Abenteuer & Freizeit

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Abenteuer Bike

Text: Doris Thallinger

Fotos: saalbach.com - Mia Knoll, Stefan Voitl, Moritz Ablinger, Hansi Heckmair, Yvonne Hörl; SalzburgerLand Tourismus - Andreas Meyer, Erwin Haiden

Welcher Sport eignet sich für so ziemlich jeden? Für blutige Anfänger genauso wie für Gipfelstürmer, für Speed-Freaks wie für Ausflügler? Für Kilometer-Fresser wie für Cruiser? Radsport erlebt einen noch größeren Boom als je zuvor. Ebenso groß ist die Bandbreite an Bikes und Rädern, die heute für tatsächlich jedes Bedürfnis zugeschnitten sind. Unser persönlicher Star? Eindeutig – das Gravelbike!

Die Landschaft fliegt vorbei, der Wind pfeift um die Ohren, der Schotter spritzt unter den Reifen weg, es geht um Geschwindigkeit. Gleich der erste Anstieg, die Oberschenkel brennen, die Atmung wird heftiger, die ersten Schweißtropfen stehen auf der Stirn. Doch jetzt gibt es kein Aufgeben – nicht bevor der erste Berg erklommen ist. Oben angekommen weiß man wieder, warum es sich lohnt, durchzubeißen. Der Blick ins Tal belohnt ohnehin jede Mühe, der Blick auf die bezwungenen Höhenmeter befriedigt das Ego. Ein gutes Gefühl, es geschafft, den Höhepunkt erreicht zu haben. Und: den nächsten direkt vor sich zu haben – nämlich die rasante Abfahrt. Nicht weniger anstrengend geht es über Stock und Stein, die Trails führen durchs Gelände, Wurzeln und andere Hindernisse sind zu bezwingen, der Oberkörper auf Hochspannung, genauso wie die Konzentration – nur keinen Fehler machen!

Der Untergrund wird gleichmäßiger, Schotter und Asphalt sind nun unser Untergrund, die Wege mehr oder weniger befestigt. Zeit, das Tempo zu erhöhen, neuen Rekorden entgegenzutreten. Gleichmäßig surren die Reifen über den glatten Asphalt, nehmen an Tempo auf, das monotone Treten versetzt fast in Trance. Was jetzt zählt, ist Speed, den Schnitt halten, Kilometer um Kilometer in die Wadeln bringen.

Unzählige Routen machen Salzburg zum Paradies für Roadbiker.

Eine Erfindung – zig Ausprägungen
„Radfahren“ kurz zu beschreiben, ist unmöglich. Es ist Freiheit, es ist Rausch, es ist Loslassen, es ist Auspowern und Genießen, es ist Entschleunigen und Gas geben. Aus eigener Kraft Berge zu erklimmen, lange Strecken zurückzulegen – und am Ende weiter gekommen zu sein, als man es für möglich gehalten hätte. Das alles bedeutet Radfahren. Und so unterschiedlich wie die Motivation, sich aufs Radl zu schwingen, so unterschiedlich sind heute auch die Räder und Bikes!

Wer behauptet, das Rad sei schon vor langer Zeit erfunden worden, hat keine Ahnung von den unterschiedlichsten Ausprägungen des guten alten Drahtesels, die heute das Rad zum Sportgerät Nummer 1 machen! Roadbike, Mountainbike, Trekkingbike, Crossbike, Gravelbike, E-Bike … und in jeder Kategorie noch weitere Unterteilungen, die für jeden Anspruch und jedes Können das optimale Bike herauskristallisieren.

Nein, Fahrrad ist nicht gleich Fahrrad – und wer sich jetzt dem Radsport verschreibt, muss eine wichtige Entscheidung treffen: Was will ich? „Mittlerweile gibt es mehr Kategorien als Rennrad oder Mountainbike“, bestätigt Sibylle Wagner von Radsport Wagner. „Die erste Frage, die sich stellt: Auf welchem Untergrund wird man unterwegs sein? Hat man schon Touren im Kopf? Das optimale Bike muss für seinen Einsatzzweck und zur Körpergröße passen, auch der Wohnort gibt entscheidende Hinweise: Was bietet sich für mein direktes Umfeld an?“

Als Neuheit im Bereich des Radsports präsentiert sie das Gravelbike: „Das Gravelbike überzeugt viele mit einer komfortableren Sitzposition – das Cockpit ist höher und der Lenker nicht ganz so sportlich wie beim klassischen Rennrad. So ist auch im Gelände ein gewisser Komfort gewährleistet.“ Die breiteren Reifen, geeignet für jeden Untergrund, erweitern das Tourenspektrum gewaltig. „Gerade in unserer Gegend bietet sich das Gravelbike extrem gut an – da beim Gravelbike der Lenker höher ist, wird auch die Sitzposition bequemer und jeder kann damit fahren.“

Über Stock und Stein mit dem Gravelbike

Um sich für das richtige Gefährt zu entscheiden, ist für Sibylle Wagner eines unumgänglich: die Probefahrt: „Das Wichtigste ist, dass das Rad gut fährt, leicht läuft. Der Fahrer muss sich sicher und wohl darauf fühlen, für diese Aspekte sind Rahmen und Federung ausschlaggebend. Darum ist die Probefahrt das Um und Auf. Nur so bekommt man ein Gespür für das Gerät.“

Aber nicht nur, wie man fährt, auch wie man bremst, ist wesentlich. Mittlerweile haben am hochwertigen Sektor Scheibenbremsen den Markt erobert. Der Durchmesser der Bremsscheibe hängt wiederum von Fahrstil, Gewicht und Körpergröße ab. Auch wichtig, aber zweitrangig ist für Sibylle Wagner das Schaltwerk: „Jedes hochwertige Rad verfügt mittlerweile über eine ausgezeichnete Schaltung. Relativ neu am Markt ist das elektronische Schaltwerk. Nicht notwendig, aber wenn man es einmal ausprobiert, erkennt man schnell, wie viel Spaß es macht, selbst im Wiegetritt, in Kurven oder beim Bremsen mit einem Klick zu schalten.“

Sibylle Wagner

Der Berg ruft!
In den 70er Jahren in Kalifornien von Hippies entwickelt, ist das Mountainbike heute wohl die größte Erfolgsgeschichte der Radbranche. Nach und nach schwappte dieser Trend bald auch nach Europa über – übrigens war damals Radsport Wagner in Salzburg der erste Shop in ganz Europa, in dem man Mountainbikes kaufen konnte! Was damals die neueste Sensation war, kann mit der Technik heute natürlich bei weitem nicht mehr mithalten. Wohl kein anderer Bereich des Radsports ist so innovationsträchtig. Entsprechend die Auswahl für die unterschiedlichen Einsätze.

Herzstück des Mountainbikes ist das Federsystem, wobei sich zunehmend vollgefederte Bikes, also Fullys, gegen die lediglich an der Front gefederten Hardtails durchsetzen. Einzig das zusätzliche Gewicht sowie der natürlich entsprechend höhere Preis sind dem Fully als Nachteile anzukreiden. Nachteile, die jedoch in Relation mit dem erhöhten Fahrspaß, besserer Kontrolle und mehr Komfort schnell schwinden. Generell bietet der Mountainbike-Sektor heute für jeden das passende Gefährt, von Einsteiger- und sportlichen Allrounder-Bikes über Cross Country und Marathonräder bis hin zu All-Mountain und Enduro Bikes.

„Das Mountainbike mit seinen breiten Reifen und einer Federgabel mit viel Federspiel ist, auch von der Übersetzung, heute wirklich zu einem Geländerad für den Berg geworden“, so Sibylle Wagner. „Für Touren eignen sich – je nach Wegbeschaffenheit – eher das Rennrad bzw. das Trekking- oder Gravelbike.“

On the Road
Der Boom des Roadbikes hält an. Das Rennrad (vom Klassiker über das Cyclocross- bis hin zum Triathlon-Bike) ist längst nicht mehr Profis und ambitionierten Hobbyradlern vorbehalten, nein, auch die breitere Masse hat die Vorteile der Straße für sich erkannt. Alle Wege, soweit befestigt, stehen offen und laden ein, schnell, effizient und sportlich dahinzugleiten. In sportlicher Sitzposition, mit schmalen Reifen für optimale Bodenhaftung und leichten Laufrädern, eignen sich die Roadbikes ideal für temporeiche Touren und lange sportliche Ausflüge, die sowohl das Landschafts- als auch das Bewegungserlebnis mit einbeziehen, aber auch für intensive Trainingseinheiten. Wichtig sind die richtige Größe und Passform, da Rennradler meist längere Zeit im Sattel sitzen. Darüber hinaus stellt sich beim Kauf die Frage des Materials: Alu- oder Carbon-Rahmen, wobei ohne Frage die Carbonfaser das Bike leicht und dennoch steifhält und für guten Fahrkomfort sorgt – was sich natürlich auch wieder im Preis niederschlägt. Auch den Laufrädern sollte man entsprechende Bedeutung beimessen – Rollverhalten, Gewicht und Steife wirken sich auf das Fahrvergnügen aus.

DER Trend: Gravelbiken!
Man nehme das klassische Roadbike, verlängere den Radstand, vermenge es mit einer ordentlichen Portion Mountainbike-Technik, versehe es mit voluminöseren und minimal profilierten Reifen – fertig ist das Beste aller Welten: das Gravelbike! Trotz der unanfecht-
baren Stärke im Gelände zählt das Gravelbike grundsätzlich zur Familie der Rennräder, wenngleich die Verwandtschaft zum Mountainbike unübersehbar ist: Scheibenbremsen, Tubeless-fähige Reifen, starker Antrieb. Sitzposition und Lenker wiederum sind dem Rennrad nachempfunden, jedoch weniger aggressiv und deutlich komfortabler für lange Strecken. Ideal für Touren jeder Geschwindigkeit, Länge und Beschaffenheit: Asphalt liebt der Gravelbiker ebenso wie Feld- und Schotterwege und Waldstrecken!

Spaß mit Motor
Jedes Bike, für jeden Verwendungszweck, gibt es heute auch mit Elektromotor. Den Sinn dahinter sieht Sibylle Wagner deutlich: „Sportliche Biker schaffen damit noch schwierigere Trails bergauf und können Strecken bewältigen, die sie zuvor nicht für möglich gehalten hätten. Und weniger Sportliche schaffen es, damit zum Beispiel wieder auf den Gaisberg zu kommen, auch ohne Auto! Viele sportliche Aktivitäten sind mit dem E-Bike direkt von der Haustüre aus machbar!“ Die Gefahr, sich selbst und seine Fähigkeiten zu überschätzen, sieht sie als gering an: „Grundsätzlich komme ich jede Strecke runter, die ich hinaufgeschafft habe. Ich kenne nur wenige Fälle, in denen sich E-Biker sehr überschätzt haben. Andererseits kann es auch einem eingefleischten Mountainbiker passieren, dass er sein Bike tragen muss, weil das Gelände zu schwierig ist – das macht man aber nur ein einziges Mal!“

Beim Kauf eines E-Bikes empfiehlt sie – neben der unumgänglichen Probefahrt, wie auch bei den Push-Bikes – auf renommierte Hersteller zu setzen. „Die Elektro-Bikes sind heute hochtechnologisch, sollte etwas zu reparieren sein, kann man nicht mehr selbst Hand anlegen, sondern ist meist auf das Know-how des Herstellers angewiesen.“

Salzburg – Paradies für Biker
Dass wir inmitten einer herrlichen Naturkulisse leben, steht fest. Dass diese Kulisse aber auch die besten Strecken für Rennradler, die spannendsten Trails für Mountainbiker, die genussvollsten Rad(wander)wege für Tourenfahrer und die actionreichsten Bikeparks für Adrenalin Junkies beinhaltet, wird erst bei genauerer Betrachtung bewusst.

„Wir haben enormes Glück, vor der Haustüre haben wir die Berge, sei es der Gaisberg in der Stadt, das Rossfeld oder der Trattberg. Saalbach-Hinterglemm ist als Gesamtes ein Paradies für Biker. Vor allem die Bikeparks in Leogang und Saalbach sind empfehlenswert für Fortgeschrittene. Anfängern würde ich zum Beispiel den Bikepark Wagrain ans Herz legen“, beschreibt Sibylle Wagner kurz die Highlights des Bundeslandes. „Mit dem Rennrad ist man gut beraten, sich von der Stadt Salzburg aus auf den Weg in den Flachgau und weiter Richtung Salzkammergut zu machen. Zwischen der Salzach und Mondsee gibt es Hunderte an zum Teil autofreien Wegen zu entdecken, Unmengen von Kilometern zu absolvieren!“ Tatsächlich gilt die Rennradregion Salzburgerland-Salzkammergut mit 22 Touren als Rennrad Hotspot für jede Leistungsklasse.

Aber auch in den anderen Gauen hat der Rennradsport Tradition, wie die schönsten Pass-Straßen des Landes beweisen: Von der sanft anmutenden Postalm, dem immerhin größten Almgebiet Österreichs, über den Dientner Sattel mit dem imposanten Hochkönigmassiv als Kulisse, bis hin zum sportlichen Highlight der Region, der Großglockner Hochalpenstraße: Hier fordern 18 langgezogene Kehren und stolze 1671 Höhenmeter Anstieg über 27,3 Kilometer den Rennradfahrern alles ab. Die Salzburger Sportwelt Amadé bietet 21 ausge-
wiesene Rennradtouren, von genussvollen Etappen entlang der Enns oder Salzach bis hin zu sportlichen Anstiegen Richtung Dachstein oder Hochkönig.

Vom Asphalt zum Schotter
Einige Regionen im Salzburger Land setzen bereits voll auf den neuen Trendsport und bieten eine große Auswahl an Strecken für Gravelbiker an. Von Vorteil ist das bereits gut ausgebaute Mountainbike Wegenetz, auf das auch Gravelbiker zu großen Teilen zurückgreifen können. Besonders die vielen Täler im Salzburger Land sind bei Gravelbikern gern gesehene Spielplätze für ihre stollenbereiften „Rennräder“. Das Salzburger Saalachtal und die Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern mit dem Salzachtal sind mit ihrem gut ausgebauten Netz an leicht zu befahrenen Schotterstraßen wie geschaffen für Gravelbiker. Wer sich einen ganzen Tag Zeit nehmen möchte, dem sei die „Grimmige Acht“ im Salzburger Saalachtal empfohlen. Über 55 Kilometer und 1.360 Höhenmeter führt die Runde vorbei an den schönsten Almhütten und über idyllisch gelegene Wiesen und Wälder.

Mitten in den Hohen Tauern fühlen sich Gravelbiker ebenso gut aufgehoben. Von Mittersill aus führen Gravelrouten in das Herz des Nationalparks. Dabei folgt ein landschaftlicher Höhepunkt dem anderen. Rauschende Wasserfälle, klare Bergseen und das Panorama über eine der imposantesten Berglandschaften in den Alpen machen eine Graveltour zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Etwas sanfter, aber genauso einmalig geht es auf dem Gravelbike durch den Tennengau. Als Highlight zählt in der Region auch für Gravel-
biker die Tour zur Postalm und den Genneralmen. Wer es idyllisch mag, dem sei der Seewaldsee ans Herz gelegt. Der Natursee liegt eingebettet zwischen den Bergen der Osterhorngruppe und lädt zu einem Sprung in das frische Wasser ein. In Saalbach Hinterglemm, dem Mekka der Mountainbiker, können Gravelbiker den neu errichteten Radweg durch das Glemmtal ideal mit dem Bikewegenetz verbinden und so Touren jeden Schwierigkeitsgrads fahren. Generell entpuppt sich die ganze Region als Eldorado für Gravelbiker: Touring, schnelle Offroad-Runden auf Schotterstraßen und Forstwegen oder gemütliche Erkundungstouren sind in diesem alpinen Schotterstraßenparadies zu finden.

Eldorado für Mountain- und Gravelbiker: Österreichs größte Bike-Region Saalbach-Hinterglemm-Leogang-Fieberbrunn

Österreichs größte Bike-Region
Aber nicht nur Gravelbiker sind im „Home of Lässig“ zuhause, vielmehr ist die Region Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn schon seit Jahren österreichweit DIE Region für (Mountain-)Biker. Ein quasi nur durch die eigene Kondition limitiertes Wegenetz, zahllose Schotter- und Asphaltwege, dazu 80 Kilometer Lines und Trails sowie neun Bergbahnen auf sieben Berge und außerdem WM-erprobte Downhill-Strecken im Epic Bikepark Leogang machen die Region unvergleichlich – für alle Leistungsstufen.

Bike your limit!
Wer schafft es, das ganze Gebiet rund um Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn an einem Tag abzufahren? Sieben Berge müssen bei der neuesten Herausforderung „THE CHALLENGE – Bike your limit“ bezwungen werden! Wadelbrennen ist garantiert – dafür gibt’s auch eine Belohnung und die Chance auf Gewinne, die das Bikerherz höherschlagen lassen. Und natürlich die Genugtuung, an seine Grenzen gegangen zu sein und zu den Besten zu zählen!