Interviews & Persönlichkeiten

Lesezeit: 10 Minuten

„Auf Platz eins steht meine Familie“

Text: Doris Thallinger

Fotos: GEPA/Red Bull; www.kaindl-hoenig.com

Bereits 2008 heuerte John Hughes, frisch aus der kanadischen Eishockey Juniorenliga OHL, zum ersten Mal bei den Salzburger Red Bulls an. Nach einigen Zwischenstationen ist er seit 2014 wieder zurück in Salzburg und zählt seither zu den besten Stürmern des EC Red Bull Salzburg. Und auch privat ist er in der Mozartstadt angekommen: Im Februar wurde er Vater und lebt mit Freundin Michaela und Sohn Levy abwechselnd in Nußdorf am Haunsberg und in der Stadt Salzburg. Hier haben wir die junge Familie besucht und einen Blick in ihr trautes Heim geworfen.

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt eures ersten Sohnes. Was bedeutet es für dich, Vater zu sein?
Für mich ist mein Sohn Levy meine neue Liebe! Das Timing ist auch perfekt – genau der richtige Zeitpunkt für mich, Vater zu werden, für diese neue Liebe und auch ein neues Leben. Ich kann wirklich sagen: Das Leben ist noch besser geworden!

Wie hat sich dein Leben seither verändert?
Alles ist neu, wenn man ein Kind bekommt. Mein ganzes Leben hat sich geändert. Ich stehe viel früher auf, gehe früher zu Bett. Kurz gesagt: Ich passe mich an Levys Rhythmus an. Klarerweise habe ich nun weniger freie Zeit für mich – aber es fühlt sich so gut an, es ist mein ganz großes Glück.

Wenn du ein Ranking deines derzeitigen Lebens machen müsstest: Was steht bei dir an erster Stelle, was auf Platz zwei und drei?
Auf Platz eins steht ganz eindeutig die Familie, zum einen unsere kleine Familie, damit meine ich meine Freundin und mein Kind. Aber genauso ist mir die große Familie sehr wichtig, Michaelas Familie ebenso wie meine Verwandten, auch wenn sie in Kanada leben.

Auf Platz zwei steht für mich, dass ich ein gutes, abwechslungsreiches Leben führen darf mit vielen Aktivitäten. Und das führt mich auch schon zu Platz drei: Bewegung ist für mich essenziel. Nicht nur die körperliche Bewegung – Stillstand und zu viel Ruhe finde ich generell nicht gut. Mir ist es wichtig, immer in Bewegung zu sein, das Leben zu genießen mit Freunden und Familie, nicht alleine zu sein.

„Alleine“ bist du ja schon länger nicht mehr. Wie und wann hast du deine Michaela kennengelernt?
Wir haben uns vor knapp sechs Jahren kennengelernt, am Salzburger Christkindlmarkt. Im Dezember werden es genau sechs Jahre – das ist schon eine lange Zeit.

Steht demnächst vielleicht eine Hochzeit an?
(grinst) Vielleicht – schauen wir einmal, ich kann es mir schon gut vorstellen!

Wie schaut das typische Familienleben bei euch aus? Welche Aufgaben übernimmst du im Haushalt und in der Kinderbetreuung?
Ich bin wahrscheinlich keine so große Hilfe. Ich fahre ja doch jeden Tag bereits in der Früh ins Training und komme erst gegen ein oder zwei Uhr nachmittags nachhause. Dann helfe ich natürlich schon mit. Aber Michaela hat alles gut im Griff und macht einen großartigen Job. Hockey zu spielen ist auch harte Arbeit, du musst jeden Tag trainieren, bist jedes Wochenende im Einsatz – das ist schon sehr zeitintensiv.

Bleibt da noch freie Zeit für dich? Wie verbringst du deine Freizeit?
Ich mache in meiner Freizeit alles gerne, was man draußen machen kann! Wandern, Radfahren, gerade gemeinsam mit der Familie genieße ich alle Outdoor-Aktivitäten gleich noch mehr! Draußen, in der Natur kann ich meine Akkus wieder auffüllen und richtig Energie tanken.

Was betrachtest du heute als deine Heimat? Welchen Stellenwert hat Heimat für dich?
Heimat ist für mich nicht wirklich ein Ort, es ist mehr ein Gefühl, es sind die Menschen rund um mich, die Familie. Ich fühle mich hier in Salzburg zuhause. In Kanada habe ich eine große Familie – aber sie kommt oft auf Besuch nach Salzburg.
Michaela, Levy und ich haben ja grundsätzlich zwei Zuhause. In Nußdorf am Haunsberg leben wir in einem kleinen Haus. Das war zuvor schon das Haus von Michaelas Großeltern, das wir nun für uns renoviert haben. Aber es ist mühsam, jeden Tag zu pendeln, im Alltag ist es einfacher, auch einen Ort in Salzburg zu haben – dann leben wir hier in unserer Salzburger Wohnung.

Fühlst du dich bereits als echter Salzburger?
Ja, schon. Ich war schon an so vielen Orten in ganz Europa, aber nirgends hat es mir so gut gefallen wie in Salzburg. Es ist so eine wunderschöne Stadt. Normalerweise, wenn etwas so schön ist, gewöhnst du dich mit der Zeit daran und du empfindest es irgendwann gar nicht mehr so. Aber das passiert in Salzburg nicht, es ist einfach immer noch schön!

Was schätzt du an Salzburg besonders?
Hier ist alles so praktisch, du kannst alles ganz bequem mit dem Fahrrad erreichen. Und den gesamten Lifestyle hier in der Stadt mag ich ebenfalls sehr.

Was vermisst du in Salzburg?
Nichts Spezielles! Eigentlich vermisse ich nur manchmal meine Leute in Kanada.

Du hast die österreichische Staatsbürgerschaft beantragt, wann wird es soweit sein?
Oh, das ist ein laaaanger Prozess! Ich lebe schon lange genug dafür in Österreich, aber um einen österreichischen Pass zu bekommen, muss ich meine kanadische Staatsbürgerschaft aufgeben – das ist ein wirklich schwieriger Prozess. Ich hoffe, es ist bald soweit!

Warum ist dir die österreichische Staatsbürgerschaft so wichtig?
Ich hoffe, ich kann noch für eine sehr, sehr lange Zeit hier in Österreich bleiben. Mit der österreichischen Staatsbürgerschaft müsste ich auch nicht immer wieder um ein neues Visum ansuchen.

Hat das auch karrieretechnische Gründe?
Ja – hoffentlich kann ich dann auch in der Nationalmannschaft Hockey spielen. Allerdings bin ich mittlerweile nicht mehr wirklich jung! Immerhin bin ich schon 32 Jahre alt und das ist im Eishockey sogar schon relativ alt. Die Spieler sind heute alle sehr jung, es ist nicht unbedingt üblich, dass man mit über 30 noch Eishockey spielt. Am wichtigsten ist für mich, dass ich auch weiterhin in Österreich bleiben kann, auch wenn ich eines Tages einmal nicht mehr Hockey spielen werde.

Weißt du noch, was dein allererster Berufswunsch war? Welche Ziele und Wünsche hattest du ursprünglich?
Ich wollte immer schon Hockey spielen. Mit vier Jahren bin ich zum ersten Mal auf dem Eis gestanden und ab da war Eishockey mein Lieblings-Hobby. Schon damals war es mein Traum, professionell Eishockey zu spielen. Es war von Anfang an mehr als ein Hobby, es war und ist meine Leidenschaft. Aber ich denke, das ist in Kanada bei vielen Kindern so! Eishockey ist in Kanada ähnlich verbreitet wie Skifahren in Österreich.

Was, würdest du sagen, muss ein Eishockey Profi mitbringen? Außer dem Talent zum Sport und die körperlichen Voraussetzungen…
Auf jeden Fall eine starke Mentalität, die ist in diesem Sport sehr wichtig! Es gibt so viele Highs and Lows im Eishockey, aber es ist – wie wahrscheinlich auch in jedem anderen Sport – wichtig, dass du trotzdem immer mental stark bleibst.

Was ist dein Ziel für diese Saison? Was möchtest du mit den Red Bulls noch erreichen?
Für uns ist das Ziel, wie immer, die Meisterschaft zu gewinnen! Und ich denke, es schaut gut aus dieses Jahr. Wir haben einen wirklich sehr guten Trainer. Matt McIlvane ist der beste Trainer, den wir hatten, seit ich bei Red Bull Salzburg bin. Ja, es ist ein wirklich gutes Jahr für uns und das Ziel ist, wie gesagt, die Meisterschaft!
Und das deckt sich auch mit meinem persönlichen Ziel: Ich sehe mich als wichtigen Teil der Mannschaft und ich bin wirklich guter Dinge und mache einen guten Job.


Was bedeutet für dich heute Erfolg? Wie definierst du Erfolg?
Erfolg ist für mich, wenn wir gewinnen und ich Teil davon war. Wenn ich meinen Job mache und ihn gut mache. Das gilt für jeden Tag. Der Erfolg kommt langsam, aber wenn du alles richtig machst, hast du dann konstant Erfolg.

Wo siehst du dich in zehn Jahren?
Ich habe wirklich keine Ahnung. Ich schaue noch gar nicht so weit in die Zukunft. Aber hoffentlich mit einer großen Familie und noch vielen Geschwistern für Levy.

Wofür bist du dankbar?
Als allererstes bin ich dankbar, dass ich gesund bin, das ist das Wichtigste. Wenn ich gesund bleibe, kann ich, glaube ich, alles schaffen und es wird sich alles gut entwickeln. Für mich und meine Familie. Ich wünsche mir, dass ich immer ein frohes Mindset habe, dass ich jeden Tag froh sein und das Leben genießen darf.