Name für den indigoblau gefärbten Stoff. Das Wort „Jeans“ leitet sich hingegen vom französischen „Gênes“ (Genua) ab, jener Stadt, wo der Baumwollstoff erstmals erprobt wurde.

Die Niete macht die Jeans

Um 1870 verarbeitete Strauss den importierten Denim tonnenweise zu robusten Hosen – neben den Schürfern zählten bald auch Cowboys, Farmer und Holzfäller zu den zufriedenen Kunden. Doch erst die Nieten, welche die Hosen an strapazierten Punkten besser zusammenhielten als jedes Garn (eine Erfindung des Schneiders Jacob Davis), machten die Hosen zu einer richtigen Jeans. Am 20. Mai 1973 meldete Levi Strauss seine Idee zum Patent an – die Jeans war geboren!

Durch den Zweiten Weltkrieg kam die Blue Jeans über amerikanische Soldaten nach Europa. In Deutschland wurde sie anfangs als „Texashose“ beschimpft, in der DDR war das Tragen von Jeans mancherorts sogar verboten. Trotz dieser anfänglichen Startschwierigkeiten gelang der Trendhose auch auf europäischem Boden bald der Durchbruch. Seit nunmehr 60 Jahren produziert eine deutsche Fabrik unter dem Markennamen „Mustang“ Jeans, das Label „Diesel“ wird etwa in Italien, „Big Star“ in der Schweiz hergestellt. Zu den größten Jeans-Marken der Welt gehören neben Levi’s, Diesel und Mustang auch Lee, Replay und Wrangler – jeweils mit Logo-Patch versehen werden sie zur Marke, der ihre Käufer nicht selten ein Leben lang treu bleiben.

Welche Jeans passt zu mir?

Die Auswahl an Marken, Schnitten und Waschungen ist mittlerweile riesig, die Bandbreite bewegt sich zwischen günstig und High-End, zwischen klassisch, brav und modisch. Doch bei keinem anderen Kleidungsstück ist die richtige Passform so wichtig wie bei einer Jeans.

Damit die Vorteile der Figur optimal zur Geltung kommen und kleine Figurprobleme geschickt kaschiert werden können, muss auf die Leibhöhe, den Sitz an der Hüfte und am Po sowie auf die Passform an den Beinen geachtet werden.

Was sind also die gängigsten Schnitte, wie trägt man sie und für wen ist welcher Schnitt geeignet? In der Denim Mode war jahrelang die Slim Jeans besonders angesagt, jetzt kommen wieder trendigere Modelle in die Läden – von baggy bis weit, tief hüftsitzend bis High Waist.

Ein absoluter Klassiker ist die Straight Leg Jeans mit geraden Hosenbeinen. Die Bootcut Jeans passt optimal zu Stiefeln, ihre Silhouette ergibt sich aus einer schmalen Passform mit ausgestelltem Bein. Eine Mischung aus Skinny Jeans und Wide-Leg ist die Tapered Jeans, bei der die Beine nach unten hin schmal zulaufen – optimal für den Sommer mit hochgekrempelten Säumen und Sneakers.

Die Loose Fit Jeans sitzt hingegen locker und bequem und bietet jede Menge Beinfreiheit. Ihr Comeback feiert auch die Baggy Jeans mit weitem Schnitt und ebenfalls viel Beinfreiheit. Auch Black Jeans sind wieder ein unverzichtbarer Fashion-Trend, sie sind absolut businesstauglich, lassen sich mit einem weißen Hemd und Cardigan chic stylen und bringen ein wenig lässige Eleganz in den Kleiderschrank.

Umweltsünder Jeans

Es gibt kein anderes Kleidungsstück, das sich unisex so lange auf dem Mode-Thron halten konnte wie die Jeans – stets verkörperte sie ein bestimmtes Lebensgefühl und spiegelte damit den Zeitgeist wider. Jeder von uns soll im Durchschnitt sieben bis acht Jeans besitzen. Doch immer noch werden viele der Hosen unter schlechtesten Bedingungen in Billiglohnländern wie Bangladesch, Pakistan und der Türkei produziert und werden so zu großen Umweltsündern.

Die Problematik beginnt bereits beim konventionellen Baumwollanbau, da für die Herstellung des beliebten Textils Unmengen an Pestiziden und Chemikalien eingesetzt werden – diese Giftstoffe sind nicht nur für Arbeiter höchst gesundheitsschädlich, sondern in weiterer Folge auch für die Haut der Konsumenten. Eine Jeans sollte daher immer vor dem ersten Tragen gewaschen werden, um die chemischen Überreste aus den gefärbten, gebleichten und für den „Used Look“ sandgestrahlten Stoffen zu spülen und so Hautirritationen zu vermeiden.

Zudem ist der Wasserverbrauch immens: Mindestens 7.000 Liter Wasser werden für die Herstellung einer konventionellen Jeans benötigt. Der Färbe- und Bearbeitungsprozess stellt ein weiteres Problem dar, denn zum Blau-Färben wird der Farbstoff „Indigo“ verwendet, der erst durch den Zusatz von Chemikalien wasserlöslich wird. Außerdem werden weitere Schwermetalle wie Arsen, Quecksilber oder Blei für das wasserintensive Färbeverfahren eingesetzt. Diese unzähligen Chemikalien belasten nicht nur die Gesundheit der Arbeiter, sondern auch Flüsse, Seen und das Trinkwasser der Produktionsländer. Zu guter Letzt sorgen die weiten Transportwege einer Jeans noch für einen immensen CO2-Ausstoß.

Hier lohnt es sich, auf das Label „Fair-Trade Cotton“ sowie auf weitere Gütesiegel wie das GOTS-Label und das IVN-Label zu achten. Jeans mit Fair-Trade Siegel sind zwar teurer als jene von Fast-Fashion-Ketten, garantieren aber die faire Entlohnung der Arbeiter und legen Umwelt- und Sozialstandards fest.

Expertentipps für den Jeanskauf

Von Marcel Staudinger – modemeile. STAUDINGER.

Was sind die Jeanstrends für Männer im Herbst/Winter 23/24?
Weiterhin schmale Jeans in Memory-Stretch Qualitäten.

Wie viele bzw. welche Jeans sollte ein modischer Mann im Schrank haben?
Man(n) kann nie genug Jeans haben, verschiedene Denim-Waschungen in Blau, Grau und Schwarz. Destroyed-Optiken (leicht gerissen) dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Wie erkennt man, dass die Jeans perfekt sitzt?
Wenn man sich schon bei der Anprobe wohlfühlt und die Jeans keine Falten wirft.

Welche Jeans eignet sich perfekt für den Office-Look in Kombination mit Hemd und Sakko?
Raw-Demin bis zu leichten Wascheffekten in schmaler Optik und Steppnähten in Ton in Ton.