Das 1×1 der Skitouren-Ausrüstung

Text: Astrid Schraffl
Fotos: Przemyslaw Ceglarek, Astrid Schraffl, Markus Stadler

Der Trend zum Skitourengehen, den es seit einigen Jahren gibt und der spätestens im letzten Winter explodiert ist, ist nach wie vor ungebrochen. Für Neulinge in dieser Sportart stellt sich die Frage: „Was benötige ich an Ausrüstung und worauf muss ich beim Kauf achten?“

Die Bekleidung ist beim Tourengehen aufgrund der extremeren Temperaturen wichtiger als beim Sommerwandern. Hier sollte man bevorzugt zu Funktionskleidung greifen und nicht zu normalem Skigewand, da dieses in der Regel zu warm ist. Vor allem für Hochtouren empfiehlt sich der Zwiebellook, also mehrere Schichten übereinander, die flexibel angepasst werden können.

Benjamin Grössinger, Tourenski-Experte bei IKO Sport in Hallwang, erklärt, was für die Auswahl des richtigen Materials wichtig ist: „Zuallererst muss man für sich selbst entscheiden, ob man eher aufstiegs- oder abfahrtsorientiert ist. Wer aufstiegsorientiert ist, achtet besonders auf das Gewicht der Ausrüstung. Der Schuh ist dann von der Schaftrotation her beweglicher und weicher und der Ski leichter, weswegen er dafür beim Abfahren leider schneller zu flattern beginnt – sprich der Fahrgenuss ist hier nicht der gleiche. Beim abfahrtsorientierten Material spielt das Gewicht weniger eine Rolle und ist preislich daher meist günstiger. Der Schuh ist dann zwar komfortabel, aber bei weitem nicht so beweglich. Dafür bekomme ich beim Abfahren gut Geschwindigkeit und habe es leichter bei schlechten Bedingungen. Wer auf beides Wert legt, wählt einen Schuh im Gewichtsmittelmaß, was dann meistens Dreischnaller sind. Der Trend geht in diese Richtung, allerdings gibt es durchaus viele, für die die Abfahrt nur ein Drittel des Ganzen ist, während der Aufstieg zwei Drittel einnimmt, weswegen der Fokus dort liegt.“

Die Grundausstattung
Abgesehen vom Gewicht gilt es beim Ski, die richtige Länge und die Taillierung zu beachten. Die richtige Länge liegt für gewöhnlich zwischen Nasenspitze und Augenbrauen. Der klassische Tourenski ist zumeist leicht tailliert und liegt zwischen 80 und 88 mm Skibreite unter der Bindung. Je abfahrtsorientierter jemand ist, desto stärker darf die Taillierung sein.

Zur technischen Grundausstattung zählen neben dem Ski die passenden Schuhe, Bindung, Felle und Stöcke. Eine spezielle Tourenbindung ist für den Aufstieg unumgänglich. Abgesehen vom geringeren Gewicht unterscheidet sie sich insbesondere durch die freie Ferse von einer normalen Pistenbindung. Sie kann bis zu einem Winkel von 90 Grad gegenüber dem Ski abgewinkelt werden und soll den natürlichen Bewegungsablauf des Gehens unterstützen. Benjamin Grössinger empfiehlt bei eisigen Pisten unbedingt zusätzlich Harscheisen, die vorne in die Bindung eingesetzt werden und die wie Spikes bei Schuhen wirken und Grip erzeugen.

Eine Besonderheit beim Tourengehen sind die Steigfelle, die unter die Tourenski geklebt werden. Bei der Auswahl der Felle ist darauf zu achten, dass die Fellbreite 3 bis 4 mm schmäler sein sollte als die mittlere Skibreite, damit die Skikante frei bleibt, um bei Querungen einen sicheren Halt zu haben. Am häufigsten werden kombinierte Klebe-Spannmechanismen als Befestigungssystem verwendet. Vor allem für längere Touren empfiehlt es sich, einen Sprühkleber mitzuführen, mit dem man kurzfristig wieder für Haftung am Ski sorgen kann.

Der richtige Schuh
Die Freude beim Tourengehen steht und fällt mit dem richtigen Tourenschuh. Besonders wichtig ist die richtige Passform. Benjamin Grössinger rät dazu, den Schuh sehr knapp zu kaufen, denn wenn er zu groß ist, entstehen Blasen. Außerdem gibt der Schuh mit der Zeit nach und wird innen größer und breiter. Mittlerweile besteht übrigens bei fast jedem Innenschuh die Möglichkeit, diesen an den eigenen Fuß anpassen zu lassen. Dafür gibt es spezielle Maschinen, in denen die Innenschuhe erhitzt werden. Dadurch geht der Schuh etwas auseinander, dann schlüpft man hinein, der Innenschuh kommt in die Schale, er wird abfahrtsorientiert geschlossen und während der Schuh auskühlt, passt er sich an die Fußform an.

Auch Tourenstöcke unterscheiden sich in einigen Punkten von normalen Pistenstöcken. Zunächst spielt wieder das Gewicht eine Rolle. Wer es besonders leicht möchte, setzt auf Carbon- oder Titanalstöcke. Auch die Längenverstellbarkeit ist zu beachten. Nicht immer will man für Aufstieg und Abfahrt dieselbe Stocklänge verwenden. Verstellmechanismen sind aber immer ein potentieller Schwachpunkt, deshalb werden für Skitouren dreiteilige Teleskopstöcke vermieden. Diese sind meist zu schwach im Fall eines Sturzes. Last but not least ist die Größe der Schneeteller wichtig. Diese sollten groß genug sein, um nicht im Tiefschnee einzusacken und am besten beweglich, um sich an eine harte Schneeoberfläche anzupassen. Die Teller von Pistenstöcken sind meist zu klein. Besonders empfehlenswert: asymmetrisch angebrachte Stockteller, da sie das Aushebeln der Spitze bei harter Schneedecke verhindern!

Fokus auf Sicherheit
Allen die planen, auch im Gelände unterwegs zu sein, wird dringend geraten, sich zusätzlich eine LVS-Ausrüstung (Lawinenverschüttetensuchausrüstung) für die Kameradenrettung zuzulegen. Dazu zählen ein LVS-Gerät, das am Körper getragen wird und ein GPS-Signal aussendet, eine Sonde und eine Schaufel. Ist man in der Gruppe unterwegs, sollte möglichst jeder diese Ausrüstung bei sich tragen, damit im Notfall der Verschüttete so rasch wie möglich gefunden werden kann. Wer sich für ein modernes Drei-Antennen-Gerät entscheidet, macht in der Regel nichts falsch. Wichtig ist nur, dass man mit seiner LVS-Ausrüstung umgehen kann!

Mit der passenden Bekleidung, der technischen Ausrüstung und der Notfallausrüstung reißt die Erstausstattung durchaus schon mal ein stattliches Loch ins Budget des motivierten Tourengehers. Alleine für einen hochwertigen Standardski muss man durchschnittlich mit Kosten von etwa 550 Euro rechnen. Wer das Tourengehen erst mal ausprobieren möchte, greift daher am besten zunächst zu einer Leihausrüstung. Diese bekommt man bei zahlreichen Anbietern wie dem Alpenverein und bei diversen Sportgeschäften, die auch immer wieder Ski-Test-Aktionen anbieten.

Buchtipp zum Thema:
„Skitouren. Ausrüstung – Technik – Sicherheit“, von Markus Stadler
aktualisierte Auflage 2021, erschienen im Rother Verlag